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BLOG vom 28.11.2008


Obama-Stilbruch 7: Wo blieb denn die Subprime-Erfinderin?
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Die US-Amerikaner, die uns so sehr am Herzen liegen und unsere ewigen Vorbilder sind, haben eine grossartige Technik entwickelt, Geld für ihren feudalen Lebensstil auf Pump, auf dem ihr Wirtschaftswunder beruht, einzutreiben: Sie haben eine ganze Sammelklagen-Industrie aufgebaut. Das heisst, dass clevere Anwälte möglichst viele Leute zusammentrommeln, die durch eine wohlhabende ausländische Institution geschädigt worden sein könnten. Sie erheben dann Milliarden-Forderungen, deren Ertrag vor allem den Anwälten zugute kommt. Meistens kommt es zu einem Vergleich, weil die Beschuldigten Angst vor den ins Geschäft eingebundenen US-Gerichten haben.
 
So schlossen Schweizer Banken am 12.08.1998 mit den Sammelklägern und den jüdischen Organisationen eine Vereinbarung („Globallösung“) ab. Die Banken erklärten sich zu einer Schutzgeldzahlung von 1,25 Milliarden USD (damals etwa 1,8 Milliarden CHF) bereit, damit die Gegenseite auf weitere Forderungen verzichtete. Wenn ich das Wort „Schutzgeld“ höre, kommt mir immer die Mafia in den Sinn, denn dieser Begriff ist nicht auf diese traditionsreiche Organisation beschränkt. Der Aargauer Politiker Luzi Stamm hat in seinem ausgezeichnet recherchierten Buch „Der Kniefall der Schweiz“ (Eigenverlag in CH-5405 Baden, erschienen 1998) beschrieben, was Schutzgeld bedeutet: „Wenn ein Restaurantbesitzer Geld an eine Organisation bezahlt, die ihm andernfalls seine Geschäftstätigkeit verunmöglicht, so nennt man das eine Schutzgeldzahlung. Das ist nur in Staaten möglich, die das zulassen und nicht willens sind, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen.“ Stamm bekundete für die zahlungsbereiten Schweizer Banken Verständnis, weil die 1,8 Milliarden CHF wesentlich weniger als die Kosten waren, „die ihnen durch sündhaft teure Gerichtsverfahren in den USA, durch eine Behinderung der Geschäftstätigkeit und die weitere Imageverschlechterung wegen der andauernden Anschuldigungen drohten. Vor allem aber mussten die Banken befürchten, dass sie im geschaffenen Umfeld in den Sammelklagen zu absurd hohen Zahlungen verpflichtet werden.“
 
Aber es müssen nicht immer Sammel- oder Gruppenklagen sein, auch Einzelklagen sind ein einträgliches Geschäft, ob im In- oder Ausland, wie es sich in den USA gerade ergibt. Über die „Klage-Industrie“ schrieb „Der Spiegel“ am 19.04.2003, kaum eine Branche sei in den USA so einträglich und krisensicher wie das Geschäft mit Unternehmensklagen, die von „aberwitzigen Milliarden-Forderungen“ begleitet sind. Über 1 Million Rechtsanwälte sind in den USA tätig; und die Schattenindustrie des Klagens ernährt in den USA mehr Menschen als der Flugzeugbau. „Der Spiegel“ zeigte die Wirkungen damals an einem Beispiel auf: „Für die Wirtschaft, die das Klagegeschäft letztlich finanziert, ist das amerikanische Haftungsrecht zu einem Standortproblem geworden. So hat der deutsche Pharmakonzern Bayer zwar die ersten US-Prozesse um seinen Cholesterinsenker Lipobay gewonnen. Doch dem Aktienkurs half das wenig, die Rating-Agentur Standard & Poor’s wertete Bayer ab, weil Hunderte weitere Klagen drohen.“ Die Anbieter von „unabhängigen Bonitätratings“ sind ins Abzocker-Geschäft eingebunden und konnten bisher unkontrolliert ihre Macht im Interesse der US-Finanzindustrie ausspielen, die sie für die 3 A fürstlich bezahlte.
 
