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BLOG vom 25.05.2008


Liebegg – Sandsteinhöhlen – Trostburg – Siebenzwingstein
Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Aus dem Innenhof des Schlosses Liebegg ertönten der „Solothurner Marsch“ von Stephan Jaeggi und dann der leichtfüssige „Slawische Tanz“ Nr. 8 (opus 46) von Antonin Dvorák. Ich war gerade vom Gebiet Bleien (zwischen Gränichen und Teufenthal AG) zum Schloss aufgestiegen, begab mich vom Südturm her in den Innenhof und schaute nach, wer denn da am Musizieren sei. Es stellte sich heraus, dass sich das Rekrutenspiel der Schweizer Militärmusik 16-1/2008 unter der Leitung von Hauptmann Max Schenk und Stabsadjutant Philipp Rütsche an der sommerlichen Sonne bei nur wenigen Quellwolken auf einer Bühne hinter Notenblättern tapfer abrackerte. Die zwischen den 1998 bis 2002 erneuerten Hofbauten des Schlosses, der Laubentrakt (1817) und das dominante, 1982/83 renovierte Luternauhaus mit dem steilen Zeltdach und dem angebauten „Schneggen“ (Rundturm) bildeten eine festliche Kulisse. Auch der gerade blühende ostasiatische Blauglöckchenbaum (Paulownia tomentosa) in der Mitte des Innenhofs trug zum tönenden Monumentalgemälde bei; die lilafarbenen Blütenrispen, die den Blättern vorausgehen, hatten gerade ihren Höhepunkt hinter sich, das Rekrutenspiel aber steuerte darauf zu.
 
So war der in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts entstandene Stammsitz der Herren von Liebegg (Gemeinde Gränichen, Bezirk Aarau) einmal mehr zu frischem, jungem Leben erwacht. Stühle fürs Publikum standen bereits in Reih’ und Glied wie eine Kompanie beim Hauptverlesen, denn noch am selben Abend des 14.05.2008 war das zivile Publikum zu einer Serenade geladen.
 
In einer Übungspause sprach ich mit einigen Musikanten, worunter auch eine junge Dame mit Walliser Dialekt. Sie befanden sich in der Mitte der 21 Wochen dauernden Rekrutenschule und fanden es schön, in solch einer geschichtsträchtigen Umgebung auftreten zu können. Die Musikanten im Tarnanzug stärkten sich mit Süssgetränken und Wasser. Dann ging das Üben weiter, über „The bodyguard“, arrangiert von Robert W. Smith, bis zum traditionellen Schweizermarsch „du Régiment de Diesbach“ (eigentlich dem Freiburgermarsch). Es fällt leicht, von diesem Titel ausgehend, einen Bezug zur Liebegg zu konstruieren: Die berühmte, adelige Diesbach-Familie stammte aus der Herrschaft Diessbach (diesmal mit Doppel-S) bei Thun BE. Seit dem 15. Jahrhundert gehörte sie der politischen Führungsschicht des Berner Stadtstaats an. Nach der Einführung der Reformation im Berner Herrschaftsbereich zog die katholische Familie nach Freiburg. Sie kam durch die Heirat von Bernhart von Diesbach mit der Erbtochter Magdalena von Graviset 1764 ausgerechnet in den Besitz des Schlosses Liebegg. 1817 zerstörte ein Erdbeben Teile dieses Schlosses, das unter der von-Diesbach-Familie mit Ausnahme des Turms anschliessend neu errichtet wurde: Aus diesem Grunde gibt es auf der Liebegg ein Diesbachhaus: ein langer Gebäudekomplex auf der Westseite der unteren Burg. Und dieser passt in seiner architektonischen Strenge sehr wohl zum Diesbach-Marsch.
 
