Textatelier
BLOG vom: 31.10.2008

Die Milliarden für die UBS kommen ausgerechnet vom Fed

Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Die Hypo- und Kreditkartenkrise („Subprime-Krise“), die vom verschwendungssüchtigen, verarmten Schwellenland USA ausgelöst worden ist, hat sich als Finanzkrise wie ein Flächenbrand über die ganze Erde ausgedehnt, wie jeder andere Unsinn, der von dort ausgeheckt wurde. Jetzt erfasst der Grossbrand noch die Realwirtschaft, auch jene in der Schweiz. Produktionen, zuerst einmal bei Autozubehör-Produzenten, werden heruntergefahren, Arbeitszeiten gekürzt.
 
Das Debakel ist grenzenlos. Jene unbedarften Schweizer Pensionskassen-Manager, die auf den von US-Rating-Agenturen falsch deklarierten, betrügerischen US-Schuldenzettel-Schrott und dadurch auf die damit bestückten Hedge-Funds hereingefallen sind, studieren gerade an Leistungskürzungen herum. Der Schweizer Bundesrat erlaubte den Pensionsgeldverwaltern grosse Beteiligungen an Hedge-Funds (bis 30 %). Die Folge: Wahrscheinlich werden demnächst nebst den aktiv Werktätigen auch die Pensionsgeldbezüger, deren Geld von den Kassenverwaltern treuhänderisch verwaltet wird, in ihren alten Tagen zur Kasse gebeten. Bereits werden die Pensionskassen, deren Administration hohe Kosten zulasten der Bezüger verursachen, als „Solidargemeinschaft“ aus Verwaltern und Verwalteten verkauft, zu deren Sanierungen alle, auch die an der Misswirtschaft Unschuldigen, beizutragen hätten, heisst es. Und die Währungsturbulenzen mit dem erstarkten Franken geben dem in die Turbulenzen geratenen Wirtschaftsbetrieb den Rest. Die globalisierte Totalvernetzung reisst alles und alle mit. Das gehört zum System. Die Liquiditätsengpässe haben über die Banken hinaus bis zu den einfachen Menschen durchgeschlagen. Die Kreditindustrie blüht.
 
Die Unangepassten
Wegen der Globalisierung ist fast die ganze Erde zu einer Solidargemeinschaft degeneriert, in der zwar nicht die Gewinne, wohl aber die Schäden und Verwüstungen sozialisiert sind, das heisst von allen getragen werden müssen, wobei die ärmeren Schichten in traditioneller Weise zuerst drankommen. Ein Entrinnen gibt es kaum. Eine gewisse Ausnahme bilden einige von besonderer Weitsicht und von einem grossen Willen zur Unabhängigkeit getragene Staaten wie Iran, Kuba, Myanmar (Burma), Nordkorea, Venezuela, Ecuador, Sudan, Syrien und bis vor kurzem auch Libyen, die sich standhaft weigerten und weigern, sich dem US-Imperialismus zu unterwerfen und das neoliberale Marktmodell, das jetzt gerade den verdienten totalen Schiffbruch erleidet, zu importieren. Auch China und Indien haben sich der Finanz- und Währungsliberalisierung bisher weitgehend verschlossen. Ich möchte diese erwähnten Staaten nicht verherrlichen, denn etwa in Bezug auf die Polizeistaatlichkeit und die Menschenrechtsverletzungen sind nicht alle von ihnen den USA besonders weit überlegen – viele sind vergleichbar, wenn auch die Dimensionen der Verstösse gegen die Menschlichkeit nirgends US-Dimensionen erreichen (Folter, Guntánamo, Bombenabwürfe auf Zivilisten, Verbreitung von radioaktiven Sprengköpfen und Minen usf.). Dass die aufgezählten Staaten auch Strafen und Isolationen durch die Weltpolizeimacht erdulden und Gefahr laufen, militärisch angegriffen zu werden (jüngstes Beispiel: Syrien), nur um ihre Selbstständigkeit, ihre Unabhängigkeiten zu bewahren, zeigt schon eine innere Grösse und Stärke.
 
Das US-Modell der biblischen Strafmentalität macht selbst in Deutschland Schule: Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück aus der Regierung Angela Merkel schwingt gerade die Peitsche gegen die Schweiz, ganz wie es sich in der Einheitswelt Abtrünnigen oder Konkurrenten gegenüber gehört, auch wenn man damit nur von den eigenen Miseren ablenken will. Die Schweiz hat solche Lektionen noch nötig, um endlich zu erkennen, was Globalisierung in der Praxis heisst und sich vor Einbindungen zu hüten, welche die bewährten Werte vernichten und das Land um die Selbstständigkeit bringen.
 
Das Fed leiht der Schweiz Geld …
Die USA-Mitläufer mit ihrem krankhaften Defizit an Selbstbewusstsein und Ethik könnten von den erwähnten Unangepassten schon einiges lernen. Doch die Hampelmänner und -frauen beschränken sich darauf, die Suppe, mit den unverdaulichen Zutaten, die man ihnen vorgesetzt hat, schicksalsergeben auszulöffeln. Ein Aufmucken ziemt sich nicht.
 