Mit solch perfiden Machenschaften können natürlich auch ausländische Unternehmen fertig gemacht werden, die in den USA einheimische Firmen konkurrenzieren. Ich wundere mich deshalb seit Jahren, dass sich fast alle Unternehmen aus Europa und Asien, weil sie den Globalplayer-Traum träumen, nach Amerika mit seinen mafiösen Strukturen verirren. Dort fahren sie dann ihre Verluste ein und müssen am Ende froh sein, wenn sie dieses Abenteuer in desolatem Zustand überhaupt noch überleben (siehe Daimler, Opel, UBS und viele andere mehr).
 
Ich würde mich hüten, mit und in diesem Amerika noch irgendwelche Geschäfte zu tätigen. Unter dem designierten Präsidenten Barack Obama, dessen Ausgabenfreude keine Grenzen kennt und seinen Vorgänger George W. Bush vor Neid erblassen lässt, dürfte sich die Sache noch verschlimmern. Denn er muss unbedingt Mittel und Wege finden, um noch viel, viel mehr Geld einzutreiben.
 
Pennys wunderbare Geldvermehrung
Da er sich selber als Messias fühlt und sich folglich in dieser biblischen Branche auskennt, wollte er ursprünglich eine zusätzliche Heilsbringerin engagieren, der das Luxuswunder einer wunderbaren Wein- und Geldvermehrung gelingen sollte – nach dem Muster der Hochzeit zu Kanaa (Joh. 2,1‒12). Der Medien-Mainstream meldete aufgrund seines Leitsenders am 20.11.2008: „Wie CNN (…) berichtet, hat Obama auch schon eine Wunschkandidatin für das Wirtschaftsministerium. Das Ressort soll von der Milliardärin Penny Pritzker übernommen werden. Die Unternehmerin hat wie Obama enge Verbindungen zur Millionenstadt Chicago und kümmerte sich während des Wahlkampfs des Demokraten massgeblich um die Finanzen des Kandidaten.“
 
Er wollte nach übereinstimmenden Berichten die Hilfe der Milliardärin Penny Pritzker (49) in Anspruch nehmen, die das Wirtschaftsressort übernehmen sollte. Sie selber hat es zu einem Vermögen von schätzungsweise 2 Milliarden USD und auf Platz 153 der Forbes-Liste der reichsten US-Bürger geschafft. Die 2000 Millionen scheffelte sie zusammen mit 2 Cousins mit Spielcasinos und aus der Hyatt-Hotelkette; sie ist die Enkelin des Hyatt-Gründers Abraham Nicholas Pritzker, was man ihr nicht vorwerfen kann. Auch war sie in die Pleite der Superior Bank verwickelt. Ihre Geschäfte seien nicht ganz unumstritten, wagte die „New York Times“ zu kommentieren. Eine beschönigende Vertuschung, wie gleich aufzuzeigen sein wird.
 
Die Freundschaft Obama/Pritzker beruht auf einer Fügung des Schicksals: „Penny Pritzker und Barack Obama haben sich in den späten 90er-Jahren kennen gelernt, als die beiden Kinder der erfolgreichen Geschäftsfrau an einem Basketball-Trainingscamp bei Craig Robinson teilnahmen – dem Bruder von Michelle Obama. So wurde eine der reichsten und erfolgreichsten Frauen Amerikas nicht nur zu einem Freund der Familie, sondern auch zu einer wichtigen Unterstützerin der politischen Karriere und schliesslich zur Finanzchefin der Kampagne Obamas“, berichtete Spiegel-online am 29.10.2008. Zudem trainierte Penny an der „Obama-University“ junge Nachwuchskräfte im Fundraising, also in der hohen Kunst der Mittelbeschaffung im Hinblick auf erwartete Gegenleistungen.
 
Penny hat die Geldsammeltätigkeit für Obama hervorragend organisiert, Kompliment! Wer den Penny nicht ehrt, ist des Dollars nicht wert. Sie hat den kleinen Leuten ihre letzten Dollars und Cents aus der Tasche gezogen, schreckte aber selbst vor der Annahme Millionen-Grossspenden von Unternehmen nicht zurück, die ihr Schutzgeld vorsorglich zahlen wollten. Eine tapfere Sammlerin, der auch andere jüdische Fundraiser hilfreich zur Seite standen.
 
