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BLOG vom 18.09.2008


USA: Schuldscheine zur Schwächung des Westens recycelt
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Man stelle sich vor, irgendein anderes Land als die unantastbaren, über jede Kritik erhabene USA hätte durch eine Orgie der Verschwendung auf Pump, auf Kredit und einen trickreichen Verkauf von falsch bewerteten Schuldbriefen in alle Welt die internationale Wirtschaft heruntergerissen: Es würde als Vorderachse des Bösen disqualifiziert. Die Amerikaner sähen schon wieder einen willkommenen Grund, ihre militärische Zerstörungsmaschinerie auffahren zu lassen.
 
Was mich an dieser beschönigend so genannten „Hypokrise“, dem grössten, hinterhältigsten Diebstahl aller Zeiten, am meisten stört, ist der pflegliche Umgang im Zeichen des Verständnisses und der Verzeihung mit dem Tätervolk der Amerikaner, bei dem die eingebetteten Medien in den westlichen Ländern die erste Geige voller Zartgefühl und vergebender Nachsicht spielen. Dabei war und ist alles eine ausgemachte Gaunerei, die offensichtlich grenzenlos ist. Die subprimen Amerikaner-Finanzjongleure klagen hereingefallene ausländische Banken zu all ihren Schandtaten auch noch an, weil sie es wagten, etwas vom verfluchten gebündelten Schuldscheinschund aus den USA auch an edle Amerikaner weiterzuverkaufen. Damit wird dem traurigen Spiel noch die Krone aufgesetzt.
 
Beim Studium der stündlichen und täglichen wirtschaftlichen Gruselmeldungen über das Schicksal einst blühender Banken wie die UBS, die ein Global-Player werden wollte, und die Milliardenabschreiber bei vielen anderen europäischen Grossbanken wird mir jeweils die ungeheuerliche, verantwortungslose Verschwendwirtschaft der Amerikaner, ihr rücksichtslos zerstörerisches Leben auf Kredit, ihre künstliche Aufblähung der eigenen Wirtschaft auf Kosten anderer und der Umwelt schmerzlich bewusst. In der Wirtschaftspresse wird so etwas zwar als wunderbarer Erfolg der Cleveren gefeiert.
 
Wahrscheinlich war alles noch schlimmer, als man aus den vorliegenden Fakten weiss. Dabei ist wirklich bemerkenswert, dass die vielen Finanzfachleute und Kommentatoren das zusammengestohlene amerikanische Wirtschaftswunder, auf dem der als paradiesisch verklärte US-Way of Life beruht, an sich der grösste denkbare Irrweg, als einzig nachahmenswertes Verhalten priesen und den Westen über verblendete (um nicht zu sagen: verblödete) Politiker an die USA und ihre Weltherrschaftsansprüche anbanden. Westliche Radiostationen lassen jeden US-Bundesstaat seit Jahren ununterbrochen einzeln besingen und übertragen das hohle Wahlkampfgeschwätz zusammen mit dem Jubel politisch Infantiler womöglich im Wortlaut, und Fernsehanstalten machen sich selbst in der einigermassen aufgeklärten Schweiz einen Sport daraus, jede vor Amerikanismen strotzende Serie mit geilen Weibern und kriminellen Männern ihren zahlenden Kunden vorzusetzen. Zum Kotzen.
 
Wenn eine US-Bank oder -Versicherung wie Bear Stearns, Countywide Financial, Indymac, Fannie Mae und Freddie Mac und nun auch die Lehman-Brüder und Merrill Lynch nach der anderen zusammenkracht oder gelyncht wird, brauchte uns das an sich nicht weiter zu kümmern. Auch das Schicksal des weltgrössten und gerade wieder mit einer staatlichen Milliardenspritze gedopten US-Versicherers AIG, der jetzt unter Staatskontrolle (verstaatlicht) ist, könnte uns schnuppe sein. Das geschehe ihnen Recht, könnte man denken, die Amerikaner sollen die Folgen für ihr unverantwortliches, dummes, von Protzentum gezeichnetes Verhalten nur tragen. Doch in der globalisierten Welt ist alles derart miteinander versponnen, dass die Folgen nicht mehr an den Grenzen des Täterlandes Halt machen, sondern die ganze Welt herunterreissen, in Mitleidenschaft ziehen. Die Losgelöstheit von regionalen Verankerungen macht das Geschehen labil und unberechenbar.
 
