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BLOG vom 14.07.2009


Die Arbeitshandschuhe, die Blasen erzeugen statt verhindern
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Dem Juckreiz seitlich am Mittelfinger der rechten Hand schenkte ich keine grosse Beachtung, auch den 2 kleinen Wasserbläschen nicht, die sich unter der Haut bildeten. Der Juni 2009 hatte gerade seine Tropentage, und ich dachte, es könnte sich um Hitzeblasen handeln, vielleicht weil der Schweiss zwischen den Hautschichten (unter der Hornhaut) gefangen blieb. Doch in den nächsten Stunden und Tagen breitete sich die Blasenbildung über die ganze Hand aus, intensivierte sich am rechten Handgelenk und erfasste auch den Mittel- und Ringfinger der linken Hand. Einzelne Wasserbläschen entwickelten sich zur Erbsengrösse, und ich fühlte mich wie ein katholischer Würdenträger mit seinen auffälligen Schmuckringen an den Fingern.
 
Die Sache wurde nicht nur zu einem ästhetischen Problem, sondern störte mich auch wegen des zunehmenden Juckreizes. Eines Nachts erwachte ich sogar an diesem verfluchten „Beissen“ (Mundartausdruck für das Jucken), und ich hätte mir kratzend am liebsten die ganze Haut aufgerissen. Ich hielt mich im Zaum und trug etwas kühlende Bepanthen-Salbe auf.
 
Ich hatte solche Bläschen schon einige Male im Frühling und führte sie jeweils auf Kontakte mit Pflanzen bei Gartenarbeiten, insbesondere beim Zurückbinden wuchernden Wachstums etwa zum Schutze von Obstbäumen, zurück, fand aber nie heraus, welcher Pflanze die Schuld für die Kalamitäten in die Schuhe geschoben werden könnte. Gewitzigt durch solche Erfahrungen trug ich zunehmend Gartenhandschuhe aus dicken Stoffen und/oder weichem Leder, um meine offenbar empfindsamen Hände zu schützen.
 
Und so hatte ich in einem Fachgeschäft für Landwirtschaftsartikel ein paar gute Arbeitshandschuhe gekauft, bestehend aus einer Art aufgerautem Wildleder und einem dichten, leuchtend grünen Gewebe an einigen Fingern und im Manschettenbereich. Das Grün entsprach der üblichen Farbe von Gärtnerschürzen. Es waren nicht die billigsten – aber die fast 5 CHF war mir die Sache schon wert.
 
Der Einsatz dieser Handschuhe liess nicht lange auf sich warten: Die Klaräpfel reiften heran, und ich jätete unter dem Baum, um das Fallobst besser zusammenlesen und zu Apfelmus verarbeiten zu können. Es war ein heisser Nachmittag. Die Handschuhe trugen nicht eben zur Abkühlung bei. Am nächsten Tag fuhr ich mit ähnlichen Arbeiten fort ... und dann tauchten die oben erwähnten Bläschen (medizinisch: Vesikel) auf, bliesen sich wie kleine Ballone zunehmend mit Wasser auf – schliesslich leben wir ja im Zeitalter der Blasen. Den Gedanken, dass diese etwas mit dem Herpes simplex (eine Virusinfektion) zu tun haben könnten, verwarf ich, weil dieser die Lippen und den Genitalbereich bevorzugt.
 
Im Internet stiess ich auf 2 Foren über „Juckende Wasserbläschen an den Händen“ bzw. „Wasserbläschen zwischen den Fingern?“. So unbeholfen manche Texte in derartigen Foren auch sein mögen, muss ich doch voller Hochachtung anerkennen, dass sich im Spreu doch recht viele Weizenkörner finden, die Anhaltspunkte zu neuen Gedanken geben. Die einzelnen Beiträge sind offensichtlich tief aus dem Leben gegriffen, ehrlich, offen und damit anregend, manchmal fachkundig und nützlich.
 
