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BLOG vom 11.05.2011


Neue Schatztruhe in Biberstein: Reservoir fürs Quellwasser
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Das Quellwasser von Biberstein AG (Bezirk Aarau) müsste vergoldet werden, wenn das einen Sinn ergäbe. Doch kann man es wohl kaum noch verbessern. Manchmal habe ich das Gefühl, unser Wasser habe nichts mit dem Regen zu tun, sondern die südliche Falte unseres Jura-Hügelzugs produziere diese Köstlichkeit und gebe sie einfach her, auch in Trockenphasen. Schon Leonardo da Vinci bezeichnete Quellwasser es als das „Blut der Erde“. Unser Quellwasser ist, wie es scheint, ein unerschöpflicher, in den Schrunden und Kammern des brüchigen Juragesteins verborgener Schatz, der uns jederzeit so reichlich zufliesst, dass es auch noch für die Speisung des Dorfbachs, im Volksmund „Brusch“ genannt, reicht. Im wasserbaulichen Sektor spricht man bei solchen Gelegenheiten von „Restwasser“, das man dem Wassergetier als Wohn- und Lebensraum gönnt.
 
Der Raum Buhalde als Wasser-Sammelbecken
In der Buhalde, einem kleinen Quertal des Jura, in das man vom Oberen Dorfplatz in Biberstein einsteigen kann, ist ein kleines Dörfchen vor allem aus handwerklich hergestellten Talot-Häusern (benannt nach der Importfirma von Hans Lyrer sen., welche die hölzernen Fertigelemente aus Österreich importierte) entstanden. Diese mit Einfamilienhäusern gefüllte Mulde hat aus der Wasserhypertrophie auch noch 2 Weiher erhalten, bevor das Wasser dann durchs Schlossareal hüpft und im Mainstream Aare seine Individualität aufgibt, nicht ohne vorher noch die 1. Schweizer Biobadi (2000 eingeweiht) gespeist zu haben, versteht sich. Wenn man weiss, dass das Bibersteiner Quellwasser früher von Aarauer Ärzten zu Heilzwecken empfohlen wurde, darf man sagen, dass dort in Heilwasser gebadet wird. Aber da wir keine Kirche im Dörfchen haben, können war das nicht an die grosse Glocke hängen.
 
So grosszügig die Quelle ist (sie liefert 480 bis 3000 l/Minute), die im Gebiet „Im Leimen“ oberhalb der Buhalde gefasst wird, so schwierig ist die Wasserverteilung in der durstigen Gemeinde. Die ist nicht allein wegen des steinigen Untergrunds und der Höhendifferenzen so, sondern wegen des eher ärgerlichen Umstands, dass sich das Wasser selbst im aufstrebenden Biberstein konsequent weigert, aus eigenem Antrieb bergauf zu fliessen, wenn es sich nicht gerade der Kapillarwirkung (wie in den Pflanzen) bedient. Da dies auch in anderen Gegenden der Fall ist, haben findige Menschen die Pumpe erfunden, die einst mit einem von Menschen bewegten Schwengel und später meistens mit Elektrizität betrieben wurde und wird. Damit können die grössten Unterschiede im Niveau gemeistert werden. Auch Biberstein bediente sich dieses Tricks.
 
Die Geschichte der Wasserversorgung
Noch ums Jahr 1900 habe sich die Bibersteiner Wasserversorgung „auf einem wenig entwickelten Niveau“ befunden, schrieb Gemeindeschreiber Stephan Kopp in der Einladung zum Tag der offenen Türen im Rahmen der Jubelfeier „100 Jahre Wasserversorgung“ mit gleichzeitiger Einweihung des neuen Reservoirs auf der Platte (am oberen Ende der Bauzone am Weg zur Gislifluh). Damals bezog die Bevölkerung das Trinkwasser aus 17 gefassten und 2 ungefassten Quellen sowie 3 Sodbrunnen. Dieser versorgerische Zustand war unbefriedigend, von Beschaffungsmühen begleitet, und musste auf eine höhere Stufe gehievt werden.
 
