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BLOG vom 12.04.2009


Farbenfrohe Ostereier: Keine Angst vor dem Cholesterin!
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Es ist schier unglaublich, wie viele Eier in Deutschland konsumiert werden. 2007 waren es 17,305 Milliarden Eier, die in unsere Mägen gelangten. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 210 Stück. Die deutschen Hühner können den riesigen Bedarf nicht alleine decken. Deshalb müssen fast 8 Milliarden Eier importiert werden.
 
Die Nachfrage nach bunt gefärbten Eiern steigt zu Ostern besonders stark an. Da müssen sich die Hühner gewaltig ins Zeug legen und ihre Eierlegetalente ankurbeln. Der allseits bekannte Reim „Ich wollt, ich wär´ ein Huhn, ich hätt’ nicht viel zu tun“ ist unrealistisch, da die Hühner aus der Massenproduktion fast täglich ein Ei legen müssen. Dieses Pensum schaffen nur die jungen Hühner, und das nur für kurze Zeit. Dann erlahmt ihre Eierlegemaschine.
 
Hans-Jörg und Judith Sprich, die einen Biolandhof in Weil am Rhein D betreiben und 1400 Legehennen besitzen, erwähnten in einem Bericht der „Badischen Zeitung“ vom 06.04.2009, dass ihre Hühner in guten Zeiten höchstens 240 Eier im Jahr legen. In der konventionellen Landwirtschaft bekommen die armen Hühner alle möglichen Stoffe, um die Legeleistung zu stimulieren. Die Hennen von Sprich erhalten nur natürliches Futter. Wegen der starken Nachfrage kann es durchaus zu Lieferengpässen kommen. Die Kunden reagieren zum Glück sehr verständnisvoll, wenn sie keine Eier geliefert bekommen.
 
In unserem Landkreis Lörrach gibt es etwa 20 000 Legehennen, die jährlich durchschnittlich 220 Eier legen. Das wären nach Adam Riese 4,4 Millionen Eier.
 
Rassegeflügel – heute eine Besonderheit
Kürzlich entdeckte ich auf dem Schopfheimer Wochenmarkt am Verkaufsstand der „Landbauwerkstatt Hof Dinkelberg“ (www.hof-dinkelberg.de) einen Prospekt, der Infos über die Hühner der Rasse „Rebhuhnfarbige Italiener“ enthielt. Die Haltung von reinrassigen Hühnern wurde mit der Einführung der Hybridzucht immer mehr vernachlässigt. Die Legehybriden sind Hochleistungshühner, die zwischen 300 und 330 Eier im Jahr legen. Die Tiere verlieren schnell ihre Vitalität, sind krankheitsanfällig und werden auch nicht alt.
 
Die Rassen werden leider heute oft nur auf Schönheitsmerkmale hin gezüchtet, die Legeleistung sank von ehemals 240 auf 130 Eier pro Jahr.
 
Im Prospekt war dies zu lesen: „Seit einigen Jahren beschäftigen sich wieder vermehrt einzelne Züchter mit der Zucht von Rassehühnern und suchen nach neuen Wegen. So wird z. B. die Zucht eines Zweinutzungs-Huhns vorangetrieben, das sowohl eine gute Legeleistung als auch einen üppigen Fleischansatz hat.“
 
Der erwähnte Hof hat seit einem Jahr 13 Hühner und 1 Hahn der erwähnten Rasse. Die rebhuhnfarbigen Hühner sind robust, langlebig und eignen sich sehr gut für die Nachzucht. Die Eier haben einen ausgeprägten, einmaligen Geschmack. Sie sind jedoch teurer als die herkömmlichen Eier. Die Verantwortlichen des Hofs hoffen, dass die Eier Zuspruch beim Verbraucher finden. Sie betonen, dass die herrlichen Tiere eine wertvolle Bereicherung für den Hof darstellen. Nur wenn der Verbraucher die Eier annimmt, werden die Hühner weiter gezüchtet. Auf jeden Fall will ich beim nächsten Marktbesuch diese Eier kaufen und dann mit Genuss verzehren. Ich musste mich jedoch gedulden, da am Ostersamstag sämtliche Eier verkauft waren.
 