Schon über den Dollarzerfall haben sich die USA ihr Leben weit über die eigenen Verhältnisse hinaus durch die übrige Welt bezahlen lassen. Und manchmal scheint es ja wirklich, als wollten die Amerikaner durch ihre handfesten militärischen und ebenso auch die wirtschaftlichen Kriege die ganze Welt (inklusive an vorderster Front auch ihre missbrauchten, geschändeten Mitläufer) schwächen und wo immer möglich zerstören, um am Ende die Trümmer zusammenzuraffen und als Sieger dazustehen, wie am Ende des 2. Weltkriegs, als sie noch schnell einige deutsche Städte zerstörten, sich ihre Kriegsbeute sicherten und die Gelegenheit nutzten, sich in Europa festzusetzen.
 
Sie brauchen nur eigennützige Impulse zu setzen, und schon beginnt die Nachäfferei im globalen Stil; im Prinzip hat sich seit dem Zusammenbruch der Tulpenbörse 1637 in Amsterdam nichts geändert: Geschäftemacher hatten eine grosse Nachfrage nach Tulpen prophezeit, und alle stürzten sich auf Zwiebeln, die wenig später nichts mehr galten. Der Nachahmungstrieb ist gerade bei Finanzfachleuten und Börsianern nach wie vor übermächtig, wie am Börsenverlauf praktisch täglich abzulesen ist, so auch am 17.09.2007: Die europäischen Börsen hatten gerade zur Erholung angesetzt, bis am Nachmittag die Amerikaner in schlechter Laune erwachten und verkauften. Alle Länder taten es ihnen gleich. Man kann aufgrund der Kursentwicklungen in Europa die Uhr stellen: 15.30 Uhr. Dann beginnt am New York Stock Exchange der Handel. Und dann wissen alle, was sie zu tun haben.
 
Der US-Bankenbereich zeigt am aktuellen Beispiel, wie Wirtschaftskräfte gebündelt und ausländische Konkurrenten bekämpft werden können. So bauen die allmächtige Bank of America (mit Countywide Financial und Merrill Lynch) und JP Morgan Chase (mit Bear Stearns und möglicherweise auch Washington Mutual) gerade ihre Positionen aus. Gegen ausländische Banken wie die UBS wird eine offensichtliche Strategie der Vernichtung betrieben – wieder mit unlauteren Mitteln, indem bewusst Falschinformationen gestreut werden. Das jüngste Beispiel stammt vom Dienstag, 16.09.2008, als eine listige „Studie“ der US-Firma Bernstein Research die UBS als nächste Pleitekandidatin darstellte – offensichtlich im Bestreben, diese Pleite über die Studie gleich selber herbeizuführen; die UBS-Aktie fiel darauf auf das Allzeittief von 15.81 CHF. Die Firma Bernstein Research hat die zweckgerichtete und in ihrer Plumpheit offensichtliche Studie dann wieder zurückgezogen, als ob man weltweit gestreute Verdrehungen zurückbeordern könnte; dies geschah, als das Unheil bereits angerichtet war. Zweck erfüllt.
 
Die Bernsteins gingen der Frage nach, welche europäische Bank denn von der Lehmann-Brothers-Pleite am schwersten getroffen werde: Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse, Barclays oder die Royal Bank of Scotland. Die UBS wurde an die Spitze der Abstiegskandidaten gesetzt. Man spürte die Absicht und wurde einmal mehr verstimmt. Ein weltweiter Dominoeffekt ist den US-Finanzhaien schon die Opferung oder Fusion einiger eigener Institutionen wert. Der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt sprach im „Bild“ vom 17.09.2008, wohl in Anwandlung des Begriffs Raubtierkrebs (ausgelöst durch das Herumstochern in der Prostata, geprägt von Dr. Julius Hackethal) von Raubtierkapitalismus. Raubtiere fressen allerdings nur so viel wie sie brauchen, eine Beleidigung für sie. Der Handel mit Derivaten aller Art, Hedge-Fonds, Rohstoffen, Unternehmensbeteiligungen (Private Equities) und ganzen Bankinstituten und ähnlichen Unternehmen selber ist einer der übelsten Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung, aus der auch die Abzockermentalität auf den Manager-Etagen herausgewachsen ist – und da ist alles subprime = untervorzüglich. Weit darunter: risikoreich, unverantwortlich.
 
