Textatelier
BLOG vom: 16.12.2010

Duette und Duelle: Die Meinungsfreiheit, die ich meine

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Prallen gegensätzliche Meinungen hart aufeinander, gibt es Beulen und Verlierer auf allen Seiten, besonders wenn der Meinungsstreit emotionell ausartet. Wer sich schlichtend in den Schlagaustausch zwischen Meinungsgegner einmengt, kriegt ebenfalls eine Faust auf die Nase, nein, mindestens 2 Faustschläge ‒ von jeder Seite einen. Wehe, wenn sich der Meinungsstreit auf mehr als 2 Gegner ausweitet und zur Gruppenschlägerei wird!
 
Die gerissenen Meinungsgegner meiden den groben Schlagaustausch: Sie bevorzugen Giftpfeile aus dem Hinterhalt, auf eine erfundene Schwäche des Gegners gezielt. Der Betroffene kann, sofern er bei Kasse ist, auf Entschädigung klagen.
 
Die Meinungsfreiheit gehört folglich der Sorgfaltspflicht unterstellt zu werden, soweit sie öffentlich auftritt.
*
Wie verstehe ich meine eigene Meinungsfreiheit? Den Aufstand der Studenten gegen die massive Erhöhung des Lehrgeldes an englischen Universitäten unterstütze ich. In Schottland ist das Studium gratis, wie auch in vielen anderen Ländern in Europa. Wiederum wurde in den USA das Anrecht auf eine kostenlose Erziehung gebodigt: Der Student wird mit einem Schuldenberg belastet.
 
Der Aufstand der Studenten, die zum grössten Teil friedlich protestierten, artete in Krawalle aus, ausgelöst von schlimmen Radaubrüdern. Darüber haben die Medien ausführlich berichtet. Die Protestaktionen der Studenten hingegen wurden bestenfalls beiläufig gestreift. Wird das „House of Lords“ die Regierung oder die Studenten unterstützen?
 
Ich bin auch gegen die rabiate Vorgehensweise der Polizei, wie schon zuvor angeprangert (Beispiel: Einkesselungstaktik). Jetzt wird der Einsatz von Wasserwerfern erwogen.
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Dies ist eine Seite meiner Meinungsfreiheit auf öffentliche Missstände bezogen. Im Privatbereich zügle ich meine Meinungsfreiheit. Lieber vertraue ich meine Ansichten und Meinungen dem geduldigen Papier an, am liebsten essayistisch oder aphoristisch geäussert.
 
Das ist meine Gelegenheit: Wiederum schiebe ich einige meiner Aphorismen ein:
 
Die Dialektik kneift die Wahrheit so lange, bis sie blaue Flecken bekommt.
 
Gegensätze ziehen einander an. Wehe, wenn sie einander ausziehen.
 
Es spielten 2 Geiger im Gegenstrich und erstachen sich mitten im Händel.
 
Manches, was als Duett beginnt, endet im Duell.
 
Ausgetretene Fährten führen gewöhnlich zur Tränke.
 
Er legte seine Richtschnur wie ein Strang satt um den Hals eines anderen.
 
Faust-Regel: Damit lässt sich keine Sache anpacken.
 
Als die Freiheit eingebürgert war, legte sie sich erschöpft aufs Stempelkissen.
 
Das Land hat Grenzen. Der Staat keine.
 
Nachfühlen soweit man kann – darüber hinaus Toleranz.
 
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