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BLOG vom 29.08.2008


Gutes, Schönes, Idyllisches in Buonas am Zugersee entdeckt
Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Aufs Geratewohl, oder wie die Spanier sagen, „a la buena de Dios“ wollten wir den Innerschweizertag (21.08.2008) in Buonas ZG am Nordwestufer des Zugersees ausklingen lassen. Ich hatte einige Gastroführer nach guten Häusern in dieser Gegend abgesucht und war auf das Wirtshaus Wildenmann gekommen.
 
Bereits die Pfahlbauer hatten die gleiche gute Idee gehabt. Sie liessen sich dort fest nieder; unsere eigene Aufenthaltszeit aber war nur auf etwa 3 Stunden beschränkt. Das lockere Dörfchen gehört zur Gemeinde Risch im Kanton Zug wie auch Rotkreuz; diese Kleinstadt ist wegen ihres Knotenbahnhofs an der Gotthardlinie besser bekannt, den man von Luzern, Zürich, vom Gotthard und von Basel/Aarau aus erreicht.
 
Von der Verkehrshektik ist in Buonas nichts zu verspüren, auch wenn es dort eine kleine Schiffsanlegestelle mit üppigem Blumenschmuck gibt. Ein alleeartiges Strässchen führt zum Seeufer hinunter, in respektvoller Distanz an der St. Germanskapelle aus den Jahren 1631/32 vorbei. Ganz nahe bei der Kapelle steht das Lutigerhaus („Freudenberg“), ein verwitterter Blockbau mit Schiebladen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Unter der Laube bei der Eingangstreppe sind hölzerne Balustersäulen (Quelle: „Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug“ von Linus Birchler, 1934).
 
Wir parkierten das Auto beim Wildenmann, liessen einen Tisch reservieren, und wanderten vorerst die wenigen Meter zum Seeufer hinunter, vorbei an einer aufgeräumten Strandbadanlage mit einer Serie von nostalgischen Holzkabinen. Vom Landesteg aus fällt vor allem das nahe Schloss Buonas (1494‒1498 erbaut) auf erhöhter Lage über dem See auf, ein regelmässiges Rechteck mit umlaufendem Satteldach und Turm. Es wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts von den Herren von Buonas gegründet; sie waren Ministerialien (der Oberschicht zugehörige Dienstleute) der Grafen von Lenzburg. Die Anlage ging vor 1260 an Ulrich von Hertenstein über und erlebte eine ruhige Geschichte bei zunehmenden Einflüssen durch den Stand Zug, bis sie 1798 in die Hände der napoleonischen Truppen fiel. Später kam das Schloss wieder in Privatbesitz. In den 1840er-Jahren wohnten der aus dem Kloster abgeschobene Abt von Wettingen und ein Teil des Konvents darin. Später war eine Arbeitsanstalt für bedürftige Knaben darin eingerichtet. Die Besitzer wechselten häufig. Seit 1997 gehört das Schloss dem Basler Pharmaunternehmen Roche, das dort ein internationales Weiterbildungszentrum eingerichtet hat.
 
Die Zugerseelandschaft, von glazialen Erosionen während der letzten Eiszeit weich geformt, wirkt beruhigend. Die Wasserfläche, die 38,4 km2 beansprucht, ist von Siedlungen, Landwirtschaftsflächen und Wald umgeben, und die Landschaft wirkt nicht überladen. Wie der Hallwilersee ist auch der Zugersee überdüngt, weil an beiden Orten der Wasserdurchfluss ausserordentlich langsam ist und eine Durchmischung vor allem in den untersten Schichten praktisch nicht stattfindet; die Erneuerungszeit des Zugersees beläuft sich auf fast 15 Jahre (Hallwilersee: 3,8 Jahre; er wird seit 1986 an der tiefsten Stelle in der Seemitte künstlich belüftet). Dementsprechend wirken auch die Massnahmen zur Reduktion des Nährstoffgehalts wie dem Bau einer Ringleitung und Kläranlagen und Massnahmen im landwirtschaftlichen Bereich rund um den Zugersee noch langsamer; auf eine Belüftung, die auch diesem See gut täte, wurde leider verzichtet, obschon sich der Kanton Zug eine solche Massnahme sehr wohl leisten könnte.
 
