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BLOG vom 07.11.2009


GB: Bestürzende Nachrichten aus USA und Afghanistan
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Das Blutbad im Fort Hood
Kaum hatte ich die Frühnachrichten am 06.11.2009 im Fernseher angeknipst, erfuhr ich, dass im Fort Hood, dem grössten amerikanischen Armeestandort in Texas, am Donnerstag, 05.11.2009, Major Nidal Malik Hasan 13 Soldaten erschossen und 30 verletzt habe. Der Täter betreute als Psychiater aus Afghanistan und Irak heimkehrende Soldaten. Seine Eltern sind aus Palästina eingewandert. Dr. Nidal Malik Hasan sei ein strenggläubiger Muslim, wurde angemerkt. Er selbst wurde verletzt ins Lazarett eingeliefert. Die Hinter- und Beweggründe zu diesem Blutbad sind vorderhand noch verworren.
 
Was werden die Auswirkungen sein? Viele Einwanderer aus dem Nahen Osten werden wohl in der Folge à priori als Terroristen verdächtigt. Diese Annahme kann nicht einfach weggeblasen werden.
 
Neue britische Opfer in Afghanistan
Von seiner Dachwarte aus erschoss vor wenigen Tagen ein afghanischer Polizist 5 Soldaten, kaum waren sie in ihre Unterkünfte zurückgekehrt. Sie hatten ihre Helme, Waffen und Schutzwesten abgelegt. Der Terrorist entkam auf dem Motorrad. Die schlecht bezahlten Polizisten gelten als eine undisziplinierte und schlecht trainierte Bande – eine Fundgrube für Terroristen unter dem Taliban-Banner. Wer kann dieser Polizei noch trauen? Noch 2 weitere britische Soldaten verloren diese Woche ihr Leben. Allein dieses Jahr sind 92 Soldaten gefallen. Insgesamt ist die Gesamtzahl der Opfer auf 229 hochgeschnellt. (Die ungleich höhere Zahl der zivilen Opfer bleibt von der anstehenden Gedenkfeier ausgeschlossen.)
 
Am Sonntag, 08.11.1009, wird, wie alle Jahre wieder, des „Remembrance Sunday“ der britischen Kriegsopfer gedacht. Mehr und mehr weisse Kreuze reihen sich aneinander. Seit Tagen schon tragen die Engländer ihr „poppy“ (eine rote Mohnblüte aus Papier) am Revers.
 
Auch im Wimbledon Village werden wiederum Mitglieder der British Legion und andere Vertreter der Institutionen mit gehissten Fahnen zum „War Memorial“ beim Wimbledon Common marschieren. Dort spielt alsdann die Blasmusik. Die Anwohner werden aus allen Richtungen herbeiströmen. Ein 2-minütiges Stillschweigen wird am Ende der Zeremonie bewahrt.
 
Diese Gedenkfeier ist jeweils im vollen Verlauf, nachdem ich gegen 11 Uhr morgens die Sonntagszeitung gekauft habe. Ich mische mich nicht unter die Menge, aber halte vielleicht kurz auf dem Heimweg inne, ehe ich im Takt der Marschmusik weitergehe, jeder militärischen Haltung bar. Ich bedaure die Opfer, die in den so genannten Befreiungskriegen im Irak und in Afghanistan nutz- und sinnlos gefallen sind. Das Volk hat diesen Kriegen nicht zugestimmt, schlimmer noch, es wurde seines Wahlrechts schlechthin beraubt.
*
Inzwischen haben 600 Angehörige der Uno Afghanistan verlassen – vorübergehend, wird gesagt – , bis sichere Wohnstätten für sie gefunden sind.
 
Der Krieg in Afghanistan ist längst verloren. Die „Befreiungsmission“ ist gescheitert. Dies wird jetzt selbst in britischen Regierungskreisen eingesehen. Der Premier Gordon Brown will die Truppen trotzdem nicht zurückziehen. Die Begründung, dass die Besetzungsmächte Terroristeneinbrüche in England verhindern würden, ist höchst fadenscheinig, wie die Terroranschläge in England und anderswo beweisen. Es braucht nur wenige Terroristen, um Unheil anzurichten.
 
Vor 20 Jahren mussten sich die Russen zwangshalber aus  Afghanistan zurückziehen. Sie sahen ein, dass sie Krieg verloren hatten. Eine ähnliche Situation wie jene, welche die Russen zum Abzug bewogen hat, herrscht jetzt vor. Die Koalition muss und soll endlich das Feld räumen, statt die Streitkräfte weiterhin massiv zu erhöhen. 
 
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