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BLOG vom 25.07.2010


Der Londoner Gärtner und die vernachlässigte Cordyline
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Ein echter Gärtner spricht zu den Pflanzen und umarmt die Bäume, damit sie gedeihen. Weil ich nicht zu meiner Cordyline sprach, machte sie einen „Muschkopf“, womit ich besagen will, sie liess den Kopf hängen, und ihre lanzettlichen Blätter verwelkten, wurden braun, und sie liess sie fallen.
 
Die Cordyline stammt aus Australien und hat sich in Südengland eingebürgert. In Wimbledon stehen diese Keulenlilien, wie der deutsche Ausdruck lautet, links und rechts vor vielen Eingangstüren Garde. Eine Cordyline hat bei unserem Hauseingang Baumhöhe erreicht und beschert uns alle Jahre mit einer riesigen Blumendolde, von den Bienen und Hummeln sehr geschätzt.
 
Eine kleinere Cordyline gedieh während einigen Jahren ordentlich im grossen Plastikkübel untergebracht, bis ihr schliesslich der Kübel zu eng wurde. Vielleicht habe ich sie auch überwässert. Ich löste sie aus dem Kübel. Ihr Wurzelballen war ausgetrocknet. Sie fand ihre letzte Stätte auf dem Komposthaufen in einer Ecke meines Gartens, zwischen Tannen.
 
3 Wochen später entdeckte ich zufällig, dass sie eine Dolde trieb. Die Cordyline wollte mir beweisen, dass sie nicht tot war. „Was treibst du da?“ sprach ich sie erstmals an. Zwar blieb sie mir die Antwort schuldig, doch ich wusste, was sie mir sagen wollte. „Du hast mich arg vernachlässigt!“
 
Meine Rettungsaktion begann. Ich spatete ihr eine Grube am Rand des Rasens. „Hier hast du mehr Platz, um deine Wurzeln zu treiben“, sagte ich und festigte mit den Füssen die Erde um sie herum.
 
Tagtäglich suchte ich sie auf. „Dir geht es eindeutig besser!“, sprach ich ihr zu. Ihre kleinen, weissen Blüten hatten sich geöffnet. Bienen und Hummeln hatten sie entdeckt. Jetzt hoffe ich, dass sie aus der Krone neue Lanzettblätter treibt. Aber ich verzichte, sie zu bewässern. Die Natur möge ihr weitaus besser helfen als ich es vermag.
 
Dieser Grundsatz gilt oft auch in anderen Lebensbereichen.
 
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