Zu den Sandsteinhöhlen
Mit Blasmusik in den Ohren machte ich mich auf den Marsch zu den Sandsteinhöhlen, die es nahe beim Schloss Liebegg gibt. Man kann mit der Aar-Bahn (Wynen- und Suhrentalbahn WSB) z. B. von Aarau aus bis Bleien („Bläie“) fahren oder das Auto auf dem schattigen Parkplatz unter dem Schloss abstellen, in der Nähe des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Liebegg, das soeben einen neuen Schweinestall bauen lässt und in grauer Vergangenheit einmal der Versorgung der Schlossbewohner diente. Die Gebäudegruppe des alten Liebeggerhofs (Bauernhaus mit Wohn- und Stallteil, Hochstudscheune mit Stall und ein separates Wohnhaus, später kamen eine Werkstattscheune und ein Speicher hinzu) bildete zusammen mit dem ausgedehnten Landwirtschaftsland den Gutsbetrieb des Schlosses. Schloss und Höfe waren eine eigene Gemeinde, die zum Gericht Birrwil gehörte.
 
Vom Parkplatz ausgehend, sieht man auf knapp halbem Weg zum Schloss (nach etwa 200 m) in der Schmidmatte am linken Strassenrand einen gelben Wanderwegweiser „Sandsteinhöhlen“. Ihm Folge zu leisten, lohnt sich wirklich. Nach ein paar Schritten hangaufwärts liest man auf einer Orientierungstafel „Steine für obrigkeitliche und gemeindeeigene Bauten“ über die Verwertung von Steinen der Gränicher aus gemeindeinternen Lagern während der vergangenen Zeiten:
 
„Der Bau der zweiten, 1663 vollendeten Gränicher Pfarrkirche nagte am empfindlichsten am Gesteinsvorrat der Gemeinde. Für die Errichtung des Turms, für die imposanten Eckquader, die Flächenmauern des Schiffes, die Fensterumrandungen und das Massewerk holte man aus dem Gemeindesteinbruch am Flüerain und aus dem Steinbruch in den Wällenen. Der dortige Muschelkalk soll in Bezug auf die Qualität dem Material aus den berühmten Mägenwiler Steinbrüchen ebenbürtig gewesen sein. Die in die Kategorie der Baudenkmäler von nationaler Bedeutung eingereihte Kirche weist quantitativ das höchste Gesteinsvolumen für ein Objekt aus örtlicher Ausbeutung auf, die vor fast 340 Jahren erfolgt ist.
 
Im Jahre 1696 liess die Berner Obrigkeit in Gränichen ein steinernes Vorratsgebäude für Getreide – das heutige Kornhaus – errichten. Es war damals doppelt so gross als heute. Die Ortsbürgerschaft hatte das Baumaterial aus den hiesigen Steinbrüchen zu liefern, 150 Fuder Sand- und Kalkbruchsteine, die hauptsächlich an der Buckhalde gewonnen wurden. Herbeigeführt wurden sie auf ,Gumpfbännen’, einst hauptsächlich zum Getreidetransport bestimmt, die pro Wagen etwa 500 Liter Hohlraum boten.“
 
Aus dem ortseigenen Gesteinsmaterial wurden in Gränichen auch die Bleien-, Vorstatt- und Wasserwendebrücke über die Wyna, das Armenhaus im Hochspüel, die Schulhäuser im Refental und im Rütihof sowie das Dorf- und Vorstadtschulhaus erbaut. Überall spürt man Geschichte. Man ist mitten drin und darf sich in diesem Zusammenhang wohl daran erinnern, dass Gränichen und Liebegg einst ein althabsburgischer Streubesitz waren, der durch die Hausteilung um 1225 an die jüngere Linie der Grafen von Habsburg (Habsburg-Laufenburg) kam. Diese belehnten die Herren von Liebegg mit der „alten“ Burg und dem halben Twing (Zwing) Liebegg. Die andere Hälfte wurde den Liebeggern von den Freien von Aarburg als so genanntes „Afterlehen“ (Unterlehen) verliehen; man interpretiere den Ausdruck bitte nicht falsch.
 