So schrieb Minou u. a.: „Google mal ,Dishydrotisches Exzem’. Ich hatte das lange Jahre besonders im Sommer, erst an den Fingerkuppen und dann von da abwärts innen an den Fingern entlang. Erst juckt es fürchterlich, wenn die Bläschen aufgehen, schält sich später die Haut und wird ganz dünn. Bei mir ist das Erscheinen der Bläschen auch stark von meiner psychischen Verfassung abhängig. Wenn ich stark angespannt bin und es dazu im schlimmsten Fall auch noch sehr warm ist, tauchen sie garantiert auch noch auf.“
 
Man liest dann fürchterliche Leidensgeschichten, die sich mit oder ohne Arztbeteiligung unendlich lang hinziehen. Verzweifelte Menschen, die nach einer Ursachen-bezogenen Lösung suchen, ohne Cortison, wenn möglich. Viele raten zu einer Behandlung mit Obstessig und Meersalzbädern.
 
Den entscheidenden Hinweis bekam ich von diesem Forumsbeitrag: Bei mir traten die Bläschen nach Gartenarbeit auf. Bis ich darauf kam, dass es an den Lederhandschuhen lag. Die Leder-Konservierungsmittel wie Chromat/Chrom können Kontaktallergien auslösen. Wenn man schwitzt, werden diese aus dem Leder gelöst auch bei Schuhen!“
 
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Schon oft hatte ich von Giften in Arbeitshandschuhen gelesen, zum Beispiel bei ÖKO-TEST: „Fast alle Gartenhandschuhe sind so stark mit Schadstoffen belastet, dass sie nur ,mangelhaft’ oder ,ungenügend’ sind. 6 Handschuhe enthalten PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe und im Gefolge die für dieses Material typischen Weichmacher. Dabei handelt es sich überwiegend um besonders kritisch eingestufte Phthalat-Verbindungen, die künftig in Kinderspielzeug verboten sein werden. Sie stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.
 
Aus Lederhandschuhen löste sich das für die Gerbung verwendete umweltschädliche Chrom, was für Allergiker zum Problem werden kann, ebenso wie Nickel, das in einem Fall gefunden wurde. In diesem Handschuh steckt zudem das giftige Cadmium.“
 
11 von 13 untersuchten Arbeitshandschuhen waren mit dem allergenen Chrom-VI verunreinigt: „An den Händen bilden sich Bläschen und juckende Ausschläge. Der Schadstoff entsteht beim Gerben, wenn man schlampig arbeitet. Die von uns bemängelten Produkte enthielten allesamt über 2 mg/kg Chrom-VI. Dabei ist in der Europäischen Norm 420 festgelegt, dass ,der Chrom-VI-Gehalt in Lederhandschuhen niedriger als 2mg/kg sein’ muss“ (Oeko-Test). Das ist auch amtlicherseits bestätigt: Nach Angaben des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) leiden schon heute Tausende an Ekzemen, die auf Kontakt mit Chrom (VI) beruhen. „Chrom im Leder ist als wesentliche Ursache für diese Sensibilisierung anzusehen“, glaubt das BfR.
 
Ich glaube das auch und habe die fast neuen Arbeitshandschuhe entsorgt, obzwar mit schlechtem Gewissen, weil ich sie in den Kehrichtsack (zur Verbrennung) gestopft habe – sie hätten auf den Sondermüll gehört.
 
An 3 Tagen habe ich die Hände jeweils fast eine Stunde lang in ein Meersalzbad von etwa 10 Prozent getaucht. Der Juckreiz ist entschwunden, und jetzt, nach 8 Tagen seit der Blasen-Ankunft, zeichnet sich ein auffälliger Heilungsprozess ab. Wo die Blasen waren, lässt sich die Haut wie bei einer gekochten Kartoffel abschälen. Ich habe eine Zinksalbe aufgetragen, um die Hautbildung zu beschleunigen, zu unterstützen. Und endlich reibe ich die Hände mit Olivenöl extra vergine ein.
 
Ich erkläre mich als geheilt. Eva hat neue Baumwoll-Arbeitshandschuhe gekauft und sogleich gründlich gewaschen, vorsichtshalber. Vor Blasen aller Art sollte man sich hüten.
 
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