Genau darum bemühten sich vor 100 Jahren wasserliebende Bibersteiner. Sie hatten sich zu verschiedenen Brunnen- und Wassergenossenschaften vereinigt, um den Aufbau von Versorgungsanlagen in den verschiedenen Quartieren (Oberdorf, Ihegi und Schoss im Dorfzentrum) der kleinen Gemeinde zu bewerkstelligen. In ihren Gemarkungen gab es damals (laut dem „Geographischen Lexikon der Schweiz“, 1902 bei den Gebrüdern Attinger in Neuenburg erschienen) 82 Häuser, wovon die Hälfte im Dorfzentrum. In ihnen lebten total 366 Einwohner, wenn sie nicht gerade Ackerbau, Vieh- oder Obstbaumzucht, Weinbau oder Fischerei betrieben oder in Fabriken der Umgebung wie in Aarau ihr spärliches Einkommen verdienten. Wasser musste in grösserer Menge her; bei der sonnigen Südlage ist die Austrocknungsgefahr gross. Und das reichlich vorhandene Aarewasser fliesst dort unten, wo die Sohle des Jurasüdfusses ist. Wahrscheinlich trank man es gescheiter nicht.
 
Die alten Bibersteiner erinnerten sich an die überlieferte Erkenntnis, wonach Einigkeit stark macht: 1907 gelang es den Wassergenossenschaften zusammen mit der Anstalt Schloss Biberstein, die Gemeindebehörde und die Gemeinde überhaupt für ein umfassendes Projekt zu begeistern, obschon hohe Kosten bis 50 000 CHF veranschlagt waren. Im Jahr 1910 war die Wasserversorgung bereits grösstenteils fertiggestellt. Die Einweihung des Reservoirs auf 437 m ü. M. (auf der Platte), der Wasserleitungen und der Hydranten erfolgte 1911 zusammen mit einem Jugendfest.
 
Reservoir eingeweiht
Gemeinderat Martin Hächler, dem das Bauwesen anvertraut ist, gab bei der Festrede 100 Jahre später, am 07.05.2011, seiner Bewunderung der Leistungsfähigkeit der alten Bibersteiner Ausdruck, die mit Pickel und Schaufel ein so grosses Werk schufen. Von der Quellfassung „Im Leimen“, die von einem romantischen Wald mit viel Fallholz umrahmt ist, fliesst das Wasser mit Hilfe der Schwerkraft zum Reservoir Platte. Da aber die Druckverhältnisse vielerorts zu wünschen übrig liessen, musste weiter oben im Jura, wo einst ein Exerzierplatz war, auf etwa 512 m ü. M. ein weiteres Reservoir zur Speisung der Hochzone gebaut werden (1972). Das Wasser wird von der „Platte“ dort hinauf gepumpt, einem Pumpspeicherwerk nicht unähnlich. Das Hochzonen-Reservoir schluckt 400 m3 Brauchwasser und 250 m3 Löschwasser, das in Reserve gehalten wird. Die noch nicht globalisierte und privatisierte Bibersteiner Wasserversorgung wird als öffentlicher Eigenwirtschaftsbetrieb geführt und liefert das köstliche Getränk für 0,18 Rappen pro Liter frei Haus (Kubikpreis: 1,8 CHF), etwa zu einem Fünfhundertstel bis einem Tausendstel des Preises von abgefülltem Mineralwasser. Biberstein-Besucher können es an den Dorfbrunnen gratis schlucken oder in mitgebrachte Behälter abfüllen.
 
Seit Mitte Mai 2010 wurde nun das alte, untere Reservoir entfernt und durch ein neues ersetzt. Wahrscheinlich ist es auch dem Bibersteiner Brunnenmeister Alfred Zobrist, der jeden Wasserhahn in der Gemeinde auswendig kennt, zu danken, dass die Wasserversorgung während der ganzen Bauzeit ohne Unterbruch funktionierte und somit kein einziger der heute rund 1420 Einwohner verdurstet ist. Der Brunnenmeister erhielt eine Flasche klares, wahrscheinlich gebranntes Wasser und gab an jenem warmen Samstagvormittag das Versprechen ab, nicht alles aufs Mal zu trinken. „Du chasch mache, wie d’wotsch“ (Du kannst es halten wie Du willst), sagte Martin Hächler, persönliche Freiheiten hochhaltend, der 2007 zum schönsten Bauer der Schweiz erkoren wurde; diese Auszeichnung könnte u. a. auch auf die Körperpflege mit dem Bibersteiner Heilwasser zurückzuführen sein.
 
Zusammen mit dem Reservoir-Neubau wurde auch die über 30-jährige Fernsteuerung der Wasserversorgung ersetzt, da Ersatzteile nicht mehr erhältlich und Aufzeichnungen und Überwachungsfunktionen nur noch eingeschränkt gelungen sind. Alte Anlagenteile wurden an Küttigen verschenkt, die sich Grundwasser aus dem Suhren- und Aaretal begnügen. Sie haben unser Mitgefühl.
 
