Textatelier
BLOG vom: 25.01.2005

Schreib doch einmal über Indigokinder!

Autor: Walter Hess

„Schreib doch einmal etwas über die so genannten Indigokinder! Dann kann ich bei Gesprächen endlich kompetent entgegnen. Ich kann dieses neue Wort bald nicht mehr hören.“ Diese Bitte unterbreitete mir am Telefon soeben ein netter Bekannter, Luigi Scura. Nun bin ich allerdings kein Fachexperte; doch wurde ich mit diesem Phänomen auch schon aus dem Bekanntenkreis konfrontiert. Denn offenbar gehört es bei jungen Eltern heute fast zum guten Ton, ein Indigokind zu haben. Ich kann den Luigi sehr wohl verstehen.

Dem Buch „Das Indigo-Phänomen – Kinder einer Neuen Zeit“ von Carolina Hehenkamp, die 1947 in den Niederlanden geboren ist und in Spanien, Frankreich und Deutschland als Modedesignerin wirkte, und auch aus anderen Quellen kann man entnehmen, was das für spezielle Kinder sind. Laut diesen Quellen haben Indigokinder im Vergleich zu „gewöhnlichen“ Kindern nur ganz subtil erkennbare Unterschiede: ein höheres Energiefeld, eine andere Verhaltensweise und eine geringere Emotionalität. Man ordnet diese Kinder dem Wassermann-Zeitalter zu. Mit solchen Differenzierungen kann man natürlich wenig anfangen, denn es gibt ja keine genormten „Normalkinder“ – jedes Kind ist ein Individuum. Und dazu kommen die prägenden Einwirkungen aus dem engeren Lebensumfeld, welches die kleinen Persönlichkeiten ebenfalls prägen.

Indigokinder sollen sich angeblich sehr schnell entwickeln und vereinzelt sogar hellseherische Fähigkeiten haben, das Aura-Sehen beherrschen und also Energiefelder wahrnehmen, die normalerweise unsichtbar sind, sich also in unsichtbaren Welten bewegen. Kann da etwas dran sein?

Die Entwicklung der Kinder war schon immer unterschiedlich, und jedes Kind hat seine eigene Phantasiewelt. Sie prägt sich aber in diesen modernen virtuellen Räumen, wo Scheinwelten, wie sie zum Beispiel die Medien ständig erfinden, und die Wirklichkeit nahtlos ineinander übergehen, aller Wahrscheinlichkeit nach noch aus. Die Flucht in Traumwelten ist für sie die einzige Möglichkeit, wenn die – sagen wir einmal: handgreifliche – Wirklichkeit arm an Anregungen ist, etwa dann, wenn Kinder in einem Wohnblock und auf einem trostlosen Spielplatz aufwachsen müssen, der neben einer Rutschbahn und einem als Katzenklo missbrauchten Sandkasten keinerlei Impulse für schöpferisches Tun bietet. Dann stellen sich ähnliche Vorgänge wie bei den Fernsehschaffenden ein. Man nimmt zu Scheinrealitäten Zuflucht: Studioatmosphären (Spiele, "Benissimo", "Deal or No Deal", "Wetten, dass…“ usw.), Spekulationen, Umfragen (Demoskopie), und gesellschaftliche und politische Ereignisse werden inszeniert – am Schluss wird das alles mit der Wirklichkeit verwechselt; die Zuschauer sind desorientiert. Geheimdienste wenden solche Techniken der Manipulation schon seit langem an, etwa um Volksaufstände zu veranlassen und missliebige Regimes durch willfährige zu ersetzen.

Doch zurück aus der grossen Weltpolitik zu den Indigokindern: Eine ihrer weiteren Eigenschaften soll die hypersensible Reaktion auf Zusätze im Essen sein. Das sind die normalen Allergien auf chemische Zusätze, auf synthetisierte Produkte also, die bis vor wenigen Jahren keine Bestandteile der menschlichen Nahrung waren und an die sich der menschliche Organismus folglich (noch) nicht gewöhnen konnte. Ein vernünftig reagierender Organismus wehrt sich gegen Giftzufuhren, sendet Alarmzeichen aus, welche die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung anzeigen.

Und diese speziellen Kinder seien, so heisst es im Weiteren, schwer dazu zu bringen, Dinge zu tun, die ihnen als unsinnig oder überflüssig erscheinen. In diesem Sinne habe ich mit meinen 68 Jahren ebenfalls alle Merkmale eines Indigokinds ... Auch hätten sie Schwierigkeiten mit absoluten Autoritäten. Ich auch. Sie hätten ein starkes Selbstwertgefühl und eine schnelle Auffassungsgabe. Wenn ich mich ebenfalls dazu bekennen würde, könnte das als Eigenlob aufgefasst werden... Jedenfalls gab es solche Menschen schon immer.

