Textatelier
BLOG vom: 10.04.2008

Migrationssendungen zur Kundenbeschaffung: „Wir anderen"

Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Nachdem sich der Ausländerbestand in der Schweiz bereits auf 21 Prozent beläuft, spielt die Migrationsthematik in viele Bereiche hinein: Denn da treffen unterschiedliche Kulturen und damit auch Sprachen aufeinander, vermischen und beeinflussen sich.
 
Man muss sich, wenn der Einwandererteil eine bestimmte Dimension angenommen hat, allmählich von der Vorstellung lösen, dass sich die Menschen, die sich bei uns niedergelassen haben, einfach den schweizerischen Gepflogenheiten unterziehen würden – etwa nach dem Touristik-Motto „Im Gastland hat man sich den dortigen Sitten und Gebräuchen anzupassen“. Schliesslich werden auch die Reisedestinationen vom Tourismus massgeblich geprägt, viele Naturvölker von diesem geradezu verdorben. Verschmelzungen. Im serbischen Kosovo (albanisch: Kosova) hat zum Beispiel die Albaner-Einwanderung seit Beginn des 18. Jahrhunderts und ihre Vermehrung (ihr Anteil macht jetzt etwa 88 % aus) dazu geführt, dass sich das ehemalige serbische Gebiet vom Ursprungsland abzutrennen versuchte und die Unabhängigkeit ausrief, ein Beispiel für eine überhand genommene Überfremdung, die zu enormen Spannungen und dem Regime der so genannten „internationalen Gemeinschaft“ (USA und deren Handlangerländer) führte. Die Serben waren zur (unterdrückten) Minderheit in der eigenen Provinz geworden. Solch gravierende ethnische Verwerfungen sind von allen möglichen, höchst beunruhigenden Folgen begleitet.
 
Die Schweiz spielte bei der von den USA vorab aus strategischen Gründen geförderten Kosovo-Abspaltung (sie betreiben dort einen Stützpunkt zur Niederhaltung von Russland und dem übrigen Europa) wegen Bundesrätin Micheline Calmy-Rey mit und gehört zu den ersten Nationen, die den Kosovo als selbstständigen Staat anerkennen, eine voreilige Massnahme, weit abseits der gebotenen Neutralität. Und dem CH-Aussenministerium ist es dementsprechend nun höchst peinlich, dass Carla del Ponte auf Details aus der Zeit der ertrotzten „Unabhängigkeit“ hinweist. Sie jagte selektiv jene Kriegsverbrecher, die dem Westen unsympathisch waren und jetzt Botschafterin in Buenos Aires ist. Sie schrieb ein Buch, in dem die Zustände im Kosovo angeblich wie folgt darlegt werden: Terroristen der UÇK, dieser „Befreiungsarmee“ der Kosovo-Albaner, hätten 1999 mehr als 300 Einwohner aus den serbischen Enklaven entführt und in den Norden Albaniens gebracht, wo ihnen in einem Geheimlabor lebenswichtige Organe für den Schwarzmarkthandel entnommen worden seien.
 
Das Buch enthält ausserdem Anschuldigungen an den jetzigen Premier des Kosovo, Hashim Thaçi, und seinen engsten Mitstreiter und UÇK-Kommandeur Ramus Haradinaj, die von den UÇK-Verbrechen gewusst haben oder gar daran beteiligt gewesen sein sollen. Das sei überhaupt nicht bewiesen, hiess es aus dem Calmy-Haus in Bern, und die Präsentation des Buchs „Die Jagd. Ich und die Kriegsverbrecher“ (Originaltitel: „La caccia. Io e i criminali di guerra“) wurde Carla del Ponte verboten, eine ausgezeichnete Werbung für das Buch. Ohne handfeste Skandale lassen sich Bücher heute kaum noch verkaufen, wie man weiss. Allerdings wird die Autorin vielleicht ihren Botschafterposten verlieren, weil sie ausnahmsweise diesmal nicht auf der Seite des Westens steht, also auf der falschen.
 
