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BLOG vom 09.10.2009


Brennnesseln, Wegwarten, Wasser und Botanischer Garten
 
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Vorbei an einem japanischen Ahorn, an einem weidenblättrigen Birnbaum, an einem Beet mit Japangras, das die ersehnten Regentropfen nach Wochen der Trockenheit gierig aufsog, an einem Schwarznussbaum und, neben vielen anderen, an einem Ginkgobaum führten die mit Wegwarten-Blüten verzierten Plakate zur „Buchvernissage Rausser/Hess“. Das war im Botanischen Garten Bern (BOGA) am frühen Abend des 08.10.2009.
 
Der in CH-3065 Bolligen BE domizilierte Wegwarte Verlag des berühmten Fotografen und Zeichners Fernand („Sepp“) Rausser und seiner Frau Ursula Rausser, als Hobby, ohne kommerzielle Absichten, auf hohem künstlerischem Niveau betrieben, kennt keine Flaute. Die Produktion läuft unentwegt. Die beiden neuesten Werke sind: „Die Brennnessel – eine feurige Kraft“ und „Wasser Impressionen“, von Neil Götz in Bern einfühlsam gestaltete Bücher. Besonders das Wasser-Buch lebt von den unübertrefflichen Aufnahmen Fernand Raussers, die nicht nur technisch einwandfrei sind, sondern immer auch eine deutliche Aussagekraft haben, zumal dieser Fotograf nicht nur mit offenen Augen, sondern auch mit kritischem Blick durch die Welt geht. Er scheint zudem immer genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Zu den beiden neuen Büchern durfte ich die Texte schreiben. Und selbstredend hat es mich mit Stolz erfüllt, als mich die liebenswürdige, charmante Ursula Rausser bei der Vorstellung als „Hausautor“ ihres Verlags bezeichnete.
 
Rund 100 Personen hatten sich zur Vernissage eingefunden, die von der „Hausmusikerin“ Christine Lauterburg mit erfrischend abgewandelten Jodelgesängen akustisch eingefärbt wurde. Sie begleitete sich auf dem Schwyzerörgeli oder mit der Geige gleich selber. Ihre Darbietungen sind voller Kapriolen, witzig, und sie verbreiten eine gelöste Stimmung.
 
Hommage an die Brennnessel
„Als ich angefragt wurde, ob ich das Brennnessel-Buch an der Vernissage vorstellen wolle, habe ich sofort zugesagt“, leitete der biologiekundige BOGA-Mitarbeiter Markus Bürki seine vortreffliche Rede ein. Er hatte eine frisch treibende Brennnessel in einem Blumentopf mitgebracht.
 
„Die Brennnessel ist mir eine Altbekannte; sie war und ist mir in meinem Leben eine treue Begleiterin: Zuerst waren da natürlich die unangenehmen Erlebnisse: Die Aufforderung von älteren Kindern, diese weichen Blätter doch einmal anzulangen, das darauf folgende Brennen und das hämische Lachen der Anderen. Später ein folgenschwerer Sturz, nur mit Badehosen bekleidet, rücklings in einen Wald von Brennnesseln und die tröstenden Worte meiner Mutter, ich würde dafür später kein Rheuma mehr bekommen, welche mir damals für den Moment natürlich sehr weitergeholfen haben… Oder dann die Mutproben: Entweder eine Brennnessel anzufassen oder einen Viehhüter (Stromdraht). In der Schule die schwierige Frage: Schreibe ich das Wort Brennnessel mit 2 oder 3 n, und wie trenne ich es?“
 
Trotz alledem wurde der Referent bald einmal zu einem ausgesprochenen Brennnessel-Freund – nachdem sich auch die Schreibweise geklärt hatte; der Bedeutung der Pflanze entsprechend, kam ein (3.) n hinzu. Die heutige Schreibweise lautet Brennnessel, und die Silbentrennung ist hier möglich: Brenn/nes/sel. So konnte sich der Referent dann den angenehmen Eigenschaften der Pflanze zuwenden:
 
„Sofort bekam ich aber auch die anderen, schönen, interessanten und spannenden Seiten der Brennnessel mit: In unserem Wildgarten wuchsen seit jeher Brennnesseln. Ich freute mich jedes Jahr auf ein Schauspiel: viele kleine Explosionen und daraus folgende Staubwolken bei den Nesseln: der herausgeschleuderte Blütenstaub.
 