Die Schrott-Vergolderin
Das ist aber noch längst nicht alles: Pritzker hat vor rund 10 Jahren zusammen mit der Bank Merril Lynch und deren Buchhaltern bei Ernst & Young LLP den faulen „Subprime“-Immobilien-Trick entwickelt und damit die Grundlagen für die jetzige Wirtschaftsweltkrise gelegt.
 
Das Subprime-Elend begann in der Superior Bank (FSB) in Hisdale (Illinois), die damals der Pritzker-Familie gehörte bzw. vom reichen Onkel für Penny gekauft worden war. Penny Pritzker höchstpersönlich war 5 Jahre lang Bank-Chefin, bis ihr Institut von der Sparkassenaufsichtsbehörde und der Bundeseinlagenversicherung FDIC zugemacht wurde; es war 2001 kollabiert. Pritzker und ihre Manager entwickelten die Verbriefung der „Subprime“-Eigenheim-Hypotheken, verschnürten also wertlose Schuldscheine, die dann Millionen von Amerikanern zum Verhängnis geworden sind und nun die grösste Finanzkrise aller Zeiten ausgelöst haben. Der nächste Nobelpreis für Wirtschaft dürfte Penny gewiss sein.
 
Timothy J. Anderson, der den Betrug der Banken untersucht hat, stellte fest: „Die Finanzsteuerung des Subprime-Geschäfts, die zur Kernschmelze an der Wall Street geführt hat, wurde von den Pritzkers und Ernst & Young entwickelt, die im Verein mit Merrill Lynch durch Subprime-Hypotheken verbriefte Anleihen verkauften. Die Subprime-Hypotheken wurden Merrill Lynch durch ein landesweites System verschafft, das bei Pritzker seinen Ursprung hatte: mit der Superior Bank als Goldesel und vielen FDIC-versicherten Einlagen. Die Eigentümer der Bank Superior waren für die Subprime-Kreditvergabe, was Michael Milken einst für die Ramschanleihen gewesen war.“
 
Penny, eine Harvard-Absolventin, hat tatsächlich Talente, wie man sieht. Ihre Familie steht für Reichtum und Macht. Die „Süddeutsche Zeitung SZ“ schrieb am 20.11.2008 voller Zuversicht: Die 49-Jährige bringt vieles mit: unternehmerische Erfahrung, finanzielle Unabhängigkeit, grosses Organisationstalent und ein weit verzweigtes Netzwerk. So jemand braucht Barack Obama, wenn er die marode US-Wirtschaft wieder flott machen will.“ Sie stand also nicht umsonst eine Zeitlang zuvorderst auf Obamas Nominationsliste, hätte haargenau in sein Gruselkabinett gepasst. Doch soweit kam es nicht. Sie verschwand grusslos aus den Schlagzeilen, aus den Medien überhaupt. Dass sie die Berufung ausgeschlagen hat, erfuhr die Öffentlichkeit nur noch aus wenigen Quellen wie dem "Guardian" (UK) vom 20.11.2008, eine merkwürdige Ausprägung der angekündigten offenen Kommunikation. Es ist anzunehmen, dass die Pritzker-Familie verhindern wollte, dass ihr Imperium durchleuchtet würde, was verständlich ist.
 
Die Subprime-Krise II kann auch ohne ihre Mitwirkung eingefädelt werden. Die US-Wirtschaft und die gesamte Weltwirtschaft, die nur bei einem ständigen Ausbau privater und öffentlicher Schulden ohne Währungen, die an feste Werte gebunden sind, und dank flexibler, manipulierbarer Wechselkurse funktioniert, muss früher oder später einstürzen wie ein Haus, das man ohne Fundament auf Treibsand baut und immer weiter in die Höhe treibt.
 
Die Architektin Pritzker hat ihre Pflicht getan. Sie konnte gehen. Man weiss jetzt, wie es funktioniert. Vorübergehend.
 
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