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BLOG vom 04.05.2011


Töter als tot: Osama bin Laden und die abgetauchte Leiche
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Die westlichen Mainstreammedien hatten einen strengen Wochenauftakt: „Bin Laden ist tot!“ Der schwer verschuldete Kriegsherr Barack Obama hatte das in der Nacht zum Montag, 02.05.2011, mit einer Spur von Lächeln an die eigene Nation und an die Welt verkündet. Die Besten der Guten haben das Böse wieder einmal besiegt: Justice has been done" (der Gerechtigkeit wurde Genüge getan), verkündete Präsident Obama, der sich damit im genau richtigen Moment aus dem Beliebtheitstief emporrappelte und seine Popularität im Hinblick auf das beginnende Milliarden-Wahltheater steigerte, obschon er gegen das Völkerrecht verstossen hat, das keine Liquidationen kennt. Der meistgesuchte Mann der Welt sei bei einem Feuergefecht mit einer Spezialeinheit, die dann zu „amerikanischen Elitesoldaten“ wurde, in Pakistan, bei Abbottabad, in der Nähe der Hauptstadt Islamadad, getötet worden, erfuhr man. Sogar ein Helikopter stürzte ohne Feindeinwirkung ab, um etwas Farbe ins Geschehen zu bringen.
 
DNA-Analysen bestätigten die Identität des getöteten Al-Qaida-Chefs einwandfrei, wurde uns weisgemacht. Und besonders edel: Die Mörder befassen sich freundlicherweise neuerdings gerade auch noch mit der Bestattung, streng nach dem religiösen Brauchtum, das auf das Mordopfer abgestimmt ist. Selbst wenn sofortige Seebestattungen nicht eben das Charakteristikum des islamischen Rituals sind, wenn ich richtig informiert bin. Irgendwelche Bilder von der Leiche bin Ladens gab es auf Videos und in der pakistanischen Presse vorerst nur als Fälschungen (Fakes) aus dem Jahr 2009 und als Photoshop-Fotomontagen; da wurden ein paar Ladenhüter ausgegraben.
 
Sofort als Wahrheit verkündet
Was mich erstaunte, war der Umstand, dass unsere Qualitätsmedien schon wieder ihre Qualitätskriterien beiseite schoben und die Obama-Worte als feststehende Wahrheiten verkündeten. Wenn Meldungen von Involvierten stammen und die Angaben nicht überprüft werden konnten, wird doch normalerweise immer der Konjunktiv verwendet. Dieser Modus ist angezeigt, wenn etwas ohne Gewähr wiedergegeben wird, wobei der Empfänger (Leser, Hörer oder Zuschauer) dann zwischen möglich und irreal frei wählen kann. Es hätte also heissen müssen: Bin Laden soll angeblich getötet (oder ermordet) worden sein; die Meldung Obamas ist nicht bestätigt und konnte nicht überprüft werden.
 
Obamas mitternächtliche Rhetorik wurde als Tatsache in die Welt gesetzt, obschon zumindest die verschwundene, das heisst eilig entsorgte Leiche hätte Skepsis hervorrufen müssen. Denn wenn es um die US-Verherrlichung geht, verlieren unsere eingebundenen Medien jede Spur von kritischer Denkfähigkeit. Und wer dennoch nachzudenken wagt, wird als spielverderbender Verschwörungstheoretiker abgestempelt, und dies ungeachtet des Umstands, dass diese verschworene Gesellschaft hinterher häufig recht erhält – abgesehen von den offiziellen Verschwörungstheorien, wie sie uns täglich im Amtsjargon vorgesetzt werden. Ich erinnere in diesem Zusammenhang bloss an die Fakes im Rahmen einer Multimedia-Show, mit der dem Uno-Sicherheitsrat und uns Bushs Aussenminister Colin Powell am 05.02.2003 das Folgende unterzujubeln versuchte: Saddam Hussein habe 100 bis 500 Tonnen Giftstoffe für den Einsatz als Chemiewaffen (man beachte den Konjunktiv). Das war erstunken und erlogen, eignete sich aber für die Kriegsauslösung gegen den Irak bestens.
 