Indigokinder seien asozial, rebellisch. Bei dieser modernen gesellschaftlichen Situation muss man dafür ein gewisses Verständnis bekunden, eine logische, vernünftige Verhaltensweise. Und wenn sie sich die Haare ausreissen, kann das mit einem Mangel an wertgebenden Inhaltsstoffen in der Industrienahrung zusammenhängen, das heisst mit einem Defizit an Spurenelementen und Mineralstoffen. Und so weiter. Tatsächlich: Indigokinder reagieren auf die bestehenden Verhältnisse im Prinzip richtig.

Das Wort Indigokinder geht angeblich auf eine Dame namens Nancy Anne Trappe zurück, die ich nicht kenne. Sie soll seit Anfang der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts festgestellt haben, dass vermehrt Kinder mit einer dunkelblauen (indigofarbenen) Aura (die an sich unsichtbare Ausstrahlung des Menschen) in diese Welt hineingeboren wurden. Es heisst, Trappe könne die menschliche Aura sehen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Farben im Gehirn des Betrachters entstehen, selbst wenn sie nur einen Namen hören. Der Fachausdruck dafür lautet Synästhesie.

Der Anteil an Indigokindern soll bei den heutigen Neugeborenen um 90 % ausmachen. Das würde bei einer rein statistischen Interpretation bedeuten, dass sie jetzt der Normalfall sind und die Nicht-Indigokinder die Ausnahme.

Ich weiss nicht, wie viel davon stimmt. Wenn ich aber in Rechnung stelle, wie naturentfremdet wir heute wohnen und essen, wie wir kaum noch einen Bezug zur freien Natur haben, wie die Nahrung nach Laborrezepten zusammengestellt und dabei ihrer Lebendigkeit beraubt wird, wie Bauchemikalien in unsere Wohnräume ausgasen, der Elektrosmog immer stärker wird, die Familien zerfallen und synthetische Welten aus allen medialen Kanälen auf die Menschen einwirken, wird es klar, dass die empfindsamen Kinder, die sich innerhalb solch synthetischer Umfelder zurechtfinden müssen, entsprechende Verhaltensmuster entwickeln. Denn Kinder sind noch ganz Sinnesorgan.

Diese zivilisationsgeschädigten jungen Erdenbürger müssen einem Leid tun, besonders wenn sie am Ende noch zusammen mit den Hyperaktiven, ebenfalls Opfer von modernen Einflussfaktoren, mit Medikamenten wie Ritalin ruhig gestellt und dadurch zusätzlich geschädigt werden.

Wahrscheinlich hat das Indigokinder-Phänomen wenig mit Esoterik zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit unserer vergifteten, trostlosen Biosphäre, mit unseren unwohnlichen Lebensräumen mit ihren Strahlen- und Kunststofforgien. Wenn man im Einklang mit Albert Einstein davon ausgeht, dass alles Energie ist, dann darf man wohl feststellen, dass immer mehr Energien aus dem Gleichgewicht geraten sind. Mit den entsprechenden gravierenden Folgen.

Es ist nahe liegend, dass sich ein Kind auf einem Bauerhof zu Gotthelfs Zeiten, wie etwa auf dem Sahlenweidli im Emmental, wo das SF DRS kürzlich Vergangenheit wiedererwecken wollte (ebenfalls eine Scheinwelt), vollkommen anders entwickelte als eines aus der Grossstadt, das nur Beton, Kunststoffe und Asphalt kennt und sich darauf einstellen muss.

*

So, damit wäre Luigis Wunsch erfüllt; ich habe über Indigokinder geschrieben, was mir gerade so in den Sinn kam. Wollen Sie das auch tun? Dann schreiben Sie bitte an die E-Mail-Adresse walter.hess@textatelier.com

Hinweis auf weitere Blogs von Walter Hess
Die unendliche Geschichte der Sondermülldeponie Kölliken
Verkehrsmedizinische Untersuchung für Alte: das Auto-Billett
Aargau: Leben im freiesten Kanton des glücklichsten Lands
Reaktionen auf Blogs (158): Nachwehen zur Blatter-Wahl 5
Auf US-Befehl skandalisierte Fifa. Medien spuren unverzüglich
Reaktionen auf Blogs (157): Duftendes aus dem Ideentopf
Schweiz: Plädoyer für eine selbstbewusste, mutige Politik
Markwalders Kasachstan: Im Dienste der Destabilisierung
Reaktionen auf Blogs (156): Von Günter Grass, vom Lesen
Ein neues Umweltdebakel in Sicht: Solarpanel-Sondermüll
Gerhard Ammann: Naturaufklärer und Auenschutz-Pionier
Ulrich Weber: der Erfinder der 1. Bundesrätin ist nicht mehr
Der Zickzack-Kurs des Weltgeschehens: Desorientierung
Chaos-Praxis: Im Labyrinth der Erkenntnis-Widersprüche
Die Wirkungen von Staatsbesuchen: Hollande in der Schweiz