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BLOG vom 22.12.2010


Obama-Stilbruch 31: Die erblassten ausländischen Erblasser
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Wollen Sie, falls Sie nicht bereits die amerikanische Staatsbürgerschaft ergattert haben, wenigstens ein US-Steuersubjekt werden? Nichts einfacher als das: Sie kaufen sogenannte US situs assets. Das sind Aktien von US-Unternehmen, US-Fonds und Obligationen von US-Schuldnern. Auf eine elegantere Art und Weise können Sie Ihr Erspartes wohl kaum loswerden. Denn, wie ja jedermann weiss, sind die USA ein rekordverdächtiges Schuldenfass ohne Boden und auf einen permanenten Dollar-Zufluss aus aller Welt angewiesen, damit wenigstens die Fasstuben noch einigermassen feucht bleiben. Schon der Dollar an sich, der zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen am 21.12.2010 gerade noch knapp 96 Rappen gilt und dessen innerer Wert unter null ist, bietet Gewähr, dass Ihr Vermögen schmilzt. China und Russland sind soeben dabei, im zwischenstaatlichen Handel den Dollar abzusschaffen und durch die eigenen Währungen Yuan bzw. Rubel zu ersetzen, ein deutliches Signal.
 
Eine kontinuierliche, nicht allzu schnelle Dolar-Entwertung freut auch die Amerikaner, die sich im Rahmen dieses Schmelzprozesses ihre Schuldenlast seit Jahrzehnten zulasten der übrigen, hereingefallenen Welt entwerten. Damit das nicht ganz so auffällig wird und nicht allzu schnell geht, auch wenn sie dadurch Exportvorteile erhalten, machen sie gerade mit allen denkbaren Tricks den Euro herunter. Focus online fasste zusammen: Seit Wochen überbieten sich US-Politiker, Wirtschaftsprofessoren und Leitartikler darin, das Ende des Euro, des Euroraums sowie des gemeinsamen Europa zu beschreien.“ US-Rating-Agenturen mischen mit ihren dubiosen Spielen zunehmend mit, holen zum Grossreinemachen aus, stufen europäische Länder herab, und sogar Europäer fallen darauf herein. Damit wird von jenseits des grossen Wassers versucht, das sich abzeichnende Ende des Dollars als Leit(d)währung noch etwas hinauszuschieben.
 
Falls aus Ihren US-Anlagen am Ende Ihres Lebens wider allen Erwartens noch etwas übrig geblieben sein sollte, nimmt Ihren Erben die US-Steuerbehörden, unabhängig von ihrer Staatszugehörigkeit, ihrem Lebenszentrum oder ihrem Steuerdomizil, je nach deren Lust und Laune die US Estate Tax weg: Der Steuersatz beträgt 18 bis 55 Prozent, so dass Sie also getrost damit rechnen dürfen, dass etwa die Hälfte in die USA abgeführt wird, falls Ihr US-Portfolio mindestens 60 000 USD beträgt. Ausführliches können Sie darüber dank der St. Galler Bank Wegelin lesen, die den Schwindel schon längst publik gemacht hat:
Die Bank Wegelin hat deshalb 2009 den Kauf von US-Wertschriften für Privatkunden eingestellt, eine höchst rücksichtsvolle, weise Kundenbetreuung. Bereits am 30.08.2009 habe ich eines meiner Blogs so betitelt: Hütet Euch vor US-Anlagen. Eine Absage ans Raubrittertum.“
 
Abschied von der Privatsphäre
Nach Ihrem Ableben und Ihrer Auffahrt in einen hoffentlich nicht allzu sehr amerikanisierten Himmel haben Ihre wohl eher weinenden als lachenden Erben 9 Monate Zeit, an die US-Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) eine vollständige Steuererklärung abzuliefern. Man kann sich das gut merken: Die Frist entspricht genau der Schwangerschaftsdauer, nur ist im vorliegenden Fall das Ende nicht freudig, sondern bitter. Da die Amerikaner darauf erpicht sind, möglichst alles auch aus Ihrem Privatleben zu erfahren, was auch als CIA-Futter weiterverwertet werden kann, haben Ihre Erben nicht nur eine Auflistung der vorhandenen US-Papiere, sondern des gesamten Vermögens nach Washington mitzuteilen. Das hat für den IRS den unschätzbaren Vorteil, dass er darüber im Bilde ist, wie viel herauszuholen ist. Dessen Talent im Geldeintreiben ist sagenhaft. Erblasser würden zusätzlich verblassen, wäre es nicht zu spät dafür, und den Tod umso intensiver als Erlöser von all den amerikanischen Übeln begrüssen.
 