Durch unseren Vater lernten mein Bruder und ich die Liebe zu den Schmetterlingen kennen, und wir begannen, sie zu züchten. Angefangen haben wir (dreimal dürfen Sie raten) mit den Brennnesselraupen, vor allem mit Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs. Insgesamt ernähren sich die Raupen von 22 verschiedenen Schmetterlingsarten von der Brennnessel.
 
Brennnesseln wurden auch von meiner Mutter geerntet – mit Handschuhen natürlich. Daraus fertigte sie eine ziemlich übelriechende Brühe, welche sie als Dünger für den Garten benutzte, worauf dieser noch schöner aufblühte.
 
Besser als der Brühengestank gefiel uns die Verwendung der Brennnessel in der Küche: Im Frühjahr gab meine Mutter die zarten Triebe entweder in den Salat oder in eine himmlische Kräutersuppe.
 
Als ich hier im Botanischen Garten die Pflege des Heilpflanzengartens übernahm, kreuzte sich mein Weg wieder mit der mir wohlbekannten Pflanze. Ich lernte einiges über ihre Wirkstoffe und über ihre Heilkraft, welche sie schon seit der Antike zu einer der bekanntesten Heilpflanzen machte.
 
Im Raupen- und Schmetterlingsgarten, welchen ich hier im BOGA eingerichtet habe, durfte die Brennnessel natürlich nicht fehlen.“
 
Markus Bürki kam dann auf das Buch zu sprechen, dessen Aufbau ihn an seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen erinnerte:
 
„Angefangen mit der Pflanzenbeschreibung und der ökologischen Bedeutung. Über das Brennen zu den Wirkstoffen, der Anwendung, der Rolle in der Volksmedizin. Dann zur Anwendung in Garten, Küche und als Faser- und Farblieferantin. Zum Schluss die Darstellung in Kunst und Literatur.
 
Umrahmt wird das Ganze durch die wunderschönen, stimmungsvollen Fotos von Fernand Rausser. Diese zeigen, wie fotogen diese Pflanze ist, ob von Weitem in ihrer natürlichen Umgebung oder auch aus der Nähe in ihrer vollen Schönheit.
 
Der Text von Walter Hess ist spannend und kurzweilig zugleich. Reich an Zitaten von Gelehrten aus den verschiedensten Epochen, was auf eine gute Recherche hindeutet, bringt er uns überliefertes Wissen näher, das Ganze in frischer Sprache und übersichtlich zusammengefasst. Der Autor hat viele interessante Facts zusammengetragen:
 
Wussten Sie zum Beispiel, dass…
-- die Brennnessel über 48 verschiedene Inhalts- und Wirkstoffe enthält oder dass…
-- man sich während der Weltkriege wegen der Baumwollknappheit an die frühere Verwendung von Brennnesselfaserstoffen erinnerte oder dass…
-- die Zugabe von Brennnesseln die Haltbarkeit des Biers verbessert?
Und so weiter und so fort.
 
Das Buch ist ein medizinischer Ratgeber, ein Koch-, Garten-, Natur- und Geschichtsbuch in einem; dies alles in einem praktischen Format, dank welchem es überall hin mitgenommen werden kann.
 
Walter Hess und Fernand Rausser bringen uns die zu Unrecht oft unbeliebte und verschmähte Brennnessel als kraftvolle Nutzpflanze – heute würde man sagen: eine Powerpflanze – näher. Sie überzeugen uns von deren vielseitigen, leider häufig unterschätzen Talenten. Ich ziehe vor dieser Ehrrettung einer meiner Lieblingspflanzen den Hut und danke den beiden Männern.
 
Beenden möchte ich die Buchbeschreibung mit einem Zitat aus dem Buch; zitiert wird Sebastian Kneipp – ja der Kneipp mit der Wasserkur: „Versteh doch die Sprachen der Pflanzen, gerade die Verachtetsten, die am meisten Zertretenen, haben häufig die schönsten Kräfte in sich verborgen.“
 
Wasser Impressionen
Der kantonal-bernische Fischereiinspektor Dr. Peter Fredli hatte die Aufgabe übernommen, das Wasser-Buch vorzustellen, und damit tauchte auch er in ein geliebtes Element ein, wie das Publikum gleich zu spüren bekam:
 
„,WASSER (H2O) ist eine chemische Verbindung aus den Elementen Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H)’. So umschreiben Lexika die wissenschaftliche Definition des Wassers. Einfach, nüchtern, schulbuchmässig. Der Textautor des Buchs ,Wasser Impressionen', Walter Hess, beschreibt hervorragend alle Facetten des Wassers, angefangen von der medizinischen Bedeutung, über die wirtschaftliche Bedeutung bis hin zur ökologischen Bedeutung.
 