Ein paar Schritte nur sind es in den Lieberggerwald hinein, und sogleich fühlt man sich wie in einem riesigen, kunstvoll ausgestalteten, ausgehöhlten Topf im Sandstein, in dem ein Bächlein fliesst und einige grosse Buchen mit ihren frischen linden- bzw. eben buchengrünen Blättern im sanften Braun des Sands für liebliche farbliche Akzente sorgen. Die im feinkörnigen Sand verankerten Wurzeln der Baumriesen sind zu einem guten Teil freigelegt, kunstvolle, verschlungene Naturformen, die üblicherweise unterirdisch und damit unsichtbar sind. Eine Mutter aus Teufenthal war mit ihren halbwüchsigen Kindern in diese kühle Mulde gekommen, und die Jungmannschaft rutschte fröhlich die steilen, sandigen Hänge hinunter. In die Wände sind Höhlen verschiedener Grösse eingelassen, auch solche, die nach einem schmalen Eingangsschlitz steil gegen das Erdinnere abfallen; im unteren Sektor des Amphitheater-ähnlichen Topfs sind 2 Höhlen unter sich verbunden. Die Formen sind drinnen in den dunklen Löchern und draussen in dieser Geländenische weich, eine Kombination aus menschlichen Eingriffen und dem unbändigen Gestaltungswillen der Natur.
 
Zur Trostburg
Ich wählte dann auf Anraten der netten Teufenthalerin einen kleinen Waldweg dem Abhang entlang, ohne gross auf- und absteigen zu müssen, querte eine Waldstrasse und fand problemlos zur Liebegg-Schlossanlage zurück. Dort liess ich mich nicht mehr musikalisch einlullen, sondern folgte dem gelben Wegweiser „Trostburg“ (15 Minuten). Der Wanderweg führt an skurril geformten, auch mit Moos und Farn bewachsenen Sandsteinwänden vorbei, und man kann beobachten, wie dort Stiel- und Traubeneichen die Naturverjüngung pflegen.
 
Beim Aussichtspunkt Katzenhübel in einer Naturschutzzone steht eine uralte, verbogene Föhre. Von dort auf öffnet sich ein weiter Einblick ins bebaute Teufenthaler Gebiet in der Talsohle der Wyna mit den kolossalen Injecta-Industriebauten (Druckguss) an der Wynentalstrasse und der WSB-Bahnlinie. Das mutet typisch aargauisch an: Landwirtschaft, Erholung, Siedlung, Industrie und Verkehrswege durchdringen sich auf engem Raum. Zudem ist von hier aus die reiche Gliederung der Wynentalflanken zu erkennen: Seitentälchen wie das Loch, Mortal oder Pfendel, Querrücken wie Dossen oder Tüelenkopf und Sporne wie hier auf dem Katzenhüg(b)el und beim Schloss Liebegg prägen den weichen und abwechslungsreichen Landschaftscharakter. In der letzten Eiszeit stoppte die Gletscherzunge rücksichtsvollerweise bereits in Gontenschwil (etwas talaufwärts), so dass in Gränichen/Teufenthal die Kerben, Sporne und „Chrachen“ nicht vom fliessenden Gletscher ausgeebnet, abgeschliffen wurden.
 
Der Wanderweg führt oberhalb des Einfamilienhausquartiers Raustrasse/Blumenweg am Rand des Liebeggerwalds vorbei. Nach einer Linkskurve sieht man plötzlich den verschachtelten, märchenhaften Komplex des Schlosses Trostburg mit Kernburg und Vorburg vor sich, das auf verschiedenen Ebenen eines Molassehügels sitzt, zu der auch ein Burggraben gehörte. Auf dem oberen Plateau sind der Bergfried mit 2,4 m dicken Mauern und eine Schlosskapelle, die der frühere Besitzer und Antiquitätenhändler Samuel Janz 1938 als Erinnerung an Hans von Hallwil erbauen liess.
 
Die Trostburg ist eine wenig bekannte und nur rudimentär erforschte mittelalterliche Burganlage, die heute im Privatbesitz von Ernst Brunner und nicht zugänglich ist. Sie ist ausgezeichnet unterhalten. Wahrscheinlich wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts mit dem Bau begonnen, als neue Dienstadelsgeschlechter entstanden. Wie Rolf Bolliger im Buch „Liebegg. Trostburg“ (2005) schreibt, werden die im Spätmittelalter hinzu gekommenen Bauten zur Hauptsache Johannes VII. (Hans) von Hallwil zugeschrieben. Er war der „Held von Grandson und Murten“, kaufte die Trostburg 1486 und baute sie, wohl nach einem Brand, neu auf.
 