Alle Erfahrungen lehren also, den Meldungen aus den USA mit grösster Vorsicht zu begegnen, da sie ja in der Regel der Manipulation der eigenen Nation und der Restwelt dienen. Doch nichts dergleichen passiert; ein Lerneffekt bleibt aus. Man hat zu glauben, dass bin Laden nur 500 m von der pakistanischen Militärakademie entfernt residierte, ohne dass dies jemandem aufgefallen wäre. Man hat ohne Kopfschütteln hinzunehmen, dass die Leiche des Elite-Terroristen und Al-Kaida-Chefs sofort weggeschafft und hoch zur See bestattet wurde, bevor jemand auf die Idee kam, ein Erinnerungsfoto zu machen. Dabei hätte man solch ein Bildchen doch so gut gebrauchen können, vor allem zur Untermauerung der Siegesmeldung. Die Jäger lassen sich doch immer gern mit ihrer Beute ablichten. Und wenn es das allenfalls gab, wurde es wegen des islamischen Bilderverbots unterdrückt. So rücksichtsvoll ist man halt.
 
Die westlichen Staatschefs standen nach der Hinrichtungsmeldung als Gratulanten Schlange, ohne den ihnen genehmen Krieg gegen den Terrorismus, der einmal mehr intensiviert wurde, als beendet zu erklären. Im Gegenteil: Die Gelegenheit wird genutzt, um die Terrorismusängste aufs Neue zu schüren, auch wenn das hochstilisierte Feindbild jetzt auf dem Meeresgrund ruht. Immerhin: Racheaktionen drohen. Die Sache ist nicht ausgestanden. Kontrollen gehen weiter.
 
Nur keine kritischen Fragen!
Wäre mir die liederliche Arbeitsweise unserer US-hörigen Medien nicht hinlänglich bekannt, hätte mich erstaunt, dass sich kein Journalist, den ich über die Todesnachricht palavern hörte, nach den Gründen für die unverzügliche Seebestattung der Bin-Laden-Leiche interessierte – übrigens liegt die nächste Meeresküste mehr als 1000 km von Abottabad entfernt. Eine Meisterleistung, ein cleverer Schachzug, wenn man dem SF-DRS-Experten Kurt R. Spillmann, Konfliktforscher und Sicherheitsexperte bei der ETHZ, Glauben schenkt (was bei mir nicht der Fall ist), wurde doch damit verhindert, dass ein Grab für den zum Märtyrer gewordenen Bin Laden zur Wallfahrtsstätte für Dschihadisten werden würde.
 
Als Todesbeweise wurde auf DNA-Analysen (Abgleichung mit Verwandten), die laut US-Regierungskreise einen „ziemlich sicheren Treffer“ ergaben, und eine Identifizierung durch die Ehefrau bin Ladens hingewiesen ... Solch einen Dienst wollte die dienstfertige Dame den Amerikanern doch erweisen.
 
Schon längst gestorben?
Die Frage ist nun die: Ist Osama bin Laden bereits 2001 an einem Nierenleiden eines natürlichen Todes gestorben und geisterte er als Zombie (untoter Toter) in der Weltgeschichte herum? Denn als Gefahrenpotenzial im Krieg gegen den Terrorismus, durch den man Zivilgesetze und den Persönlichkeitsschutz des Volks so schön aushebeln kann, konnte er noch immer allerbeste Dienste leisten, ob „tot oder lebendig“, wie es auf den Fahndungsplakaten im Wilden Westen so schön heisst. Das Kriegsrecht erlaubt, wie es scheint, alles; es kann frei gestaltet werden. Echt kreativ.
 