Lassen Sie mich nachfolgend einige dieser Bedeutungen des Wassers erwähnen. Nur wenn man sich der Vielfalt des Wassers bewusst wird, die enorme Spannweite der Bedeutung des Wassers erfasst hat, ist man auch in der Lage, die Leistung unserer Hauptperson des heutigen Abends, Fernand Rausser und seine fantastischen Bilder, so richtig zu würdigen.“
 
Der fachkundige Referent beschrieb das Wasser auf seine eigene Weise in origineller Art, verbunden mit einer auflockernden Bilderpräsentation:
 
„WASSER, eine durchsichtige, klare Flüssigkeit? Das ist es, was wir sehen. Fertig, aus, Ende der Beschreibung?
 
WASSER, eine Flüssigkeit, die man nicht riechen kann? Das ist es, was wir riechen ‒ oder besser gesagt – nicht riechen können.
 
WASSER, ein Getränk, das neutral, ohne Geschmack unseren Durst löscht? Das ist es, was wir mit unserem Geschmacksinn wahrnehmen.
 
WASSER, eine Flüssigkeit, die wir mit unserer Haut als warm oder kalt wahrnehmen, die weder brennt noch ätzt? Das ist es, was wir mit unserem Tastsinn feststellen.
 
WASSER – eine rundum langweilige Flüssigkeit!
 
NEIN, Wasser ist weit mehr als das!
 
WASSER ist z. B. die einzige chemische Verbindung auf unserer Erde, die in der Natur in allen drei Aggregatszuständen vorkommt, nämlich als Flüssigkeit (Wasser), als feste Substanz (Eis/Schnee) und als Gas (Wasserdampf):
 
Vom gesamten WASSER auf unserer Erde sind
-- über 98 % (98,233 %) in flüssiger Form als Wasser
-- knapp 2 % (1,766 %) in fester Form als Eis und Schnee und
-- lediglich 0,001 % in dampfförmiger Form als Wasserdampf
vorhanden.
 
Die ersten Astronauten haben begeistert aus dem Weltraum berichtet, dass ihnen die Erde wie ein blauer Edelstein im All erscheine, und Bilder haben auch uns eindrücklich unseren ,Blauen Planeten’ vor Augen geführt:
 
71 % unserer Erde ist von Wasser bedeckt (v. a. die Südhalbkugel). Insgesamt gibt es auf unserem Planeten 1.4 Milliarden Kubikkilometer Wasser, was ungefähr dem Inhalt von 1,4 Milliarden Mal dem Inhalt des Bielersees entspricht. 96,5 % dieser ungeheuren Wassermasse ist Salzwasser in den Weltmeeren.
Die restlichen 3,5 %, also nur gerade 48 Millionen Kubikkilometer, sind Süsswasser.
 
Wenn also die Menge des gesamten Wassers auf der Erde einer Badewannenfüllung entspräche, so könnte man mit dem Süsswasser knapp ein kleines Trinkglas füllen. In diesem Trinkglas wäre zudem etwa die Hälfte des Inhalts festes Eis, weil rund 24 Millionen Kubikkilometer des Süsswassers unserer Erde (noch) als Eis an den Polen und in Gletschern gebunden sind. Beinahe die andere Hälfte unseres Wasserglases wäre ebenfalls gefroren. Diese Hälfte des Wasserglases entspricht nämlich den rund 23 Millionen Kubikkilometern Wasser, das in Permafrostböden eingefroren ist.
 
Ja, wo ist denn das Wasser, das wir kennen, das die meisten Bilder zum Buch ,Wasser Impressionen’ geliefert hat?
 
Das Wasser in Fliessgewässern und Seen macht gerade mal 190 000 Kubikkilometer (also 190 000 Bielerseen) aus. Das füllt von unserer Badewanne knapp ein kleines Schnapsglas! Ein paar Tröpfchen blieben dann noch übrig für das Wasser in der Atmosphäre (13 000 km3) und – jetzt hören Sie gut zu – für den Wasseranteil in den Lebewesen (1100 km3).
 
Sie sehen also: Wir Menschen sind ,wassermässig’ ein absolut kleiner Fisch auf unserem Globus, ein Teil eines Tropfens in einem Schnapsglas. Ein Nichts!
 
