Textatelier
BLOG vom: 05.01.2011

Zwischenhinein: Tiefe aphoristische Hintergedanken

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
 
Betet den Rosenkranz der vorherrschenden Meinung nach. Damit sind Amt und Broterwerb gesichert.
 
Wer keinen eigenen Charakter hat, muss einen fremden annehmen oder ihn erfinden.
 
Er bat den Himmel um Gunst. Und der ganze Himmel krümmte sich donnernd und grollend über ihn.
 
Der Schwärmer ist wie ein vollgesogener Schwamm. Man drücke ihn, und er fliesst und trieft.
 
Manche Philosophie mutet bodenlos tiefgründig an.
 
Wer das Wetter lobt, sei auf ein Unwetter gefasst.
 
Schnapsideen erwecken den meisten Beifall.
 
Wer anders gewickelt ist als andere, der entwickelt sich oft besser.
 
Zu viele Fernsehkanäle hemmen den Gedankenfluss. Der Mensch verdummt zusehends.
 
Er sagte es ihm geradeaus ins Gesicht. In welches, das wusste er nicht.
 
Zu vergeben sei gut und edel, wird gesagt. Lasst darüber höhere Mächte richten und walten, etwa beim Frevel gegen Menschen und andere Lebewesen.
 
Der Eigenbrötler drescht sein Korn aus Hobelspänen, doch muss er sein Brot beim Bäcker holen.
 
In der Weisswäscherei wird der Stoff fadenscheinig.
 
In den Schlupfwinkeln der Politik verstecken sich die feissen Maden der Nutzniesser.
 
Das Wort „naturbelassen“ erfreut, ausser wenn dabei der Mensch gemeint ist.
 
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