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BLOG vom 12.05.2010


Schöne Zeiten unter dunklen Aschewolken, fürwahr!
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Dunkle Wolken, mit oder ohne Asche, aus dem Norden wirbeln, vom bitterkalten Nordwind getrieben, über mir vorbei – und dies im Wonnemonat Mai 2010. Das drückt mir aufs Gemüt.
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Die Nachrichten aus der Welt sind ebenfalls dunkel und düster. Korruption ist in weiten Teilen der Welt gang und gäbe, worunter ganz ausgeprägt auch in Nigeria in Afrika, ein Land, das mit Bodenschätzen gesegnet und von Halunken verhunzt ist, die ganz legitim Banken ausrauben und ihr Diebesgut in Steueroasen in Sicherheit bringen. Die allergrössten Schurken aus Russland und anderswo sind nicht auf Steueroasen angewiesen. Sie werden überall willkommen geheissen.
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Das Rohöl sprudelt verheerend in den Golf von Mexiko – über 200 000 Gallonen (in den USA ist 1 Gallone 3,78 Liter) täglich –, und es erreicht und verschmutzt die Küsten Floridas. Fische und Vögel sterben massenweise in der giftigen Tunke. Diese Brühe hat sich inzwischen auf 130 Meilen ausgebreitet.
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Hamid Karzei, der Präsident von Afghanistan, traf sich am 11.05.2010 mit Präsident Barack Obama, um die stark angeschlagenen Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu verbessern. Beide Staaten? Afghanistan zappelt in den Kriegskrallen der Amerikaner, die ihr militärisches Arsenal weiterhin gewaltig – gewalttätig – aufstocken. Auch Karzei hat sich letztes Jahr durch ein korruptes Wahlmanöver durchgemausert. Am Sonntag wurden wiederum 2 tote britische Soldaten heimgeflogen. In Edinburgh fand eine Gedenkfeier statt – und zugleich eine Feier für Soldaten, die lebend aus dem Inferno heimgekehrt sind.
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Papst Benedikt XVI. hat einen Kardinal entdeckt, der angeblich als Wunderheiler heilig gesprochen werden soll. Der Papst ist am 11.05.2010 in Portugal eingetroffen. Am Schrein der Fatima hat er eine Messe zelebriert, eine unter vielen anderen ... und gepredigt, gepredigt ... in Gottes Gnaden und „die Glückseligkeit des Glaubens und der Hoffnung“ wie einen Ballon aufsteigen lassen, als Panazee (Universalheilmittel) gegen finanzielle Nöte. Der Papst, scheint mir, hat Sinn für Humor, Galgenhumor – denn er wird keine einzige Milliarde aus dem vollen Koffer des Vatikans locker machen.
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Die Aschenwolken des Vulkans in Island erreichen wiederum den Atlantik und dringen in Südeuropa ein. Viele Flughäfen wurden erneut geschlossen. Immerhin regt sich ein Jubelgefühl in mir: Meine Frau und meine Söhne sind nach einem 2-wöchigen Besuch in Persien heil am Sonntag wieder in London angekommen. Sie sind begeistert von jenem Land – ganz anders als es die amerikanischen Schwarzmaler und Kriegshetzer darstellen. (Ein Blog darüber steht an.)
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Kehren wir vorerst wieder zur Asche zurück: So hat laut Presse die Dignitas, die Endstation aus dem Leben in Zürich, die Tongefässe mit den Eingeäscherten, worunter 50 Briten, angeblich kurzum im Zürichsee versenkt. Dort werden die Überreste mitsamt dem Ton umweltfreundlich aufgelöst. Asche zu Asche.
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Eine Gruppe von Bankkrösussen hat eine Wette gewonnen und die Zahl der gewonnenen Wahlsitze in Grossbritannien richtig erraten, wohl jene der Konservativen. Sie vertranken teuren Champagner im Wert von £ 60 000 an einem Abend, d. h. durch die Nacht. Dieser Betrag sei bloss einen Bagatelle vom Gesamtgewinn gewesen, versicherte einer der Kerle. Damit haben sie den Umsatz des Merah-Nachtclubs in Fitzrovia (London) gewaltig belebt. Zum Wohl, will besagen im Interesse der Nation! In dieser Liga können sonst nur noch Fussballspieler mithalten.
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Apples neues iPad kostet nur zwischen £ 429 und £ 699. Kein Wunder, dass sich Tausende von Kaufwilligen um diesen „bargain“ balgen, auch in England. Diese Äpfel sind nicht Affen, sondern Nachäffern vorbehalten.
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Ich weiss nicht, ob ich es begrüssen soll oder nicht, dass China das neue Amerika geworden ist und sich über die grössten und mächtigsten Banken erfreut. Die missbrauchten Bären, rund 10 000 in Bärenfarmen eingekerkerte, sollten in Refugien freigelassen werden, nicht unbedingt im Berner Bärengraben, damit China die Herzen der Tierliebhaber gewinnt. Die Ehrengarde beim Buckingham-Palast in London mag auf ihre Bärenfellmützen verzichten, auf Geheiss der Königin.
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Leider haben sich die Wolken noch immer nicht verzogen, aber ich glaube, ich habe für heute genug über die „schönen Zeiten“ gefaselt.
 
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