Textatelier
BLOG vom: 28.01.2009

London: Der eitle Adam lässt sich viele Pfunde kosten …

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Es hat mich amüsiert, als ich im „Health & Fitness“-Teil des „Evening Standard“ las, wie viel Geld eitle Typen aufbringen, um sich pflegen zu lassen – vom Kopfhaar, Bartstoppeln bis zur Pediküre u. a. –, sofern sie ausreichend bei Kasse sind.
 
Und wie viel Geld ich damit eingespart habe, freut mich ungemein. Meine Devise ist und bleibt: Selbst ist der Mann! Nur kann ich mir das Haar nicht selber schneiden. So lasse ich mich bestenfalls alle anderthalb Monate für 10 Pfund, Trinkgeld inbegriffen, beim Barbier wenige Schritte von der Wimbledon Broadway Station entfernt, scheren. Manchmal macht sich dort eine Barbierin (nicht zu verwechseln mit Barbarin) über meinen Schopf her. Immer werde ich dabei gefragt, wie lange es her sei, seit ich zum letzten Mal … Damit ist selbstverständlich mein struppig-langes Kopfhaar gemeint. Ausweichend antworte ich: „Oh, wohl 3 Wochen sind es her.“ Damit verdiene ich gewiss einen Eintrag im „Guinness Book of Records“ – Haarwuchs: ein halber Zentimeter pro Tag.
 
Haarwäsche? Einmal pro Woche für mich. Täte ich es öfters, würde mich der Haarausfall heimsuchen.
 
Fingernägel? Als Amateur-Geiger trimme ich die Nägel, besonders jene der linken Hand, mit dem Knipser ungefähr alle 2 bis 3 Tage.
 
Und die Zehennägel? Das verschweige ich hier.
 
Rasur? Wenn ich geschäftlich auftreten muss, lasse ich meinen Bartstoppel-Rasenmäher rund eine Viertelstunde (g)rasen und achte darauf, dass meine der Nase und den Ohrmuscheln entwachsenden Haare ebenfalls „Haare lassen“. Im normalen Alltag genügt mir eine Schnellrasur.
 
Und was sonst noch? Das geht selbst mich nichts an … ausser, dass ich mit Knopfdruck etwas „Yves Saint Laurent“ (ein Weihnachtsgeschenk) ums Kinn herum verspritze, nachdem ich etwas Hautcreme (diesmal von einer Tube, die ich letztes Jahr als Geburtstagsgeschenk erhalten habe) verstrichen habe.
 
Wie viel kostet der Spass für eine Teil- oder Totalrevision des Mannes ausser Haus in London, und was kriegt er dafür und wie lange dauert die Prozedur?
 
Murdock: Für den so genannten „Santa Maria Novella Full Service“, bestehend aus Shampoo, neu gestaltetem Haarschnitt, Nassrasur und – wer  hätte das gedacht? – Schuhputz auf Hochglanz, darf Adam 110 Pfund hinreiben. Die Behandlung dauert 90 Minuten.
 
Genco: Für „Captain Caveman“, ohne nähere Beschreibung der Schönheitspflege, ist der Kostenpunkt 180 Pfund und von ungenannter Dauer.
 
The Wholeman Spa: Das „Relaxation Ritual‘ ist auf Massage des Skalps (zum Entschuppen), der Waden, Achillessehnen, Schultern, des Rückens und des Nackens ausgerichtet. Kosten: 115 Pfund, Dauer: 90 Minuten.
 
Selfridges an der Oxford Street bietet Handpflege für 32 Pfund, Fusspflege für 38 Pfund, Dampfbehandlung des Gesichts (steam facial) für 62 Pfund und schliesslich einen Haarschnitt für 42 Pfund. Totalausgabe: 174 Pfund.
 
Hinzu kommt in allen Fällen ein grosszügiges Trinkgeld.
 
Was es sonst noch zum vollendeten Adam braucht, ist in diesem Blog nachlesbar:
28.02.2006:  [2] „Der vollendete Adam“: Tyrann oder Pantoffelheld?
Hinweis auf weitere Blogs von Heinz Scholz
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