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BLOG vom 10.10.2009


Obama-Stilbruch 23: Unverdienten Nobelpreis angenommen
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Es wäre unfair, würde man dem Barack Obama die Zuteilung des Friedensnobelpreises in die Schuhe schieben. Er kann weiss Gott nichts dafür und hätte wahrscheinlich lieber darauf verzichtet, denn es ist ihm vollkommen klar, dass er diese Weihe aus den Händen des noblen Nobel-Komitees nicht verdient hat und dass diese Auszeichnung mit ihrer überschätzten Bedeutung ihn in seiner Kriegspolitik und in seinem Anspruch, die Welt unter US-Herrschaft zu bringen und zu führen, nur behindert. Um eine proaktive Kriegspolitik kommt er nicht herum, da ein grosser Teil der US-Wirtschaft von der Waffenproduktion lebte und lebt, weshalb dieses martialischste Land der Erde, das bereits Atombomben zum Einsatz gebracht hat, ständig in Kriege verwickelt ist. Und falls die Geschäfte einmal weniger gut laufen, müssen eben Konflikte angezettelt, frei erfunden und mit Lügen und Verdrehungen gerechtfertigt werden, der Normalfall, wobei die verlorenen Schlachten in Vietnam und im Irak die markantesten sind. Im 2. Weltkrieg schauten die Amerikaner möglichst lange zu, vernichteten gegen dessen Ende noch schnell einige deutsche Städte und holten dann noch heraus, was herauszuholen war, auch an Machtzuwachs. Die landesübliche Parasitenkultur, die sich inzwischen noch akzentuiert hat.
 
Barack Obama reagierte auf die Preisverleihung aus Oslo geschickt und demütig, will das Preisgeld (rund 1,5 Mio. CHF) wohltätigen Organisationen überlassen: Er glaube nicht, dass er es verdiene, sich in der Gruppe vergangener Nobelpreisträger zu befinden, die so viel erreicht hätten, sagte Obama wörtlich. Eine starke Haltung. Warum denn nimmt er diesen Preis überhaupt an?
 
Gegenüber seinen Vorgänger-Kriegsherren unterscheidet sich Obama dadurch, dass er seine Kriegspolitik in dichte rhetorische Wolken aus Friedfertigkeit hüllt, in denen es von Friedenstauben nur so wimmelt. Die himmlisch tönende Musik – Schall und Rauch – hat drunten auf dem Erdboden selbstredend keinerlei Auswirkungen, im Gegenteil: Obama war es auch, der den höchsten Militäretat in der US-Geschichte vorlegte. So habe ich wenige Stunden vor der Friedenspreis-Ankündigung im „Spiegel online“ den Bericht „USA drohen Iran mit Superbombe“ gelesen. Dieses Bomben-Monster sei mit seinen 14 Tonnen Gewicht 6 Mal so schwer wie das bisher grösste Bombenexemplar im umfangreichen US-Waffenarsenal und könne bis zu 60 m dicken Stahlbeton pulverisieren, stand da zu lesen. Die jetzige US-Regierung habe den Termin für die Einsatzfähigkeit (2012 war geplant) vorgezogen und mache daraus kein Geheimnis. Amerika will also nicht nur in der Luft (und bis hinauf ins All) und auf dem Boden, sondern auch unterirdisch Krieg führen können.
 
Obama agiert noch immer weitgehend auf der Basis von Vorschusslorbeeren, deren Bestand allerdings allmählich zur Neige geht. Wenn er bei einem TV-Interview eine lästige Stubenfliege erschlägt, jubeln die Mainstreammedien: „Diesem Mann gelingt aber auch alles.“ Und dann lässt er sich als Friedensengel feiern, wenn er verfügt, auf das von George W. Bush abgesegnete Raketenabwehr-System auf polnischem und tschechischem Boden zu verzichten, was an sich ja höchst begrüssenswert wäre, wären dafür nicht billigere und schneller einsetzbare Alternativen auf dem Mittelmeer vorgesehen, so dass an der US-Politik zur weiteren Aufrüstung und Machtausweitung überhaupt nichts ändern wird. Zudem haben die USA Ende August 2009 eine neue Interkontinentalrakete getestet. Ist das atomare Abrüstung? Wurden die geheimen CIA-Folterlager geschlossen?
 
