Textatelier
BLOG vom: 16.08.2009

Anschläge auf Novartis: Ebenso verwerflich wie Tierversuche

Autorin: Lislott Pfaff, Schriftstellerin, Liestal CH
 
Mit gutem Recht hat Bundesrat Pascal Couchepin die gegen das Pharmaunternehmen Novartis und dessen Konzernchef Daniel Vasella gerichteten Anschläge von Tierschützern aufs Schärfste verurteilt. In der Tat nützen solche Gewalttaten den Tieren am Allerwenigsten – Gewalt gegen Tiere, selbst wenn sie in den Laboratorien bewusst geschieht, kann nicht mit Gewalt gegen Menschen abgegolten werden, selbst wenn diese solche Gewalt mit grossem finanziellem Erfolg ausüben. „Couchepin tröstet Vasella“ hiess deshalb der Titel des diesbezüglichen Pressecommuniqués in der „Basellandschaftlichen Zeitung“ (bz) vom 07.08.2009. Nur frage ich mich: Wer tröstet die über 730 000 Tiere, die gemäss eidgenössischer Statistik letztes Jahr (2008) schweizweit in Labors schmachteten – darunter die über 15 500 Versuchsopfer, die mit den schlimmsten Leiden und Ängsten belastet waren?
 
Auch der Basler Regierungsrat zeigte sich – ich wiederhole: mit gutem Recht – empört über die Gewalttaten gegen Daniel Vasella sowie gegen  Mitarbeitende der Pharmaindustrie. Hingegen behauptet er zu Unrecht, dass Tierversuche „für die Erforschung von Krankheitsursachen und Behandlungsmöglichkeiten unabdingbar“ seien. Als medizinische Übersetzerin auf den verschiedensten Gebieten der Pharmaforschung in der ehemaligen Ciba-Geigy AG – wobei ich auch die entsprechenden Fachpublikationen studieren musste – fiel mir auf, dass Resultate aus Tierexperimenten selbst von den Forschern immer wieder angezweifelt wurden und dass sie nie oder nur selten zur praktischen Anwendung in der Humanmedizin führten. Sogar das in Basel erscheinende „Schweizerische Medizin-Forum“, ein über allen tierschützerischen Verdacht erhabenes Organ unserer Ärzteschaft, schrieb (Zitat aus dem „Beobachter“ vom 20.02.08): „Der ahnungslose Bürger nimmt an, dass die Resultate aus Tierversuchen mit jenen aus klinischen Studien am Menschen mehr oder weniger übereinstimmen.“ (…) „Die Diskrepanzen zeigen, dass der Tierversuch nichts oder nur wenig mit der menschlichen Krankheit zu tun hat.“
 
Ich hoffe, dass auch der Basler Regierungsrat von diesen Ausführungen aus professionellen Kreisen Kenntnis nimmt.
 
Hinweis auf weitere Textatelier.com-Beiträge über Tierversuche
 
Blogs zum Thema Tierversuche
Hinweis auf weitere Blogs von Heinz Scholz
Tannenblut – Medizin für Atemwegskranke
Wenn der Frühling zu früh kommt
Dr. Hans Viardot: Braunellen, Bäume und Bienen
Wickel verhelfen uns zu einem Wohlbefinden
Heilkräftiger Thymian bei Erkältungskrankheiten
Genussvolle Plätzchen sind immer beliebt
Wodanseiche: Sie fiel einem Unwetter zum Opfer
Pilz des Jahres 2022: Glücksymbol und Symbiosepartner
Herbstliche Frühlingsgefühle eines Apfelbaums
Vor 100 Jahren wanderte Hemingway im Schwarzwald
Trompetenbaum beeindruckt mit schönen Blüten
Der Tulpenbaum von Elsbeth Stoiber am Albis
Blütenreiche Wiesen mit Teufelskralle und Klappertopf
Gänseblümchen: Tausendschön und Margrittli
Sie war einst die grösste Tanne Westeuropas