Natürlich kommen auch Untote nicht ungeschoren davon: Schweizer Banken müssen (wie alle anderen auch) ab 2013 alle Finanzdaten von US-Steuerpflichtigen mit dem IRS austauschen – gläserner geht's nicht mehr. Herr Obama tut, was er kann.
 
Ich empfehle sogar, falls Sie genügend US-begeistert sind, gleich Ihren gesamten Nachlass den Vereinigten US-Staaten zu vererben, dann können Ihre Nachkommen vielen Deklarationsumtrieben aus dem Weg gehen, abgesehen von der Kontrolle, ob denn auch wirklich der letzte Dollar (falls es diese Währung dann überhaupt noch geben sollte) abgeliefert wurde. Das würde die Sache vereinfachen. Unter US-Druck dürfte bis zu Ihrem Heimgang, wie sich Pfarrherren auszudrücken pflegen, die Privatsphäre ohnehin abgeschafft sein (Stichwort: Transparenz); ich erinnere nur an die Totalkontrolle des SWIFT-Zahlungsverkehrs.
 
Das US-Steuergesetz
Die Sache mit der weltweit verbreiteten US Estate Tax funktioniert seit dem 07.06.2001, als der damalige US-Präsident George W. Bush jun. das seither gültige Steuergesetz („Economic Growth and Tax Relief Reconciliation Act“) unterzeichnete, woraus sich schliessen lässt, dass er des Schreibens kundig war. Das Gesetz war auf Ende 2010 befristet und bot Bushs Nachfolger Barack Obama die tolle Gelegenheit, steuergesetzgeberisch tätig zu werden, nachdem es ihm gelungen war, den US-Schuldenberg in noch nie erreichte, geradezu schwindelerregende Höhen aufzutürmen. Allein seine Kriege und Kriegsvorbereitungen verschlingen Dollars ähnlich dem Schwarzen Loch, dem die Astronomen so viel Begeisterung entgegenbringen.
 
Schwarze Löcher sind von einer derart starken Schwerkraft umgeben, dass es nichts und niemandem gelingt, sie zu verlassen. Das Schwarze US-Loch saugt unentwegt Geld (Anlagen), Steuern, Bussen als Folge der Strafmentalität, Verkauf von Kulturschrott usf. an, und es wird immer saugkräftiger, bestenfalls dürfte davon noch eine trübe, ungeniessbare Ursuppe zurückbleiben.
 
Geschenke für reiche Amerikaner
Im Moment ist die US-Schuldenlage prekärer denn je. Und der schwach gewordene Obama hat unter republikanischem Hochdruck einen zusätzlichen Weg gefunden, das nach der unbezahlbaren Gesundheitsreform herrlich aufblühende US-Staatsdefizit weiter zu vergrössern – durch eine Verlängerung der Steuererleichterungen für Einheimische, insbesondere für Reiche, wie sie in der Bush-Ära eingführt wurden. Sie werden um 858 Milliarden Dollar (bzw. umgerechnet etwa 830 Milliarden CHF) entlastet werden. Der Stilbruch diesmal: Obama hatte noch im Wahlkampf 2008 angekündigt, dass Menschen mit Jahreseinkommen über 250 000 Dollar künftig wieder die vollen Steuersätze zahlen sollten. Davon ist auch wieder nichts zurückgeblieben.
 
Mit gesteigerter Intensität müssen die USA nun halt weiterhin Geld aus dem Ausland auf legalen und illegalen Wegen eintreiben. Wahrscheinlich wäre es angezeigt, zu einer Spendenaktion für jenes verarmte Land im Niedergang aufzurufen. Allerdings hätte das den Nachteil, dass Amerika dann weniger grosse Erbschaften zum Abschöpfen hätte.
 
Hinweis auf die bisher erschienenen Blogs über die Obama-Stilbrüche
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