Ein bemerkenswertes mediales Dokument war die am Montagabend, 02.05.2011, ausgestrahlte DOK-Sendung des Schweizer Fernsehens über Mythos und Wahrheit rund um Bin Laden. Sie erinnerte daran, wie viele etablierte Medien schon 2001 meldeten, bin Laden sei ohne weiteres Zutun schon verstorben. Zitiert wurde auch der US-amerikanische Politikanalyst David Ray Griffin (geb. 1939), der in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen hat, bin Laden sei schon lange tot. Die nach dessen Tod veröffentlichten Botschaften seien mit Hilfe eines Doppelgängers zusammengeschusterte Fälschungen, was zumindest bei einigen von ihnen für jedermann offensichtlich ist, und mochten sie noch so sehr vom US-Geheimdienst als „echt“ bezeichnet werden. Bei Kopp-online vom 02.05.2011 las man dazu von Andreas von Rétyi: „Erst in einem auf dubiose Weise in Jalalabad, Afghanistan, aufgefundenen Video vom 13. Dezember 2001 gesteht bin Laden seine Verbindung zu den Attacken (auf die WTC-Türme in New York) ein und widerspricht all seinen zuvor gemachten Aussagen. Dieses Band wurde als der überzeugendste Beweis seiner Täterschaft präsentiert. Doch der Terror-Führer sieht in diesem Video ganz anders aus als der bis dahin bekannte Mann.“
 
Tatsächlich gab es seit Jahren keine sicheren Zeichen für die Lebendigkeit der Terroristenführers mehr. Laut Griffins These starb bin Laden am 13.12.2001 wahrscheinlich an einem Nierenleiden, das er sich im Höhlensystem von Tora Bora zugezogen hatte. Die Nachricht vom damaligen Tod bin Ladens wurde von mehreren bedeutenden Medien und in einer kleinen Zeitungsnotiz des ägyptischen Blattes Al-Wafd offenbar bestätigt. Sie erschien am 26.12.2001 und bezieht sich auf ein weiteres führendes Al-Kaida-Mitglied, das den Tod von Osama bin Laden damals bekannt gegeben habe: „Er starb an ernsthaften Komplikationen und hatte einen natürlichen, ruhigen Tod. Er wurde in Tora Bora bestattet. Dem Begräbnis wohnten 30 Al-Kaida-Kämpfer bei, enge Familienmitglieder und Freunde aus den Reihen der Taliban. Der Tradition der Wahhabiten folgend wurde am Grab keine Inschrift hinterlassen.“
 
Es liegt mir auch fern, diesen Informationen meinen unbedingten Glauben zu schenken – ein Ungläubiger war ich schon immer. Doch müsste man solche an sich plausible Darstellungen zumindest als gleichwertig oder gleichermassen fake-verdächtig neben die Ergüsse aus dem Weissen Haus stellen, die immer genau zur richtigen Zeit auf die verdummte Menschheit losgelassen werden – dann nämlich, wenn der US-Präsident in einem Glaubwürdigkeits- und Unbelebtheitstief steckt.
 
Die ausgezeichnete, kritische DOK-Sendung ist der mediale Beweis dafür, dass im grössten digitalen Schweizer Medienunternehmen die Existenz kritischer Fragen sehr wohl bekannt sein musste ... und dennoch wurden sie in den üblichen Nachrichtensendungen nach Obamas grossmauliger Verlautbarung vollständig unterdrückt. Auch auf der www.sf.tv-Homepage war über Griffins griffige Thesen nichts zu lesen, sondern z. B. dies: „Der letzte Aufenthaltsort Osama Bin Ladens war keine Höhle oder ein Erdloch, sondern ein recht komfortables Wohnhaus. Das 2 Stockwerke hohe Anwesen stehe nur wenige hundert Meter von der pakistanischen Militärakademie in der Garnisonsstadt Abbottabad entfernt, berichteten britische Medien. Bin Laden hielt sich auf dem einen Hektar grossen Grundstück hinter 10 Meter hohen Sicherheitsmauern verschanzt.“
 
Merkwürdig. Ist das Pressefreiheit, wenn sich die Medien in Selbstzensur üben und unkritisch offizielle Versionen nachplappern?
 
