Textatelier
BLOG vom: 14.11.2008

Obama-Stilbruch 1 (Fortsetzung): Der offene Vater Emanuels

Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Er durfte das, was aber mit Bezug auf eine allfällig angestrebte Aussöhnung mit der arabischen Welt denkbar ungeschickt war: Der kommende Weltführer und Darling der Massen, Barack Obama, hat den Juden Rahm Emanuel zu seinem Stabschef auserkoren. Ich habe diesen Fauxpas im Blog Obama-Stilbruch 1: Der jüdische Rahmbo an der Speerspitze vom 11.11.2008 ausführlich beschrieben. Einer unserer Nutzer hat mich soeben auf eine AP-Meldung aufmerksam gemacht, die in verschiedenen Medien verbreitet worden ist und dazu geschrieben: „Genau wie Du vorausgesagt hast.“
 
Die angesprochene Agentur-Meldung hat den Titel „Erster Ausrutscher in Obamas Kabinett“. Sie bezieht sich auf eine Aussage des Vaters von Rahm Emanuel, des in Israel geborenen Benjamin Emanuel, in der in Tel Aviv erscheinenden Tages- beziehungsweise Abendzeitung „Ma’ariv“ (das bedeutet in der hebräischen Sprache: „Am Abend“ und hat auch die Bedeutung „Abendgebet“) gegenüber.
 
Benjamin Emanuel, ein ehrlicher Mann, der die Araber offenbar als minderwertig betrachtet, hatte der Zeitung gegenüber gesagt, natürlich werde sein Sohn Rahm den neuen US-Präsidenten Barack Obama „zugunsten Israels beeinflussen“ (so AP). Und weiter: „Warum sollte er nicht? Was ist er, ein Araber? Er wird im Weissen Haus ja nicht den Fussboden putzen.“
 
Verständlicherweise hat das die arabische Welt als Beleidigung empfunden, ähnlich  wie damals, als George W. Bush den Irak-Krieg als „Kreuzzug gegen den Terrorismus“ bezeichnete und damit eine Erinnerung an die strategisch, wirtschaftlich und religiös motivierten Feldzüge der Christenheit gegen die arabisch-muslimische Welt heraufbeschwor, die zwar alle im Fiasko endeten. Das Amerikanisch-Arabische Anti-Diskriminierungskomitee (ADC) verlangte soeben daraufhin eine Klarstellung von Rahm Emanuel.
 
Selbstverständlich ist der Vater Emanuels ein freier Mann ohne politisches Amt, der sich frei äussern darf. Zudem sind solche freien Meinungsäusserungen der Wahrheitsfindung sehr nützlich. Vater Benjamin drückte wirklich nichts anderes aus als das, was wohl die meisten jüdischen Bewohner Israels genau gleich empfinden und was auch die grösste israelische Zeitung, „Yediot Ahronot“, voller Begeisterungs von sich gab, als Rahm Emanuel in eines der höchsten Ämter berufen wurde: „Unser Mann im Weissen Haus.“ Doch degradierte die Zeitung die Araber nicht zum Putzpersonal; denn darüber hinaus ist es schäbig, anständige Menschen, die wenig begehrte, harte Arbeiten verrichten, zu diskriminieren. Doch der Umgang des Staates Israel mit den Arabern, besonders jenen, die in Palästina eingemauert sind und denen man die Lebensgrundlagen abschneidet, ist weit schlimmer. Das geht weit über verbale Verachtung hinaus.
 
So musste sich Rahm Emanuel dann für seinen offenherzigen Vater entschuldigen, der seinen jüdischen Gefühlen einfach freien Lauf gelassen hatte. Er rief am 13.11.2008 die ADC-Präsidentin Mary Rose Oakar an und entschuldigte sich im Namen der Familie, und Frau Oakar nahm die Entschuldigung an.
 
Der Fall ist diplomatisch beigelegt. Er hat aber, so weit er überhaupt medial verbreitet wurde, immerhin dazu beigetragen, die Lage in der im Aufbau befindlichen Obama-Regierung einem weiteren Publikum bekannt zu machen, was kommende Entscheide besser durchschaubar macht.
 
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