Beim Vorbeigehen an der Trostburg kommt man insbesondere am vorgelagerten, aufwändig renovierten Bauernhaus vorbei, ein rechteckiger, zweistöckiger Steinbau mit Krüppelwalmdach und Giebelründe sowie Gehrschild, wie sie im Bernischen oft zu sehen sind. Als ich vor wenigen Wochen mit Magnus Würth, dem Schlossherrn der Liebegg (bzw. Präsident des Vereins Schloss Liebegg), hier vorbei kam, läutete er überfallsmässig an der Glocke, und die freundliche Jolanda Wüest, die Partnerin des Schlossbesitzers Brunner, öffnete uns das Tor bereitwillig. Wir waren von der stilvollen Aussen- und Innenrenovation beeindruckt, ein Schaustück, an dem man sich kaum sattsehen kann. Eines der Prunkstücke ist das um 1 Stockwerk erhöhte Rebmannshaus, das auf den beiden oberen Etagen ein Riegelbau ist. Selbst das alte Waschhaus wurde nach altem Muster wieder erbaut. Jetzt ist es ein „Stöckli“ mit Balkonblumen am Obergeschoss-Laubengang.
 
Ob es einen geheimen Verbindungsgang zwischen den Schlössern Liebegg und Trostburg gibt, von dem Sagen erzählen, ist noch nicht erforscht. Und vielleicht gab es selbst den jungen Ritter Dietrich nicht, der sich ins Gebiet der heutigen Trostburg verirrt hatte und ein bezaubernd schönes, schlafendes Mädchen fand: Doch es stellte sich mit der Zeit heraus, dass sie Halbgeschwister waren und nicht heiraten konnten. Das Mädchen Gertrud lernte den jungen Theoderich von Rinach kennen, und diesmal klappte es mit der Hochzeit. Der Vater der Braut liess für Gertrud und ihren Mann die Trostburg bauen, auf dass sie dort bei all dem neuen Glück auch Trost finden mögen.
 
Zum Siebenzwingstein
Bei der Trostburg zeigt ein ganzer Strauss von Wanderwegweisern in alle Himmelsrichtungen, von denen einer zum Siebenzwingstein zeigt: 35 Minuten. Den wollte ich erreichen.
 
Der Dünkelweg folgt im Gebiet Rüti dem Waldrand und taucht nordwärts in den Liebeggerwald ein. Dieser Wald ist von einem ausserordentlich dichten Wegnetz durchzogen. Und selbst eine Lockstofffalle für Borkenkäfer ist darin aufgestellt, ein Hinweis auf waldbauliche Fehler (ein naturbelassener Wald reguliert sich selber). Erfreulicherweise hatten sich keine Insekten anlocken lassen, wie mir ein Blick in dieses schwarze Gefängnis offenbarte. Beim Cholplatz, den ich nach gut einer halben Stunde erreichte, sind in kleinem Abstand gleich 2 Waldstrassenkreuzungen nebeneinander, und einer der Wegweiser vermeldet, bis zum „Siben Zwingstein“ seien es noch 5 Minuten. Es sind rund 600 m bis zu jenem kuriosen Grenzpunkt, und das schafft in 5 Minuten nur, wer mit einer Stundengeschwindigkeit von 7,2 km dahinrast. Ich brauchte fast 10 Minuten.
 
Der berühmte Grenzstein ist auf 607 Höhenmetern an jener Stelle, wo sich die Grenzen von 7 Gemeinden, Bezirken und Zwingen treffen (ein Zwingbezirk umfasste früher meist mehrere Dörfer mit gemeinsamem Gerichtswesen):
O Bezirk Kulm: Teufenthal
O Dürrenäsch
O Retterswil
O Bezirk Lenzburg: Seon
O Bezirk Aarau: Gränichen
O Liebegg
O Trostburg
Der Punkt ist seit 1982 mit ineinander verschränkten Granitquadern markiert.
 
Zurzeit treffen sich beim Siebenzwingstein nur noch die Gemeinden Teufenthal, Seon und Gränichen. Der Zwing Liebegg ist in die Gemeinde Gränichen aufgegangen, und der Zwing Trostburg gehört zu Teufenthal. Retterswil ist seit 1898 in die Gemeinde Seon einverleibt, und Dürrenäsch reicht aus unerklärlichen Gründen nicht mehr bis zum Siebenzwingstein. Ein Geheimnis bleibt wohl auch, weshalb all diese Grenzen an einem schwer definierbaren Punkt mitten im Liebeggerwald zusammentreffen.
 