Der in der Schweiz grösste Brocken, der sämtliche Suppenteller sprengt, ist die 68-Milliarden-Hilfe an die UBS, woran der Staat 6 Milliarden (gegen 12,5 % Zins) und die Nationalbank 62 Milliarden CHF beitragen. Das Geld, dessen Grössenordnung man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dient dazu, die UBS von den faulen Hypothekarschuldbriefen aus den USA zu befreien und wieder handlungsfähig zu machen; dagegen verblassen die 1,25 Milliarden USD („Vergleichsgelder"), die uns geldgierige jüdische Anwälte im Rahmen ihres Holocaust-Geschäfts bereits früher abgeknöpft haben; nur mit der Verteilung wollte es dann nicht mehr so richtig klappen. Mit anderen Worten: Die Schweiz zahlt einen Teil des gigantischen Lebens auf Pump der verschwendsüchtigen US-Bevölkerung, wie es schon im Rahmen des Dollar-Zerfalls seit Jahrzehnten üblich ist, dort zeitlich einfach etwas in die Länge gezogen. Der Finanzplatz Schweiz, der sich fast vollständig ins US-System einbinden liess und entsprechend ausgenommen werden konnte, hat seine Unschuld verloren. Die „Generation doof“ wurde von der „Generation geldgierig“ übertölpelt.
 
Es mutet wie ein Treppenwitz der Finanzgeschichte an: Die Nationalbank hat sich das Geld ausgerechnet bei der amerikanischen Notenbank FED (US-Federal-Reserve) beschafft, ausgerechnet dort, von wo aus nach US-Interessenlagen das ganze globale Finanzgeschehen gesteuert und manipuliert wird. Das Fed muss eine wunderbare Methode zur beliebigen und ständigen Geldvermehrung kennen. Die ganze Welt ist ohnehin bereits von den beliebig vermehrbaren Dollarpapieren überschwemmt.
 
Das viele Geld, das der UBS selbstredend in solchen US-Dollars ausbezahlt wurde, kommt also ausgerechnet aus der hoch verschuldeten Kriegsnation Amerika, von wo auch die faulen Kreditbriefe (euphemistisch als „werthaltige Problempapiere“ bezeichnet) stammen. Sprachregelung in den CH-Medien: Für die 62 Milliarden Franken kann die Bundeskasse allerdings nur einen Bruchteil des Hilfspakets selbst aufbringen. Denn dafür hätte die Nationalbank weit mehr als die Hälfte ihrer Währungsreserven aufbrauchen müssen. Weil das zu riskant war, bat sie die US-Notenbank Fed um Kreditbeistand“ (Radio DRS). Wieder einmal: Die herzensguten, hilfsbereiten Amerikaner-Freunde! Und die Meldung wird mit einem der abgedroschenen Songs aus den Schluchten New Yorks untermauert. Und die Zinsen, in welcher Form auch immer sie bezahlt werden müssen, kommen den USA zugute.
 
Den Schweizer Steuerzahler würden die Transaktionen nichts kosten, und auch die Staatsverschuldung werde wegen der Hilfe an die UBS nicht steigen, weisssagte die stellvertretende Finanzministerin, Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Als ob der Schuldscheinkram nach der Erholung der Finanzmärkte noch irgendwem verkauft werden könnte … Der Verkäufer würde sich ja desselben Betrugs schuldig machen wie die amerikanischen Subprime-Verkäufer (nur kommen diese ungeschoren davon). Wer bis jetzt noch nichts gemerkt hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen, Wertpapierhändler (häufig genug trendige Wallstreet-Nachahmer statt selbstständige kritische Denker mit analytischem Gespür) sind in diesen Wunsch, endlich zu erwachen, eingeschlossen.
 
Die Swap-Risiken
Nun hat uns Amerika schon wieder im Würgegriff: Wir haben ausgerechnet beim Dieb, der uns masslos bestohlen hat und auch weiterhin bestehlen wird, ein Darlehen (Dollar-Franken-Swap, also ein Währungsswap) geholt, mit dem er uns erpressen kann, zum Beispiel über die Zinsenansprüche.
 
In der englischen Finanzsprache bedeutet Swap = Tausch, was einfach tönt. Doch verbirgt sich hinter einem Swap ein komplexes und riskantes Finanzinstrument, weil zum Beispiel fixe gegen variable oder aber langfristige in kurzfristige Zinssätze getätigt werden. Im Grundsatz sind das reine Spekulationsgeschäfte, die mit den (manipulierbaren) Devisenkursen zusammenhängen. Deshalb hat man ja auch nichts von einem Zinssatz erfahren, welcher von der CH-Nationalbank ans Fed bezahlt werden muss, weil der Swapsatz (Arbitrage) bei Devisentermingeschäften die stets variierende, in Prozent ausgedrückte Differenz zwischen dem Devisenterminkurs und dem Devisenkassakurs spiegelt, also variabel ist.
 