Multikulti-Folgen
Doch kehren wir zum Grundsätzlichen zurück: Gewisse Durchmischungen (auch der Rassen) sind in der auf Vielfalt angelegten Natur positiv. Massive Überlagerungen aber können zerstörerisch wirken. Vermischungen sind in Einzelfällen günstig, ja geradezu erwünscht (das Gegenteil von Inzucht), im grösseren Stil können sie aber nivellierend wirken. Die Sprache wird undifferenzierter, das Niveau des Denkens verschiebt sich nach unten. Wer sich nicht mehr exakt artikulieren kann, kann keine Gespräche führen, die ihn weiterbringen. Und wer die Wörter nicht mehr versteht, kann nicht mehr lesen.
 
Die Multikultigesellschaft in der heute bestehenden, allmählich überbordenden Dimension führt eindeutig zu einer kulturellen Verarmung zwischen Infantilisierung und intellektueller Vergreisung. Ob Vermischungen günstig oder ungünstig sind, ist also eine Frage des Masses. Wenn es weltweit auf der Grundlage des kreolisierten Amerikanischen nur noch ein unbedarftes Kreolisch gibt, das sich auf 400 Alltagsbegriffe beschränkt, werden US-amerikanische Zustände, wo viele Kinder die Bücher umgedreht in der Hand halten, ohne es zu merken, der Normalfall sein.
 
Wir sind ebenfalls auf dem Weg dorthin: Die serbelnde Schweizer Boulevardzeitung „Blick“, die mit jedem „Relaunch“ (grafische Änderungen hin zu mehr Bildern und weniger Text als untauglichem Versuch, die Abnahme der Auflage und der Beachtung zu stoppen) einen Schritt weiter zur Abschaffung des Wortes tut, hat den Sportteil bereits auf den Kopf gestellt, d. h. diesen Teil umgedreht. Wie immer ein Neoanalphabet dieses Bilderbuch in die Hände nimmt, es sieht aus, als ob es richtig sei.
 
Da der „Blick“ seit Jahrzehnten der Schrittmacher für die nachahmungskranken Schweizer Medien ist, sind praktisch alle dem Kürzestwahn neben masslos aufgeblasenen Bildern und dem Hohldrehen in Richtung Bedeutungslosigkeit gefolgt. Beim Radio DRS1 füllt man die Leerräume mit amerikanischer Musik, ohne Bezug zu den kurz behandelten Themen. Im Moment gibt gerade Don McLean seinen „American Pie“ zum Besten – und das ausgerechnet kurz vor dem Mittagessen.
 
Die Themenwoche
Die elektronischen Bezahlmedien der Schweiz, die unter dem Kürzel SRG idée suisse daherkommen, veranstalten zwischen dem 7. und 13. April 2008 eine zerstückelte „Themenwoche Integration“. In fast jede Sendung zum Thema „Wir anderen – nous autres – noi altri“ wird ein kurzes Migranten-Thema hineingewurstet. Selbstredend wird diese Info-Kampagne von vielen oft peinlichen Publikumsumfragen begleitet, mit denen man die Zeit und die Sendungen auf denkbar kostengünstige Weise totschlagen kann – ein unkoordiniertes Geplauder, das Publikumsnähe suggerieren soll. Und man wird daran erinnert, dass der Zofingermarsch deutscher und der Sechseläutenmarsch russischer Herkunft ist: musikalische Migranten also.
 
Mit alledem wird versucht, Migranten als Zuhörer und Zuschauer zu gewinnen. SRG-Originalton: Wie gelingt es, Menschen mit einem Migrationshintergrund als Publikum zu gewinnen?“ Es geht also einmal mehr um Quotenaspekte. Die Aktion wurde wahrscheinlich von der Marketingabteilung ausgeheckt; es geht wohl weniger um ein Anliegen an sich, was die Koordinationslosigkeit erklärt.
 
Bei den Ursachen ansetzen
Bei dem immer häufigeren Radio-Geplauder ab Telefon kommt regelmässig zum Ausdruck, dass es auch für Ausländer oft schwierig ist, sich in einem fremden Land mit einer anderen Kultur zurechtzufinden, wenn sie nicht hier geboren sind. Was zwar schon immer bekannt war. Sicher ist es immer schmerzhaft, seine angestammte Heimat verlassen zu müssen – meistens aus Angst, einer ausgesprochenen Notlage oder aus der Hoffnung auf ein besseres Leben heraus. Das Ziel einer vernünftigen Weltpolitik, die bisher nichts Gescheiteres als die neoliberale Globalisierung im Interesse der Wohlhabenden hervorzubringen imstande war, müsste also sein, auf die Plünderung weniger entwickelter und oft wehrloser Staaten und ganzer Kontinente zu verzichten. Sie müsste für eine einigermassen gerechte Verteilung der lebensnotwendigen Güter sorgen und den Menschen die Möglichkeit geben, in ihrer vertrauten Umgebung zu überleben. Bei den Ursachen wäre also anzusetzen, statt ein Klima der Ungerechtigkeit zu schaffen und sich ausschliesslich aus dem schlechten Gewissen heraus und um der Geschäfte willen sozial und medial für die Geflohenen und heimatlos Gewordenen zu kümmern.
 