Nach der Anreicherung meiner Geografiekenntnisse begab ich mich die 600 m zum Cholplatz zurück und folgte dort dem Wegweiser „Liebegg 20 Minuten“. Ein angenehmer, weicher Weg führt durch den Laubwald, in dem ein Hochsitz, der an einen Baum angelehnt ist, von jägerischer Hinterlist Kunde gibt; das Tier sollte doch auch noch eine Chance haben. Weil Wildtiere wie Rehe keinen Feind von oben erwarten, hat der Jäger so ein leichtes Spiel. Solche Einrichtungen, die manchmal noch mit Rädern ausgestattet sind, um verschoben werden zu können, möchte ich in den Wäldern lieber nicht mehr antreffen. Sie untergraben auch das Ansehen der Jager.
 
Der Höhenunterschied bis zur Liebegg macht nur 100 m aus. Der Weg führt an einer Windwurffläche vorbei, und bald sieht man die Einrichtungen des Bildungs- und Beratungszentrums Liebegg und dann das Schloss.
 
Die hier beschriebene Strecke ist aus dem Ortsplan „Teufenthal“ (Ausgabejahr 2003) gut eingezeichnet; der Plan kann auf der Gemeindekanzlei für 5 CHF gekauft werden.
 
Auf dem Liebegg-Hof
Der aufkeimende Hunger trieb mich bei meiner Wanderung vom 14.05.2008 zum Hof Liebegg, wohin ein Wegweiser „Verkauf“ zeigt. Dort traf ich die nette Frau des Betriebsleiters, Vreni Rickenbacher, die mich bei meiner Nachfrage auf später vertröstete – es seien im Moment nur noch Kartoffeln aus der Ernte von 2007 zu haben. Aber im Herbst sei die Palette reich gedeckt – Früchte und Gemüse in allen Farben. Sie verwies auch auf die in der Nähe weidenden Angus-Rinder und sagte, wenn ich wolle, könne ich 1/8 eines Rinds (14‒18 kg) für August vorbestellen: Braten, Hackfleisch, Voressen, Geschnetzeltes, Siedfleisch, Haxen, Saftplätzli, Entrecôtes, Hohrücken, Huft, Nuss-Filet, Falsches Filet, alles portionengerecht vakuumverpackt und beschriftet für 26,5 CHF/kg. Nun sind wir allerdings keine grossen Fleischesser, und die Tiefkühltruhe ist immer mit Gartenüberschüssen überlastet. Doch glaubte ich durchaus, dass das nach dem IP-Standard produzierte, rote Weidefleisch gleichzeitig zart und schmackhaft ist.
 
Frau Rickenbacher zeigte mir dann junge Ziegen, die sich in der Obhut ihrer Eltern eben anschickten, die Welt des Wynentals zu erkunden, und dann führte sie mich in den Schweinestall, wo sich riesige Muttersauen ebenfalls um ihren Nachwuchs kümmerten. Josef Rickenbacher, der hinzu gekommen war, warf einige Gabeln Stroh ins Gehege, trockene Halme, die von einer Schweinemutter gleich gefressen wurden – ich wäre daran erstickt. Dann posierten Mutter und Nachwuchs für einige Bilder.
 
Ich wurde eingeladen, am Jubiläumsfest „50 Jahre Liebegg“ vom 23./24. August 2008 teilzunehmen, eine Riesenveranstaltung, wie Frau Rickenbacher sagte. Und so erhielt ich vom unteren Wynental den Eindruck einer lebendigen, vielgestaltigen Region.
 
Wenn ich einen „Wynentaler Marsch“ komponieren könnte, würde ich viele Crescendi und Decrescendi einbauen, um das hügelige Auf und Ab darzustellen, und Anklänge an Liebe und Trost dürften ebenfalls nicht fehlen, um der Liebegg und der Trostburg die Ehre zu erweisen. Aber haben Sie keine Angst: ich komponiere nicht.
 
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