Die interessierten Bibersteiner Bewohner konnten das neue Reservoir ansehen, das von aussen eine dem Gelände angepasste Zeltform und neben dem vorgelagerten Schieberhaus 2 gleiche Kammern mit einem Inhalt von je 150 m3 Heilwasser besitzt. Der Neubau ist bereits seit Ende März 2011 in Betrieb. Durch ein Glasfenster kann man, ist man einmal ins Innere vorgedrungen, einen Blick in einen Wasserbehälter werfen. Das Wasser ist so klar, dass man es eigentlich gar nicht sieht.
 
Die UV-Bestrahlungsanlage
Das Amt für Verbraucherschutz (AVS) im Aargauer Departement Gesundheit und Soziales, Abteilung Lebensmittelkontrolle, traut dem hervorragenden Jura-Quellwasser nicht so ganz über Weg, weil wegen unterschiedlicher Sicker- und Fliesszeiten die chemische und mikrobiologische Zusammensetzung starken Schwankungen unterworfen ist. Solche Schwankungen von Karstquellen ergeben sich daraus, dass durch die Verwitterung des Juragesteins über Jahrtausende eindrückliche, kilometerweit reichende unterirdische Höhlensysteme entstanden sind, die durch Risse und Klüfte miteinander verbunden sind, woraus sich eine komplexe Fliessdynamik des Wassers ergibt.
 
In einem Brief an den Gemeinderat von der AVS-Sektionsleiterin Irina Nüesch vom 27.03.2009 aus Aarau heisst es dazu im Weiteren: „Relativ geringer Schutz vor Verunreinigungen durch rasch versickerndes, ungenügend filtriertes Oberflächenwasser. Bei starken Niederschlägen trotz Schutzzonenmassnahmen häufig hygienische Beeinträchtigung der Wasserqualität.“ Daraus ergibt sich ein Zwang zu umfassenden Schutzzonen-Massnahmen, insbesondere für die Landwirtschaft, wie etwa das Verbot von Trazinen (Pflanzenschutzmitteln wie Atrazin) und Mist, Gülle usf. Solche Schutzmassnahmen wurden in Biberstein ständig ausgeweitet.
 
Im erwähnten, von Sachkunde geprägten Brief wird darauf hingewiesen, dass die Quelle im Leimen bei den mikrobiologischen Kontrollen vom Januar 2003 bis Januar 2009 „mit wenigen Ausnahmen eine unproblematische Rohwasserqualität“ aufgewiesen habe. Doch kaum hatte ich beim Gemeinderat Biberstein (am 28.05.2008) im Rahmen einer Stellungnahme zum neuen Gemeinde-Leitbild dahingehen interveniert, die UV-Anlage sei wenn immer möglich abzustellen, fiel die mikrobiologische Rohwasserqualität wieder ab. Im Bericht aus Aarau heisst es: „Bei der Probenahme am 16.09.2008 (Auftrag Nr. 08-2441) und am 21.01.2009 (Auftrag Nr. 08-3198) war die mikrobiologische Rohwasserqualität unbefriedigend“, und im gleichen Atemzug wurde für die UV-Bestrahlung Reklame gemacht: „Auch eine Keimbelastung wie an den letzten beiden Kontrolltagen wird durch die UV-Anlage zuverlässig behoben.“ Falls ich mit meiner Intervention die Verkeimung des Trinkwassers ausgelöst habe, möchte ich mich in aller Form entschuldigen ...
 
Jedenfalls wird die Sicherheitsdesinfektion unverdrossen weitergeführt, eine Vergrösserung der Quellschutzzonen wird von der kantonalen Instanz aber nicht als nötig erachtet (der Kanton ist Besitzer eines Teils dieses Gebiets in der Juraweide, das er zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet hat). Dazu steht im AVS-Brief nur Grundsätzliches: „Grundsätzlich gilt natürlich: Je weniger Hofdünger im Zuströmgebiet der Leimenquelle ausgebracht wird und je besser der Zustand der Abwasserleitungen ist, desto besser für die Trinkwasserversorgung. Eine Vergrösserung der Quellschutzzonen würde nach unseren Kenntnissen und Erfahrungen die Wasserqualität der Quelle im Leimen aber nicht soweit verbessern, dass die UV-Anlage weggelassen werden könnte. Es bestünde trotz Schutzzonenerweiterung ein erhebliches Risiko, dass bei Schneeschmelze, in Regenperioden und nach Gewitterregen Krankheitskeime in die Trinkwasserversorgung gelangen.“
 
Interpretiert man diese Ausführungen, heisst das, dass wegen der Existenz einer UV-Anlage, die ja auch beschäftigt sein will, die Schutzzone nicht erweitert wird; dabei müsste der präventive Schutz des Trinkwassers doch über allem stehen. Und natürlich gibt es kein Null-Risiko, wie wir im Zusammenhang mit Fukushima immer wieder zu hören bekamen. Die Frage ist beim Umgang mit dem lebendigen Lebenselement Wasser nur, ob der Schaden durch ein paar Eschierichia coli und Enterokokken einer- oder durch die UV-Betrahlung anderseits grösser sei.
 