Die Subprime-Initiatoren
Wer sich mit dem Fed einlässt, müsste erahnen, wer den kürzeren ziehen wird, zumal das allmächtige Fed ja über die Zinshöhen (den US-Leitzins) und damit auch über Preisentwicklungen herrscht. Das Fed als eines der wichtigsten Globalisierungswerkzeuge stellt die Regeln für die weltweite Finanzindustrie und den US-Immobiliensektor auf, immer im ausschliesslichen Interesse der von Gott persönlich auserwählten Nation. Zudem kann das Fed die Informationen über Konjunkturveränderungen beliebig steuern und zu Manipulationen einsetzen. Das Ausnützen von Wissen, das erst Tage später publik wird und das sonst noch niemand hat, ist gerade im Finanzbereich ausserordentlich gewinnbringend. Da wird manipuliert und gescheffelt, dass die Finanzströme in Aufwallung geraten. Gleichzeitig wird die Botschaft verkündet, die Märkte würden ihr Gleichgewicht schon selber finden – der grosse Vorteil der wunderbaren „freien“ Marktwirtschaft. Alan Greenspan schrieb in seiner Biografie („The Age of Turbulence“): „Die Märkte sind schon dabei, sich selber zu reparieren.“ Ein wirkliches Genie …
 
Zudem ist zu berücksichtigen, dass es ausgerechnet dieses Fed (damals unter dem medial liebkosten Alan Greenspan) war, das mit seiner jahrelangen Niedrigstzinspolitik die Grundlagen für die gigantische US-Schuldenwirtschaft im Allgemeinen und die Immobilienkrise im Besonderen geschaffen und wahrscheinlich bewusst gefördert hat, denn so etwas braucht Zeit, Jahre. Irgendwann hätte man schon merken dürfen, was da abläuft.
 
Im Jahr 2001 senkte Greenspan die Zinsen 11 Mal von 6,5 auf 1,75 %, und 2002 wurden sie gar auf 1 % gesenkt. Das Sparen war unattraktiv, das Schuldenmachen eine Selbstverständlichkeit, was der liederlichen US-Mentalität sehr entgegenkam. Die US-Notenbank hat entweder versagt oder das Debakel durch grundfalsche Signale bewusst herbeigeführt – und es nützt auch nichts, wenn der von den Westmedien jahrelang angehimmelte Greenspan nachträglich Fehler eingestanden hat. „Ich habe falsch gelegen mit der Annahme, dass Organisationen speziell Banken ‒ aufgrund von Eigeninteresse ihre Aktionäre und ihr Firmenkapital am besten schützen können", sagte Greenspan, der bis dahin die Kühnheit hatte, jede Mitschuld an der Finanzkrise zu bestreiten.
 
Und nun sind wir wieder so weit: Am 29. Oktober 2008 senkte die US-Notenbank ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1 % (Anfang 2008 lag er noch bei 3 %) – innerhalb von 13  Monaten wurde er von 5,25 auf jetzt 1 % zurückgefahren. Die Spekulanten an der Wallstreet hatten sogar eine noch weitergehende Senkung erwartet. Immerhin ist jetzt die wirtschaftsbelebende Konsumfreude der Amerikaner wieder angestachelt. Die Europäer werden selbstverständlich in den nächsten Tagen nachziehen.
 
Der US-Zinsschritt bedeutet schon rein gar nichts anderes, als dass die Anreize zum Schuldenmachen auch unter der Fed-Herrschaft von Ben Bernanke fortgesetzt wird. Das Leben auf Pump ist in Amerika ohnehin nicht unterbrochen worden, es hat sich bestenfalls etwas abgeschwächt. Aber jetzt ist das Geld wieder billig zu haben, und neue Subprime-Pakete kommen, wahrscheinlich unter neuen Namen, wieder auf uns zu. Die Show geht weiter. Der Medienmainstream sieht eine „Entspannung der Kreditkrise“ in dem, was eine Fortsetzung des aktiv geförderten Wirtschaftszusammenbruchs ist. Am Schluss werden die USA unbeschadet aus ihrer gerade wieder angekurbelten Schuldenanhäufung hervorgehen, weil sie es ja meisterhaft verstehen, die übrige Finanzwelt hereinzulegen.
 
Offene Fragen
Es wäre interessant zu erfahren, wie das Swap-Geschäft Nationalbank/Fed genau geregelt ist. Informationen darüber habe ich nicht gefunden, auch nicht auf der Webseite der Nationalbank www.snb.ch. Jedenfalls ist deutlich geworden, dass die Schweiz mit Bezug auf ihre US-Verblendung ebenso wenig gelernt hat wie die Amerikaner aus dem Schuldendebakel. Weshalb haben wir nicht einen mittelöstlichen Erdölstaat angepumpt, wenn wir unseren Anteil zur Deckung der US-Schulden schon nicht allein zu bezahlen vermögen?
 
Wir tappen blind in jede US-Falle, müssen uns dabei aber, global betrachtet, nicht einsam fühlen. Die Massenverblödung ist schliesslich das Brot und das Merkmal der Globalisierung.
 
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