Früher waren Eier in der Fastenzeit tabu
Ich habe mich immer gefragt, warum gerade zu Ostern die Eier eine so grosse Bedeutung haben. In meinem Blog vom 15.04.2006 „Osterbräuche: Weshalb der Hase das Rennen gemacht hat“ erwähnte ich schon etliche Bräuche, die ich hier nicht wiederholen möchte. Nur dies sei gesagt: Seit Ende des 7. Jahrhunderts bis 1966 (!) waren während der 40-tägigen Fastenzeit das Verspeisen von Fleisch und Eiern, die als „flüssiges Fleisch“ eingestuft wurden, verboten. Nun waren zu Ostern jede Menge Eier übrig, da die Hühner ja nicht auf Kommando mit dem Eierlegen aufhörten. Und da erfand man die Eierbräuche zu Ostern.
 
Das Ei ist das Symbol für neues Leben, und die Langohren (Hasen) gelten als Symbol für Fruchtbarkeit. Und wenn die Hasen über die Wiesen hoppeln, dann wissen wir, dass es Frühling wird. Nach www.lisa.de sind „die Hasen schneller als die Hennen und können daher besser Eier verstecken“. Und so werden denn alle Kinder veräppelt und hören heute immer noch die Mär vom Eier legenden Osterhasen.
 
Das Verstecken von Eiern wird bei uns immer noch praktiziert. So werden wir zu Ostern auch einige Eier verstecken. Dann schicken wir die Enkelkinder auf die Suche nach den bunten Eiern. Sie werden sich bestimmt auch an diesem Brauch erfreuen.
 
Was mir nicht so gefällt ist, dass schon Wochen vorher bestimmte Bräuche praktiziert werden. So sieht man schon 2 Wochen vor Ostern Bäumchen oder Sträucher in den Vorgärten mit bunten Ostereiern behängt. Ähnliches sieht man ja zu Weihnachten. Da wird die Weihnachtsbeleuchtung in den Vorgärten oder Häusern schon lange vor dem Fest angeschaltet.
 
Dann gibt es immer mehr gefüllte und nicht gefüllte Schokoladeneier, Marzipaneier, Nougateier in den Geschäften schon Wochen vor dem Osterfest. Diese Eier und Schokoladenhasen sind heute bei den Kindern beliebter als gewöhnliche Eier. Auf den Wochenmärkten und in den meisten Discountern sind die bunten Eier schon lange vor dem Osterfest käuflich zu erwerben.
 
Die meisten Verbraucher wissen auch nicht, woher die Eier kommen. Und manche suchen verzweifelt den Stempelaufdruck, der bei bunten Eiern oft schamhaft überpinselt worden ist. Am Schluss der Arbeit finden Sie Angaben zum Haltungssystem und Herkunftsland. Es gibt auch Künstler, die das Bemalen von Eiern zu ihrem Hobby gemacht haben.
 
Geschenke ohne Eier
Ostern entwickelt sich immer mehr zu einem 2. Weihnachtsfest (das Fest wird total vermarktet). Jedes Kind in Deutschland erhält im Durchschnitt für 46 Euro Geschenke aller Art von den Eltern. Es sind nicht nur Eier oder Süssigkeiten, sondern auch DVDs, Handys oder Computerspiele. Auch so mancher Erwachsene wird von der Manie des Beschenkens zu Ostern angesteckt. So gibt es Bunny-Accessoires wie zum Beispiel Regenschirme mit Hasen verziert, T-Shirts, Anhänger, Hasentassen und Hasenteller. Eine besondere Geschäftsidee sind Schokotelegramme (hier kann man zum Beispiel einen Ostergruss für 9 Euro auf Schokolade bestellen, siehe dazu  www.schokotelegramm.de). Bekanntlich wird fast jede Frau schwach, wenn sie Schokolade sieht. Aber auch Männer entwickeln ähnliche Gelüste bzw. Schwachheiten. Das geht mir genauso bei guter Schokolade und auch bei Marzipan.
 
Das Märchen vom bösen Cholesterin
„Nein, ich esse keine Eier“, hörte ich in der Vergangenheit von einem Bekannten, der mit einem höheren Cholesterinspiegel behaftet ist. „Da steigt mein Cholesterinwert rasant in die Höhe“, war eine weitere Aussage von ihm. Ich beschwichtigte ihn und betonte, er könne das eine oder andere Ei ohne Bedenken verspeisen. Aber er wollte das nicht wahrhaben.
 