Und dann posaunte Obama sein angebliches Anliegen von einer atomwaffenfreien in die aufrüstende Welt hinaus, ohne aber gleichzeitig beizufügen zu vergessen, dass die USA natürlich auch langfristig nicht auf Atomwaffen verzichten könnten. Und sicher wird auch Israel seine enorme militärische Nuklearkapazität behalten dürfen, die im Stillen mit US-Hilfe aufgebaut wurde. Es geht also offensichtlich darum, nur die übrige Welt zum Abrüsten zu bewegen, damit wieder einige unliebsame Machtkonkurrenten geschwächt werden. Aus dem Mittleren Osten liegen noch keinerlei politische Erfolge vor. Und diese Form von Machtpolitik wird dann mit der höchsten Ehrung versehen; Absichtserklärungen, die nicht von entsprechenden Taten begleitet sind, genügen offenbar.
 
Die Frage ist nun, was am derzeitigen Hauptkriegsschauplatz der Amerikaner, in Afghanistan, passiert. Dort erringen die Taliban mit ihrer primitiven Ausrüstung Sieg um Sieg, und der derzeitige US-Oberbefehlshaber, General Stanley McChrystal, hat erkannt, dass der Krieg „binnen eines Jahres verloren gehen könnte“. Er verlangt deshalb 40 000 zusätzliche Soldaten (derzeit sind gegen 68 000 ausgelaugte, erschöpfte US-Soldaten am Hindukusch, wo sich 1 Drittel von ihnen psychische Schäden holt, die manchmal im Selbstmord enden). Nach US-Wünschen sollen vor allem Soldaten aus verbündeten Ländern daranglauben müssen. Um die Schlappe einer Totalniederlage abzuwenden, die wahrscheinlich auch nach weiteren Personalaufstockungen nicht abzuwenden sein wird, prüft die US-Regierung laut einem AFP-Bericht nun eine Zusammenarbeit mit den gemässigten Taliban. In der Verzweiflung werden nun alle möglichen Ansätze geprüft, hier ohne Total-Gesichtsverlust herauszufinden. Die Anzettelung von Bürgerkriegen ist eine altbekannte US-Massnahme.
 
Wenigstens der kritische Teil der Welt fragt sich, wofür denn eigentlich Obama den Friedenspreis erhalten habe. Wegen seiner Aussöhnung mit Hillary Clinton? Dieses Spässchen kam schnell auf. Die Nominierungsfrist für den Nobelpreis ist im Februar 2009 abgelaufen, als Obama erst gut 1 Monat im Amt war. Der Preis stützt sich auf Absichtserklärungen, will Obama unter Druck setzen, seine Rhetorikblasen umzusetzen. Das spürte offenbar auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der zu den ersten Gratulanten gehörte. „Wir hoffen, der Friedensnobelpreis wird ihm den Anreiz geben, Gerechtigkeit in die Welt zu bringen“, liess er seinen Sprecher erklären, und dieser fügte hinzu: „Wenn er das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat aufgibt, kann er beweisen, dass er den Preis zu Recht erhalten hat.“
 
Unser Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz zeigte ich von der anbiedernden Seite: „Von Zeit zu Zeit ist es wichtig, dass ein Politiker die Auszeichnung bekommt, da Krieg und Frieden stark von der Politik abhängen", sagte er gegenüber dem Schweizer Fernsehen SF. Muss denn eigentlich jeder Gag von einem verbalen Allgemeinplatz begleitet werden?
 
Und muss jede verbale Blase mit einem Preis geehrt werden? Als ob wir nicht schon genug von Anerkennungspreis-, PR- sowie Info-Gerümpel und obsessiven Katzbuckeleien hätten.
 
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