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BLOG vom 21.05.2011


Erdbeeren, Rahm und Quark: So wurde ein Kuchen gerettet
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Von einer Bekannten erhielt ich vor einigen Wochen ein Rezept für einen „schnellen“ Kuchen, der zwischen 15 bis 20 Minuten hervorgezaubert werden kann. Sie bereitet immer einen solchen Kuchen zu, wenn sich Besuch unerwartet angekündigt hat. Dann fliegen in der Küche im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen. Sie mischt alles schnell zusammen und bringt die köstliche Füllung auf einen Biskuitboden. Sie erntet dann immer ein Lob für den so schönen Kuchen. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Besucher nach dem Verzehr dachte: „Die Gastgeberin hat sich so viel Mühe gegeben, um uns mit Kuchen zu verwöhnen.“
 
Ein Rezept für einen schnellen Kuchen nützt jedoch wenig, wenn man die Zutaten nicht vorrätig hat. Dann muss man schnell in eine Bäckerei sausen, um einen Biskuitboden zu kaufen und die andren Zutaten in einem Lebensmittelgeschäft besorgen. Was tut man, wenn die Geschäfte schon geschlossen sind? Dann ist es Essig mit dem schnellen Kuchen. Die unangemeldeten Besucher müssen dann mit trockenem Brot, mit einem Kaiserschmarrn oder Pfannkuchen vorlieb nehmen (Eier, Mehl, Milch dürften wohl in jedem Haushalt vorrätig sein).
 
Als meine Bekannte dann noch behauptete, ihr Kuchen schmecke sehr gut, wurde ich hellhörig. Warum sollte ich das Rezept nicht ausprobieren? Sie gab mir das Rezept nicht schriftlich, sondern mündlich, da sie die Zutaten wechselt, zudem ist die Bereitung so leicht durchzuführen, dass sogar ein Laie im Backen den schnellsten Kuchen aller Zeiten herstellen kann. Ich bin neugierig, ob auch ein Leser oder Blogger dies einmal ausprobieren wird.
 
Hier das Rezept
Zutaten: 1 Biskuitboden (gekauft oder selbst hergestellt), 500 g 40-%igen Speisequark, 500 g nicht zerkleinerte Früchte bzw. Beeren (z. B. Blaubeeren, Bananen, Aprikosen, Pfirsiche, Mandarinen, Erdbeeren, Fruchtmix), 200 g 30-%igen Rahm (Sahne), 2 Päckchen Sahnesteif (aus Traubenzucker und modifizierter Stärke, Alternativen: Agar-Agar oder Gelatine), Vanillezucker, Zucker nach Belieben.
 
Zubereitung: Den Biskuitboden in eine Backform (26 cm im Durchmesser) drücken. Die Beeren bzw. Früchte in eine Schüssel geben, mit dem Quark und etwas Zucker vermischen, steif geschlagene Sahne (mit Sahnesteif und Vanillezucker) einrühren und die Mischung auf den Biskuitboden verteilen. Dann ab in den Kühlschrank, wo er einige Stunden verbleiben sollte. Dann ist die Füllung fest.
 
So rettete ich den Erdbeerkuchen
Es ist wieder Erdbeerzeit. Die köstlichen Früchte wollte ich unbedingt am 15.05.2011 zu einem schnellen Kuchen verarbeiten. Da erlebte ich eine böse Überraschung: Ich nahm zum Kuchen nicht die ganzen Beeren, sondern pürierte sie (meine Enkelin Melina half mir beim Mischen). Da sah ich erst, wie viel Flüssigkeit in solchen Beeren steckt. Voller Tatendrang fügte ich die weiteren Bestandteile hinzu. Dann stellte ich den Kuchen samt Backform in den Kühlschrank. Eine Backform verwende ich übrigens auch für einen Obstkuchen, dann läuft der Pudding und der flüssige Tortenguss nicht herunter auf den Tisch.
 
Nach einigen Stunden machte ich die Steifigkeitsprobe der Füllung. Aber, oh Schreck, die Masse war immer noch weich. Paula schlug vor, den Kuchen doch in die Tiefkühltruhe zu stellen, da würde er sicher fest werden. Das tat ich auch. Nach 2 Stunden sah ich nach, und die Füllung war immer noch nicht steif, sondern halbfest. Ich wollte ja so schnell wie möglich ein Stück des Kuchens probieren. Meine Tochter Daniela kam extra vorbei, um den halben Kuchen (die andere Hälfte wollten wir verzehren) abzuholen. Sie war etwas enttäuscht, da das sonntägliche Kuchenessen ausfiel. Aber sie meinte, der Kuchen werde am Montag sicherlich fest werden und dann auch gut schmecken. Aber solange wollte ich nicht warten.
 
Als ehemaliger Arzneimittelanalytiker war ich mit Flüssigkeiten, festen Formen (Tabletten) und Gelatine-Lösungen vertraut. Kein Wunder, dass ich auf eine glänzende Idee kam (darauf wären sicherlich auch Leser und Blogger gekommen, oder?). Ich dachte mir, die Füllung werde ich aus der Form herausnehmen und diese mit Gelatine verrühren. Gedacht, getan. Ich wollte mich nicht blamieren, zumal mir bei der Kuchenproduktion bisher das Glück hold war und ich noch nie mit einem Fehlversuche konfrontiert wurde.
 
Zum Glück fand ich im Vorratsschrank noch eine angebrochene Packung Blatt-Gelatine. Ich brachte 6 klein geschnittene Gelatine-Blätter mit etwas Wasser zusammen. Nach einer 5-minütigen Einweichzeit erwärmte ich die gequollene Gelatine und löste sie auf. Laut Angaben auf der Verpackung sollte man bei kalten Speisen die Füllung in die Gelatine-Lösung hineinrühren, niemals umgekehrt. Sonst gibt es Gelatine-Klumpen.
 
Ich bereitete die Gelatine-Lösung, wie beschrieben, vor, dann fügte ich die mit einem Löffel herausgehobene Früchtemischung hinzu, rührte immer kräftig mit einem Holzlöffel um. Dann wurde die so malträtierte Füllung wieder auf den Biskuitboden verteilt. Durch leichtes Rütteln wurde die Füllung gleichmässig verteilt. Dann ging es ab in den Kühlschrank. Nach 2 Stunden kam das grosse Aufatmen: Die Füllung war fest und der Kuchen gerettet.
 
Zur Verzierung legte ich dann noch halbe Erdbeerenstücke am äussersten Rand des Kuchens auf. Dann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich schnitt ein Stück aus dem Kuchen heraus und verzehrte dieses mit Genuss. Es war eine Köstlichkeit.
 
Ich schmunzelte über das Missgeschick, tröstete mich mit dem geretteten Kuchen und dachte an den Spruch aus Russland: „Ohne dass ihm mal was schief ging, ist nie einer Meister geworden.“
 
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