Und trotzdem – ohne das bisschen Wasser im Schnapsglas ginge gar nichts!
 
Wir sind von Wasser umgeben. Nein, ich meine nicht die Hochwasser der letzten Jahre, die Hagelgewitter Ende Juli, das Badevergnügen in der Aare im vergangenen warmen Sommer 2009.
 
Wir sind gleichsam umzingelt von Wasser:
-- Wenn Sie ein Käsesandwich essen, dann essen Sie mit der Butter 18 %, mit dem Brot 40 % und mit dem Käse je nach Käsesorte 30‒60 % Wasser.
-- Wenn Sie Ihr Sandwich statt mit Käse mit Fleisch belegen, dann essen Sie relativ teures Wasser, denn Fleisch besteht – je nach Sorte und Metzger – aus 60‒75 % Wasser.
-- Als Vegetarier leben Sie gar noch wässeriger: Äpfel und Birnen enthalten 85 %, Wassermelonen – nomen est omen – enthalten 90 % und Gurken oder Tomaten sogar 98 % Wasser.
 
Die Wissenschaft befasst sich ebenfalls mit dem WASSER. Je nach Aspekt, den die einzelnen Wissenschaftszweige erforschen, heissen sie Hydrologie, Hydrogeologie, Meteorologie, Ozeanologie, Limnologie oder Glaziologie.
 
Die Religionen wenden sich dem WASSER zu: So kennt das Christentum die Taufe mit Wasser und das Weihwasser, der Islam die rituelle Waschung vor dem Betreten der Moschee oder der Hinduismus das rituelle Bad im heiligen Ganges.
 
Die Politiker befassen sich mit dem WASSER: Sie erlassen die zu seiner Nutzung und seinem Schutz nötigen Gesetze und Verordnungen und die Regierungen setzen zu deren Umsetzung die erforderlichen Fachstellen ein.
 
Die Medizin- und Wellness-Institute befassen sich mit dem WASSER: Badekuren, Kneippen, Saunabesuche, Schwimmen boomen.
 
Die Technik befasst sich mit dem WASSER: Wasser dient als Kühlmittel, zum Heizen, treibt Turbinen, Mühleräder und Dampfmaschinen an und bewässert Felder, beschneit künstlich Skipisten und auch die Juristen beschäftigen sich mit dem Wasser.
 
Den Wasserfotografen sprach Peter Friedli am Ende seines Vortrags persönlich an:
 
„Lieber Fernand, lieber Sepp
 
In Deinen Bildern hast Du es auf eine faszinierende und überaus eindrückliche Art geschafft, die Vielfalt des Wassers in Bildern festzuhalten. Es ist Dir gelungen, einer toten chemischen Substanz namens H2O Leben einzuhauchen. Die Aggregatzustände des Wassers, sei es fest, flüssig oder gasförmig, spürt man in Deinen Bildern. Darin riecht man das an und für sich geruchlose Wasser, man nimmt die farblose Flüssigkeit Wasser in allen ihren Farbnuancen wahr und lässt die im Bild eingefangenen Stimmungen auf sich einwirken. Wasser ist nicht nur da, um sich zu waschen und um Zähne zu putzen – wie es das berühmte Lied glauben machen will. Deine Bilder zeigen es: Wasser ist auch da, um sich an seinen vielfältigen Erscheinungsformen zu erfreuen, sei es als Erholungssuchender an den Gewässern, sei es als Wanderer beim Erkunden der Natur, sei es als Reisender in fernen Ländern. Auch als Nutzer des Wassers erkennt man sich in Deinen hervorragenden Bildern wieder, vielleicht – mit einem etwas schlechten Gewissen – auch hin und wieder als Übernutzer, Verschmutzer oder Verschwender des kostbaren Gutes Wasser.
 
Um ein solches Buch mit derart eingängigen Bildern zu erschaffen, braucht es aber mehr als einen guten Textautor und einen Fotoapparat. Es braucht Engagement, Liebe zur Sache – in Deinem Fall eine persönliche Faszination vom Objekt ,Wasser’. Diese Faszination spürt man, wenn man Deine Bilder betrachtet. Ich bin selber ein Mensch, der bereits in seiner Jugend vom Wasser fasziniert war, der das Wasser – wie ein Kamel nach einem Ritt durch die Wüste – schon von Weitem gerochen hat (obschon das Wasser gemäss den Chemikern ja gar nicht riechen dürfte!). Ich weiss, wovon ich spreche, wenn ich sage, dass ich nachempfinden kann, was Dich ans Wasser getrieben hat, was Dich dazu gebracht hat, es in seinen vielfältigen Erscheinungsformen für Dich und Deine Mitmenschen im Bild festzuhalten.
 