Darf man Tötungen und Mörder loben?
Nehmen wir einmal an, ein US-Killerkommando habe Osama Bin Laden nach Barack Obamas Version und gemäss Obamas persönlichen Einsatzbefehl (Operation mit Tötungsauftrag) tatsächlich getötet (weil er sich wehrte und eine Gefangennahme nicht möglich war ...), dann stellen sich Fragen wie diese: Dürfen selbst ernannte Weltpolizisten, Richter und Henker in einem, die selber unendlich viel Dreck am Stecken haben, auf der Erde erschiessen, wer ihnen nicht in den Kram passt? Sind das neue demokratische Sitten und Gebräuche? Hat nicht jedermann Anspruch auf einen fairen Prozess, selbst ein Serien- und Massenmörder? Gilt nicht in allen Fällen die Unschuldsvermutung? Nebenbei: Die Story von den WTC-Türmen („Ground Zero“) ist noch lange nicht geklärt.
 
Dürfen Staatsführer solche Morde begrüssen und loben? Erst 2 Tage später haben Bin-Laden-Mörder ihre ursprüngliche Darstellung korrigiert und jetzt im Rahmen ihrer eigenen Version zugegegeben, dass ihr Opfer unbewaffnet war. Weder das Völker- noch das Kriegsrecht decken Liquidationen, auch nicht jene von Gaddhafi-Söhnen und Enkeln. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel würdigte die Kommandoaktion in Pakistan in ähnlichen Worten wie die schweizerische Bundespräsidententin Calmy-Rey. In den beiden unüberlegten Stellungnahmen schwebten Rachegefühle mit; die deutsche Regierungs musste am Mittwoch dann zurückrudern, um darzulegen, dass man sich trotz allem innerhalb des Völkerrechts bewege. (Merkels Stellungnahme: „Ich bin heute erst einmal hier, um zu sagen: Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten. Und ich glaube, dass es vor allen Dingen auch für die Menschen in Amerika, aber auch für uns in Deutschland doch eine Nachricht ist, dass einer der Köpfe des internationalen Terrorismus, der so vielen Menschen auch schon das Leben gekostet hat, gefasst, also getötet wurde. Und damit auch nicht mehr weiter tätig sein kann. Und das ist das, was jetzt für mich zählt. Und deshalb habe ich auch meinen Respekt für dieses Gelingen dem amerikanischen Präsidenten mitgeteilt. Und das war mir auch ein Bedürfnis.")
 
Der amtierende libanesische Regierungschef Saad Hariri zeigte sich ebenfalls zufrieden. „Jeder Mörder verdient ein solches Schicksal“. Ja, aber nach einem Prozess. Der Zweck heiligt nicht alle Mittel. Wenn die Amerikaner das meinen, müssten sie zur Rechenschaft gezogen werden. Doch offenbar sind alle von den USA so eingeschüchtert, dass sie Angst haben müssen, von unbemannten Drohnen aus bombardiert zu werden, wenn sie sich nicht unterordnen und Kritik zu äussern wagen.
 
Unsere Schweizer Aussenmisterin Micheline Calmy-Rey, der ich mehr Sinn für Neutralität zutraute, hätte wohl gescheiter geschwiegen als mit Bezug auf den Kopfverlust einer terroristischen Organisation von „einer guten Neuigkeit“ zu schwafeln, wie das übrigens auch die Staatschefs anderer Länder auch taten und sich locker über das Völkerrecht hinwegsetzten. Was sind denn das für neue Bräuche! Die Schweiz befürworte konkrete Aktionen gegen den internationalen Terrorismus, fügte die CH-Bundespräsidentin bei. Offenbar gehört das Morden dazu. Diesmal bin ich als Atheist mit „Rom“ einverstanden: „Ein Christ sollte niemals den Tod eines Menschen begrüssen”, sagt Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Auch Theologieprofessor Hubertus Lutterbach ist über die öffentliche Freude vor allem in den USA irritiert: „Ich finde es sehr befremdlich, dass eine stark christlich geprägte Kultur sich so etwas zu eigen macht. Ich halte das einer aufgeklärten Gesellschaft für unwürdig.”
 
Dass in den USA über die Nachricht von der angeblichen Erschiessung bin Ladens Jubel und Partystimmungen ausbrachen, passt ins Bild des dortigen kulturennen Tiefstands, der Kultur der Angst: eine unausweichliche Folge des eigenen Verhaltens jenseits von Recht und Gerechtigkeit.
 
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