Doch das Wasser wirkt optisch sauber. Einige Stockenten, die Männchen im Schlichtkleid, schwaderten auf der ruhigen Wasseroberfläche. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, begaben wir uns voller Zuversicht in die altehrwürdige Taverne Wildenmann („Wilder Mann“), die am Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, ein stattliches, von einem steilen Satteldach geprägtes Haus mit Sprossenfensterreihen auf 2 Etagen mit grünen Läden an der St. Germanstrasse 1. Im Oval des Wirtshausschildes wütet der wilde Mann mit so etwas wie einer Keule; offenbar hat er gerade einen Baum ausgerissen, um seine Bärenkräfte zu brauchen und zu dokumentieren. Die Stube ist mit einem einfachen Rokokotäfer und einem Rokokobuffet ausstaffiert. Ein heimeliges Haus mit warmer Atmosphäre.
 
Wir waren zu Viert und erhielten den schönsten Tisch auf der gedeckten, Wintergarten-ähnlichen Terrasse mit Blick zum See und hinüber nach Oberwil und bis gegen Zug zugewiesen. Als Appetizer wurden marinierter Lachs und Thunfisch aufgetragen, kleine Würfel, die ein Gefühl japanischem Sashmi aufkommen liessen. Die Salatteller waren mit Liebe zum Detail und mit Phantasie zubereitet, die Brokkolisuppe ihrerseits, im schrägen Teller serviert, delikat. An Fischgerichten wurden uns von einer kompetenten Serviererin aus Kroatien pochierte Zuger Röteli aus dem Zugersee und Eglifilets meunière empfohlen; die Röteli gehören in die Familie der Saiblinge und diese wiederum zusammen mit allen Forellenarten und dem Lachs zur Gattung der Salmoniden, welche sich durch die kleine Fettflosse zwischen Schwanz- und Rückenflosse auszeichnen. Im Wildenmann wird jeweils angeboten, was die örtlichen Fischer gerade gefangen haben; für den Hecht ist die Hauptsaison von Ende März bis zirka Mitte Mai und für den Röteli ab Mitte November für 3 bis 6 Wochen. Und dazwischen spielen Glück und Witterung die entscheidende Rolle. Ich wählte für mich ein Lamm-Entrecôte mit Bratkartoffeln und Ratatouille. Fische und Lamm wurden wunschgemäss mit grosser Sorgfalt auf den Punkt gebracht und liebevoll serviert.
 
Der Rischer Solaris, offenbar eine Neuzüchtung, war für mich neu, ein beladener, sauberer Weisswein mit leichtem Süssgeschmack – wie man ihn oft bei deutschen Weinen spürte oder spürt. Mir ging es darum, das einheimische önologische Schaffen zu ehren.
 
Auf der Speisekarte war die Herkunft aller verwendeten Lebensmittel vermerkt, und das hat mir imponiert und mein Vertrauen gestärkt. Bei den Fischen fiel mir zu meiner Überraschung auf, dass nur wenige aus dem Zugersee stammen. Wahrscheinlich ist das darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Zugersee-Getier wohl grösser als das Angebot ist.
 
Wir waren mit diesem Haus (www.wildenmann-buonas.ch), das von Sandra Roth und Michael Auer (Küchenchef) geführt wird, sehr zufrieden; die Atmosphäre, die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmten. Zum Abschied wurde eine luftige, sabayon-ähnliche Crème mit einer Himbeere aufgetragen, ein abschliessender guter Eindruck.
 
Die Dämmerung senkte sich über die parkähnliche Landschaft; der See wurde dunkler, leicht rötlich wie ein Röteli. Es war Zeit für die Heimkehr. Und wir alle stellten fest: Es war bueno in Buonas.
*
 
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