Sie kennen wohl alle den bereits etwas abgedroschenen Witz: Was ist der Unterschied zwischen einem Chemiker und einem Gynäkologen?
 
Der Chemiker sagt beim Anblick des Wassers H2O, der Gynäkologe bei einer Geburt „Oha 2“.
 
Auch bei der Geburt dieses Buches galt: Oha 2. Ohne Ursula, die im Hintergrund bei der Geburt dieses Buches kräftig mitgeholfen hat, hätte man wohl mit mehr Geburtswehen rechnen müssen. Zusammen, lieber Sepp, liebe Ursula, habt Ihr ein wunderschönes Buch ,geboren’, dem ich ein langes Leben, eine erfolgreiche Karriere und eine grosse Verbreitung wünsche!“
 
Brennnesselparty mit diversen Wässern
Ein schöner, alter Brauch will es, dass an Vernissagen Getränke und kleine Imbisse verabreicht werden. Diesmal war das Thema vorgegeben: Zum Trinken gab es nur reines Wasser, das allerdings von Hopfen und Malz, oder aber von Äpfeln beziehungsweise Trauben einiges abbekommen hatte und in einem Fall dadurch zum Merlot wurde. Da Fernand Rausser auch ein begnadeter Koch ist, der nie abmessen muss, gab es viele äusserst delikate Zubereitungen, die ausnahmslos mit Brennnesseln gewürzt waren: so ein grandioses Hafersüppchen, Tomaten-Mousse, Eier-Tätschli, Thonsalat, Randensalat, ein feuchtes, schmackhaftes Nesselbrot, eine grandiose Nessel-Terrine, Kartoffelsalat, Nessel-Weisswürste und Brennnessel-Desserts (Brennnesselglacé, mit Minze abgeschmeckt, und Mango-Crème). Man hätte sich einen Riesenteller von 1,5 m Durchmesser gewünscht, wie ihn die Tropenpflanze Victoria cruziana (Seerose von Santa Cruz) im Tropenhaus des BOGA entwickelt hat ... Die Lehre: Selbst die kulinarischen Seiten der Brennnesseln, wenn sie in die richtigen Kochhände geraten, sind bezaubernd.
 
Der Ort – der in seiner Existenz dauergefährdete Botanische Garten Bern am Altenbergrain unter dem Kursaal – war geschickt gewählt. Ich habe vorgängig die Gelegenheit zum Besuch der Tropenhäuser benutzt und genoss in den verglasten Bauten mit der feuchten Urwaldstimmung die skurrilen, vielgestaltigen und in plakativer Schönheit blühenden Pflanzen, die vor Lebenskraft strotzen.
 
Ganz in der Nähe zeigte die Fotografin Anja Tanner aus Schönried BE Bilder von der schottischen Insel Skye („Clacharan – Stepping Stones“), die alle mit Geschichten von George W. Macpherson unterlegt sind – auch in diesen Werken spielt neben bewusst ins Bild gerückten Unschärfen das Wasser seine wichtige Rolle.
 
Die Hinweisplakate auf diese eindrückliche Ausstellung (Ende: 10.10.2009), waren mit den Wegwarte-Wegweisern vereinigt. Das war schon fast eine Symbiose. Und einen Satz von Anja Tanner, selber ein Fotomotiv, kann ich gut zur Abrundung gebrauchen: „Das Bild von einem bestimmten Ort wird zu einem anderen, wenn man die Geschichte hinter dem Sujet kennt.“ Es lässt sich gut abwandeln: „Wasser und Pflanzen werden zu etwas anderem, wenn man ihre Bedeutung kennt.“
 
Die Wegwarte-Vernissage im BOGA dürfte in diesem Sinne manches verändert haben.
 
Buchhinweise
Hess, Walter, und Rausser, Fernand: „Die Brennnessel – eine feurige Kraft“, Wegwarte Verlag, Bolligen BE 2009, ISBN 978-3-9523235-2-6, CHF 23.‒.
Hess, Walter, und Rausser, Fernand: „Wasser Impressionen“, Wegwarte Verlag, Bolligen BE 2009, ISBN 978-3-9523235-3-3, CHF 66.‒.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog über eine Rausser-Vernissage
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