Die erwünschten und die verpönten Bakterien
E. coli sind ein Bestandteil der normalen Darmflora von warmblütigen Tieren und Menschen, wo sie sich segensreich auswirken, indem sie durch schnelle Teilung die Ausbreitung schädlicher Mikroorganismen verhindern. Man müsste sie also erfinden, wenn es sie nicht von Natur aus gäbe. Und die Enterokokken aus der ehrenwerten Familie der Milchsäurebakterien sind ebenfalls normale und erwünschte Darmbewohner des Menschen und von Tieren. Sie verbessern das Verdauungssystem und werden im Rahmen von probiotischen Lebensmitteln genau zu diesem Zweck eingesetzt. In Spitälern hat sich unter den verschiedenen Enterokokken-Stämmen vor allem wegen des überbordeten Antibiotika-Einsatzes allerdings eine negative Auslese von den Enterokokken faecalis-Stämmen ergeben, was aber ausserhalb der Krankenhäuser keine Rolle spielt, abgesehen von „Spitalkäfern“, die man nach Hause verschleppt hat.
 
Dann bleiben noch Salmonellen und Campylobacter als mögliche Inhaltsstoffe, die man aus vielen anderen Quellen in grösserer Menge beziehen kann, wie etwa aus unsaubere Küchen und Lebensmitteln. Grundsätzlich ist der Mensch in einen riesigen Mikroorganismen-Zirkus eingebunden, mit dem er in der Regel problemlos fertig wird und von dem er auch profitiert. Es ist unmöglich, den ganzen Lebensraum durch Sicherheitsdesinfektionen zu sterilisieren; dann wäre es selbst um den Menschen geschehen. Wird die Bakterienwelt etwa bei Organ- oder Rückenmarktransplantationen drastisch eingeschränkt, funktioniert das körpereigene Abwehrsystem nicht mehr richtig. Wahrscheinlich haben wir uns heute schon zu sehr der Sterilität angenähert, was zu einem schwachen und entsprechend anfälligen Immunsystem führt und vielen Krankheiten Vorschub leistet. Wie sich dazu das Amt für Verbraucherschutz stellt, weiss ich nicht.
 
Das beschossene Wasser
Jedenfalls habe ich denn die Aquafides-UV-Anlage im neuen Reservoir mit wenig Begeisterung angeschaut – ein graues Rohr mit 4 Anschlüssen, ein Durchflussgerät, das alle Mikroorganismen mit der tödlichen Dosis UV-Strahlen versieht. Dabei bleibt das Wasser trinkbar und chemisch unverändert, aber es ist gleichwohl nicht mehr dasselbe. Der Biophotonenforscher Fritz Albert Popp hat im Dezember 2003 erstmals nachweisen können, dass die UV-Bestrahlung das Quellwasser entscheidend verschlechtert. Die Beeinträchtigung der Wasserqualität geschieht im physikalisch-biologischen Energie-Informationssystem des Wassers, das noch wenig erforscht ist – noch heute sind viele Wasser-Eigenschaften kaum bekannt. Das Wasser auf H2O zurückzuführen, wäre sträflich vereinfachend.
 
Zweifellos gibt es Wasserverunreinigungen, die eine Ultraviolett-Bestrahlung als angezeigt erscheinen lassen (sogar mit Hilfe einer Kunststoffflasche, die man 24 Stunden an die Sonne stellt, kann man keimfreies Wasser erzeugen (siehe Blog vom 03.05.2011: Zur Pensionierung von Katastrophenhilfe-Chef Toni Frisch). So wurde beispielsweise dieser Tage das Trinkwasser von Schinznach Dorf AG verseucht, weil ein Bauer trotz der anhaltenden Trockenheit Gülle (Jauche) ausgebracht hatte. Es war geschmacklich ungeniessbar; doch bestand laut den Aussagen der Fachleute selbst in diesem gravierenden Fall „keine akute Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung“.
 