Dann wurde in „Welt Online“ (www.welt.de) am 30.03.2009 unter „Wissenschaft“ berichtet, dass Eier sich nicht auf den Cholesterinspiegel auswirken.
 
Das Cholesterin ist zwar ein lebenswichtiger Stoff (Cholesterin ist eine Vorstufe für Gallensäuren und Steroidhormone), aber unser Körper ist nicht so doof und erhöht laufend den Cholesterinspiegel, je mehr er cholesterinreiche Nahrungsmittel angeboten bekommt. Der Körper drosselt bei einer Cholesterinzufuhr mit der Nahrung die Eigensynthese in der Leber. Dieser Ausgleich funktioniert jedoch nicht bei jedem Menschen reibungslos.
 
Offenbar wird auch das Ei-Cholesterin nicht über die Darmzellen aufgenommen. Manche Menschen reagieren sogar mit einem sinkenden Cholesterinwert nach Eierverzehr.
 
Nach dieser frohen Nachricht konnte ich meinen Bekannten von seiner Eierabstinenz heilen. Nun verzehrt er wieder in normalen Mengen mit Genuss so manches Rühr- oder Spiegelei mit Rösti.
 
Achtung vor Azofarbstoffen!
Die meisten im Handel befindlichen bunten Eier sind mit Azo-Farben gefärbt. Diese können zu allergischen Reaktionen führen. Sie gelten auch als Auslöser von Hyperaktivität bei Kindern. Foodwatch forderte ein Verbot dieser Farbstoffe. Auf jeden Fall sollte man Eier, die mit Pflanzenfarbstoffen gefärbt sind, kaufen. Oder man färbt sie selber. Da weiss man, was man hat.
 
Braune oder weisse Eier?
Als Frühstücksei verzehre ich am liebsten braunschalige Eier. Die Farbe der Kalkschale ist übrigens genetisch bedingt. Hühner mit weissen Ohrschalen legen weisse Eier und solche mit rotbraunen Ohrlappen braune Eier. Aber es gibt auch eine Besonderheit: Die Araukaner Hühner legen grünlich-bläuliche Eier. Da braucht man die Eier nicht mehr zu färben. Braune und weisse Eier sollen geschmacklich gleich sein.
 
Anhang
Kennzeichnung von Eiern
Achten Sie besonders auf die Kennzeichnung der Eier (in allen EU-Staaten wurde die Kennzeichnung vereinheitlicht). Wie „foodwatch“ betonte, sollte man nur solche Eier kaufen, deren Erzeugungsweise man gutheisst. „Diese kleine Entscheidung hat grosse Auswirkungen, wie Eier heute und in der Zukunft erzeugt werden“, so foodwatch.
 
1. Stelle: Haltungssystem
0 = Ökologische Erzeugung
1 = Freilandhaltung
2 = Bodenhaltung
3 = Käfighaltung (in der Schweiz seit 1992 verboten).
 
1. und 3. Stelle: Herkunftsland
DE = Deutschland
BE = Belgien
NL = Niederlande
FR = Frankreich
CH = Schweiz
 
4. bis 10. Stelle: Legebetrieb mit Stallnummer
Deutsche Bioland-Eier aus ökologischer Erzeugung weisen z. B. folgende Nummer auf: 0-DE-0800611 (DE-006-Öko-Kontrollstelle).
 
Haltbarkeit und Frischei-Test
Haltbarkeit: Achten Sie auf den Haltbarkeitsstempel. Die Mindesthaltbarkeit für Eier beträgt maximal 28 Tage nach dem Legen. Laut deutscher Hühnerei-Verordnung sollen die Eier innerhalb von höchstens 21 Tagen an den Verbraucher abgegeben worden sein.
 
Frischei-Test: Wie frisch ein Ei ist, erkennt man an der Höhe der Luftkammer. Bei einem frischen Ei ist die Luftkammer klein, bei einem älteren Ei ist die Luftkammer gross (Wasser verdunstet). Für den Frischeitest füllen Sie ein Glas zu drei Viertel mit Wasser und geben das zu prüfende Ei hinein. Ein frisches Ei sinkt auf den Boden des Glases, ein altes Ei schwimmt nach oben.
 
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