Man dürfte es niemals zulassen, dass die Globalisierung das soziale Gefälle ständig vergrössert und die Erde in einen eigentlichen Kriegszustand versetzt. Der Terrorismus hat viel mit Ungerechtigkeiten zu tun, auch mit Unterdrückung, wie Israel, das Palästinenser bestiehlt, aushungert, erschiesst und sich mit US-Beistand über alle Uno-Resolutionen hinwegsetzen darf, ständig erfährt. Es ist ein Fluch über diesem Land, das bei einem derartigen Verhalten nicht zur Ruhe finden kann, dem verbündeten US-Amerika nicht unähnlich, das unter seinen Schutzschirmen bald einmal zu ersticken droht.
 
Die Weltherren kennen auch auf politischer Ebene keine Skrupel: Im Moment sagt die jüdische Organisation Anti-Deformation League (ADL) der unabhängigen Schweiz mit einer teuren, diffamierenden Inseratekampagne gerade, mit wem wir Geschäfte machen dürfen und mit wem nicht, dem Jüdischen Weltkongress folgend. Solch unverschämte Einmischungen in unsere Angelegenheiten wissen wir sehr zu schätzen … besonders wenn uns der Vorwurf der Terrorismusförderung ausgerechnet aus einem Land trifft, das den Terrorismus durch seine ständigen Menschenrechtsverletzungen und der Einmauerung der bestohlenen Nachbarn aktiv provoziert. Das sind schon ungeheuerliche Vorgänge.
 
Unterordnung
Die Schweiz hat den Einwanderern viel zu verdanken, und gewiss würde die Wirtschaft ohne diese kaum funktionieren. Man soll den Migranten also beistehen, ihren Aufenthalt anständig gestalten. Viele von ihnen sind die „besseren“ Schweizer geworden als wir angestammten Schweizer es inzwischen sind, die wir im Interesse ungestörter Wirtschaftsbeziehungen allzu leichtfertig unsere Freiheit und Unabhängigkeit durch die Unterordnung unter die US-jüdische Vorherrschaft preiszugeben bereit sind. Wir nehmen sogar die Sprache der herrschenden Macht an, wie das alle Aufsteiger vorgeben: ein Indiz für die Unterwerfung.
 
… und ein Witzchen zum Schluss
Manchmal muss man seine Laune mit einem Witz aufzubessern suchen. Ich tue es mit einem solchen, den mir ein aus Gais (Kanton Appenzell Ausserrhoden) stammender und in die Stadt Luzern emigrierter Rentner, Herr Näf, mir bei einem Mittagessen in einem Restaurant dieser Tage erzählt hat, als wir über Multikultiaspekte sprachen. Er schickte mit einem gewissen Stolz voraus, die Gaiser würden als die „giftigsten“ Appenzeller betrachtet, was etwa bedeuten mag, dass sie den zynischsten Witz haben und diesbezüglich die Leute von Appenzell (Innerrhoden), das nur wenige Kilometer entfernt ist, sogar noch übertreffen. Also:
 
In einem der wunderschönen Holzhäuser mit geschweiftem Giebel von Gais AR, nahe von Appenzell Innerrhoden, sitzen der Vater und die erwachsene Tochter am Tisch auf ihrer Stabelle. Die Tochter sagt, sie habe jetzt eine ernsthafte Freundschaft und würde ihren angehenden Lebenspartner gern einmal heimbringen. Der Vater stimmt ohne weiteres zu. „Du darfst dann aber nicht erschrecken“, fügt die Tochter bei … „Was ist denn daran so schlimm?“ ‒ „Mein Freund hat eine schwarze Hautfarbe, stammt aus Afrika.“ Der Vater, von rassistischen Allüren nicht vollkommen frei, zeigt sich gelassen: „Wenn es nur kein Innerrhödler ist.“
 
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