Textatelier
BLOG vom: 26.06.2010

Jeremy Rifkins Kritik an der Rinderkultur ist aktuell wie damals

Übersetzerin: Lislott Pfaff, Schriftstellerin, Liestal BL/CH
 
Im Internet bin ich auf eine amerikanische Rezension gestossen, die ich nachstehend ins Deutsche übersetzt habe: „BEYOND BEEF: The Rise and Fall of the Cattle Culture“ von Jeremy Rifkin, Dutton Books, 1992.
*
Gegenwärtig (um 1990) bevölkern 1,28 Milliarden Rinder die Erde. Sie beanspruchen fast 24 % der Landmasse unseres Planeten** und verzehren eine Getreidemenge, mit der man Hunderte von Millionen Menschen ernähren könnte.
 
Mit diesen erstaunlichen und erschütternden Tatsachen verknüpft Jeremy Rifkin die Anthropologie, Geschichte, Soziologie, Ökonomie und Ökologie, indem er die Rinderkultur einer brillanten, niederschmetternden Prüfung unterzieht und Anklage gegen sie erhebt – gegen eine Kultur, die unsere Welt geprägt und verdorben hat.
 
Die faszinierende Geschichte, die er uns erzählt, beginnt mit der Entstehung der Zivilisation, als der Glaube an die mystische Macht der Rinder und die magischen Eigenschaften des Rindfleischs geboren wurde. Er schildert den uralten Konflikt zwischen jenen, die Viehzucht betrieben, und jenen, die das Land bebauten – ein Konflikt, der den Verlauf von Geschichte und Kultur des Westens in höchstem Mass beeinflusste. Rifkins Bericht reicht vom Cowboy-Mythos über die Erhellung internationaler Intrigen und politischem Verrat bis zum puren Geiz, wodurch das weite amerikanische Grenzland* in ein riesiges Viehzucht-Gebiet verwandelt wurde. Dann führt er uns von den ausgedehnten Stallungen von Chicago bis zu den automatisierten Weidefabriken in den Ebenen von Iowa; er stellt uns die höchst bestürzende Anklage gegen die Rindfleisch-Industrie vor, die Upton Sinclair vor 85 Jahren in seinem Buch „The Jungle“ erhob und damit die amerikanische Öffentlichkeit schockierte. Schliesslich verschafft er uns einen einzigartigen Überblick über den Triumph des Rindfleisch-Mythos in Amerika und den weltweiten Marketing-Triumph der goldenen Bögen von McDonald’s in Städten, die so weit voneinander entfernt sind wie New York, Tokyo und Moskau.
 
Insbesondere erhält man von „Beyond Beef“ eine Zusammenstellung der Kosten von alledem. Das Buch beschreibt eine Welt, in welcher man die ärmeren Völker dieser Erde verhungern liess, um die Rindfleisch-Sucht einer Handvoll reicher Nationen zu befriedigen. In Europa, den Vereinigten Staaten und Japan führte diese Sucht zu Millionen von Todesfällen infolge Herzschlag, Krebs und Diabetes – den Krankheiten des Wohlstands. Das Buch beschreibt auch die grauenvollen ökologischen Auswirkungen der Rinderkultur: abgebrannte Regenwälder, fruchtbare Ebenen, die in Wüsten verwandelt wurden, und die globale Erwärmung, die unser Klima bedroht.
 
„Beyond Beef“ mag uns den Appetit auf Rindfleisch verderben, wird aber auch unseren Hunger nach Veränderung hervorrufen, bevor es zu spät ist. Dieses überzeugende und leidenschaftlich geschriebene Buch ist für die 1990er-Jahre das, was „Silent Spring“ für die 1980er-Jahre war: eine dringende Warnung an alle, die um das Schicksal der Erde besorgt sind.
 
(Übersetzung aus der Website „The Office of Jeremy Rifkin –
The foundation on economic trends“:
 
Fussnoten
* Grenzland ist ein Überbegriff für mehrere Arten von Grenzbereichen zwischen menschlichen Gesellschaften. Sie können deutliche Unterschiede in der Kultur beziehungsweise in der Weltanschauung aufweisen, in der staatlichen Organisationsform oder in anderen, eine gegenseitige Fremdheit ausmachenden Aspekten. Gesellschaften, die in diesen Räumen leben, nennt man frontier societies.
 
** Diese Flächenangabe scheint allerdings etwas hoch gegriffen zu sein, wenn man an die riesigen Ausmasse von Gebirgen, Wüsten, bebauten Gebieten, Verkehrsanlagen usf. denkt. Viele Länder, insbesondere asiatische, keinen keine ausgedehnten Rinderkulturen; sie ziehen Schweine und Geflügel vor.
 
Hinweis auf einen Rundbrief-Artikel aus dem Textatelier.com mit Hinweis auf Jeromy Rifkin
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