Dabei fragt man sich dann schon, wo denn die Verhältnismässigkeiten geblieben sind (siehe dazu auch das Schweine- und Vogelgrippetheater). Einerseits wird kein einziges Bakterium im Wasser, das ja auch in die Ökologie integriert ist, toleriert, so dass überall bestrahlt werden muss, und anderseits sind plötzlich wieder gravierende Verschmutzungen gesundheitlich unproblematisch.
 
Die Null-Toleranz
Als ich das UV-Rohr im neuen Reservoir auf der Platte anschaute, war zufällig auch Gemeindeammann Peter Frei dort, einer der renommierten Schweizer Architekten. Er kennt meine Aversion gegen Lebensmittel-zerstörende Eingriffe, gegen Massnahmen also, welche aus einem übersteigerten Sicherheitsdenken heraus getroffen werden. Und wenn ich ihn richtig interpretiere, hegt er ähnliche Gefühle. Er sagte, dass bei der Eindämmung der gnadenlosen Bakterienjagd eine einzelne Gemeinde dem Kanton gegenüber machtlos sei, so lange die Devise Null-Toleranz lautet – kein einziges Bakterium wird toleriert.
 
Die Null-Toleranz-Strategie stammt aus der US-Kriminalprävention. Damit lässt sich das unbehagliche Gefühl, das Recht könnte auf der anderen Seite sein, bodigen. Sie ist also ein einfaches Machtmittel. Stattdessen müsste die Toleranzgrenze ungefähr dort sein, wo eine wirkliche Gefährdung beginnt. Denn seit Paracelsus hat sich herumgesprochen, dass alles eine Frage der Dosis ist, weshalb das Null-Risiko ein Unsinn ist und zu verzerrenden Fehlmassnahmen führt, weshalb man von einem Null-Risiko-Fehler spricht (Zero-Risk-Bias): Um ein Risiko vollkommen zu eliminieren, nimmt man andere Schäden in Kauf.
 
Durch den Bibersteiner Wald im Oberen Berg
So sei halt das Bibersteiner Wassersystem doch mit einem Haken versehen worden, dachte ich auf der Wanderung zum Hochzonen-Reservoir „Exerzierplatz“ nordöstlich der Feuerstelle. Dessen Tür war ebenfalls offen, die Wasserkammern aber blieben hermetisch abgeschlossen. Der weitere Rundgang am Bereich der Bibersteiner Wasserversorgung führte auf dem Waldlehrpfad des örtlichen Natur- und Vogelschutzvereins NVV an einem Mammutbaum, an Aspen, Waldbirnen, Mehlbeeren, Robinien und Fichten vorbei, ein forstliches Multikulti.
 
Und dann stattete ich noch der Quellfassung im Leimen ehrenhalber einen Besuch ab. Man sieht bloss eine grosse runde Röhre, die mit einem gewölbten, am Rande abgerundeten Metalldeckel verschlossen ist. Der vitale, etwas verfichtete Wald darum herum macht gerade auf Naturverjüngung.
 
An den Wald, in dem die Fassung ist, grenzt südlich (unten) eine wunderschön blühende, magere Wiese mit vielen blau-violetten Blüten der Feld-Witwenblume an, die auf die kolline Stufe (Hügellandstufe) hinweisen. Am unteren Wiesenrand sprudelt das nicht zu Trink- und anderen Zwecken in die Reservoire geleitete, überschüssige, beste Trinkwasser aus einer quadratischen Öffnung hervor, und das ist genau der Anfang des Bruschs (des Dorfbachs).
 
Ich folgte diesem Tuffstein erzeugenden Gewässer bis hinunter zur Biobadi, um dort den Gutschein für eine Grillbratwurst, Brot und ein Appenzeller Bier einzulösen und den ausgefüllten Wettbewerbsbogen abzugeben. So müssen wir Bibersteiner wissen, dass in unserer Gemeinde 98 Hydranten herumstehen (einer pro 14 Einwohner) und das gesamte Wasserleitungsnetz 11 509.7 m lang ist. Als Preise winken befristete Gratiswasserbezüge.
*
Bibersteiner zu sein, ist also eine anspruchsvolle Sache. Das gewisse Bakterien-Defizit, unter dem wir leiden und das wir mit Fassung tragen, wird durch das noch immer ausgezeichnete Wasser kompensiert. Der chinesische Philosoph Lao Tse wusste, dass Wasser zwar nachgibt, aber auch das Härteste bezwingt.
 
Ob auch die UV-Anlage darunter fällt?
 
Hinweis auf weitere Blogs über das Bibersteiner Wasser
29.08.2006: Brunegg: Langsam essen, Wasser trinken nicht vergessen
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