Textatelier
BLOG vom: 11.01.2009

Rohkost des Lebens: Aphorismen statt gute Vorsätze

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Ich habe es längst aufgegeben, für neue Jahre Vorsätze zu fassen. Das gilt auch für dieses Jahr 2009. An ihrer Stelle schreibe ich Aphorismen. Hier ist meine Januar-2009-Ausbeute:
 
Was ist der Zweck des Aphorismus? Zwecklos darüber zu grübeln.
 
Der Lebenskünstler verfeinert die Rohkost des Lebens.
 
Die Liebe ist ein Universalbegriff mit unzähligen Variationen abseits des Kamasutras.
 
Das Metronom gibt das Gleichmass, das vom Leben durcheinander gewirbelt wurde.
 
Das Herz tropft, tropft, bis es ausgetropft verdorrt.
 
Behandle die Zeit als deinen Freund, damit sie nicht dein Tyrann wird.
 
Selbst im Gebet werden Gebote übertreten.
 
Das Rätsel ist gelöst. Rasch sei es wieder verschlüsselt, denn gut Ding soll rätselhaft bleiben.
 
Den eigenen Übelstand erkennt man am leichtesten bei anderen.
 
„Er hat Masern“, befand der Hausarzt und verschrieb ihm ein Gedicht. Und siehe, er genas nach der ersten Strophe.
 
Er stellte sich unters Glück. Aber das war in seinem Fall eine ausgebrannte Glühbirne.
 
Die Unart hat sich derart gut eingebürgert, dass niemand mehr nach ihrem Ursprung fragt.
 
Sein Magen ist ihm über den Kopf gewachsen. Die Kost ist sein Lebenszweck geworden.
 
Der Herr im Haus? Immer dann, wenn die Dame ausgeht.
 
Aus Fehlern lernen? Daraus entwachsen neue Fehler.
 
Der Weltverbesserer sollte bei sich selbst beginnen.
 
Wer sich tadelt, hofft auf Widerspruch.
 
Wer das Glück sucht, muss ihm zuerst den Weg bahnen … und abwarten, und ihm aufwarten, wenn es endlich erscheint.
 
Auf dem Weg zum Erfolg herrscht viel Stoss- und Gegenverkehr.
 
Er erreicht krumme Gedanken geradewegs.
 
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