Entweder ist die US-Finanzindustrie mit einer geradezu strafbaren Dummheit ausstaffiert oder aber die Zerstörung der Weltwirtschaft zum Nutzen der USA wurde bewusst vorbereitet. Die grenzenlose US-Begeisterung in der fehlinformierten westlichen Welt bot das geeignete Terrain dazu. Die UBS ist für die US-Banken eine ernsthafte Konkurrenz, und diese Bank war sich der sich daraus ergebenden Gefahren nicht bewusst. Ihre US-Begeisterung und US-Hörigkeit war und blieb, wie in der Finanzbranche noch heute unvermindert üblich, grenzenlos, obschon sie seit dem jüdischen Holocaust-Milliarden-Raubzug dort drüben nur masslos abgezockt wurde und in der Falle sass und noch immer sitzt. Und den Rest wollen noch die mit den USA verbündeten jüdischen Sammelkläger wegen Geschäften der UBS mit dem Iran im Umfeld der von Israel geführten Kriegen gegen ihre Nachbarn Libanon besorgen, was ins System passt. Die UBS habe gewusst, dass Teheran die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad sowie die Hisbollah im Libanon unterstütze. Wie wärs, wenn sich Israel endlich an die Uno-Resolutionen halten und die Nachbarn durch ihre aggressive Landpolitik nicht laufend verärgern würde?
 
Dank ihrer guten Eigenkapitalquote wird die UBS auch solche koordinierte US-israelische Angriffe das zweifellos überleben, und von amerikanischen Anlagen, die keine andere Schweizer Bank will, hat sie sich erfreulicherweise bereits zu verabschieden begonnen.
 
Die meisten westlichen Finanzfachleute und die Medien sind noch immer verblendet. Wenn der marode Staat USA den Pleitegeiern hilft ist es gut, wenn er nicht hilft, ist es auch gut, und offenbar war es auch gut, wenn er während der Jahre der überzogenen Kreditwirtschaft nicht eingeschritten ist, ja diese noch gefördert hat. Noch immer treiben Heckenschützen in den Ratingagenturen, welche den Subprime-Schund mit „AAA“ adelten, ihr Unwesen, noch immer haben sie ihren Einfluss. Es ist nicht zu fassen. Die US-Mitläuferbörsen in Europa und Asien setzten, wie von den USA gewünscht, zu Rekordtiefs, zu Allzeittiefs an, und die Zentralbanken der Schweiz und anderer europäischer Länder, ebenso in Asien und den USA pumpen Milliarden in den Markt – um die Folgen der gigantischen US-Hypokrise und -Verschwendsucht zu mildern, so weit das bei diesen Dimensionen überhaupt noch möglich ist.
 
Am bitteren Ende wird das globale Bankwesen wahrscheinlich unter der Knute einer US-amerikanischen staatlichen Superbehörde (Super-Treuhand) sein, über die gerade diskutiert wird und die noch über der Notenbank Fed stehen wird. Ausgerechnet der ehemalige schummerige Fed-Chef Alan Greenspan soll sie befürworten – ausgerechnet er, der, von den Westmedien zusammen mit seinem Aktenkoffer jahrzehntelang vergöttlicht – jede seiner Bewegungen wurde registriert und interpretiert – laufend Geld ins marode System pumpte und als einer der Architekten des Subprimedebakels bezeichnet werden kann. Das lässt tief blicken. Wie aus dem ominösen 11. September 2001 mit seinem vielen Ungereimtheiten wird natürlich auch aus Finanzkrisen brutal machtpolitisches Kapital geschlagen – immer im Interesse der Guten.
 
Gesellschaften und ihre Medien, die jede Form von kritischem Denken aufgegeben haben und sich nicht mehr zu einem ehrlichen Aufzeigen der Hintergründe und Ursachen aufraffen und sich in die publizistische Kurzatmigkeit flüchten, werden mitschuldig an der Ermöglichung der US-amerikanischen Raubzüge. Solange es niemand wagt, gegen die grössten Diebstähle, unter denen die globalisierte Zivilisation leidet, aufzustehen, werden die Täter keinen Anlass sehen, von ihren kriminellen Spielen zu lassen. Die westlichen Einfaltspinsel werden sich weiterhin von ihren Wahlkampfshows und Serien über ausflippende, schreckliche Ehefrauen ablenken lassen. Die Betrogenen werden sich nach wie vor köstlich amüsieren und das Nachahmen wenn möglich noch perfektionieren. Falls das noch möglich ist.
 
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