Textatelier
BLOG vom: 23.05.2011

Dunkle Dünkel: Auswahl frisch geprägter Aphorismen

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
 
Besser Dreck unter den Nägeln als am Stecken.
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Dem Alter gebührt Respekt. Dieser hat sich in der westlichen Welt weitgehend verflüchtigt.
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In der Messe erscheint der Priester im Ornat. Erschiene er schlicht gekleidet, bliebe er unbeachtet. Die Obrigkeit wird mit Uniformen unterstrichen, damit sie wirkt, sei es als Offizier oder Polizist.
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Gewiss beruhen viele Fehlurteile auf einen Mangel an Intelligenz. Aber sie können auch zur Irreführung gerissen inszeniert werden.
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Einzig einer Fliege wegen konnte er nicht klar denken …
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Ein Kniff: Wer sich abstrakt und unverständlich ausdrückt, wird oft als klug eingestuft.
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Der Pessimist hält bei schönstem Wetter nach Wolken Ausschau.
Dem Optimisten scheint die Sonne durch Wolken.
Der Realist erfreut sich der Sonnendurchblicke.
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Wer sich beherrscht, herrscht.
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Im Dunklem wie im Dünkel tappt der Mensch blindlings.
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Wie schön das Leben war, als ich noch Kniesocken trug.
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Zu jung, versteht man wenig. Zu alt, noch weniger.
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Vergegenwärtigen ist der Faden des Denkens.
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Vernunft in der Welt ist machtlos. Wer sie deswegen aufgibt, verliert den letzten Halm der Hoffnung.
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Wonnig plustern die Vögel ihre Federn im Sand- oder Wasserbad. Da ich keine Federn habe, brauche ich dazu frohe Gedanken.
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Wer hastig liest, verdaut nichts. Desgleichen, wer im Text kleben bleibt.
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Man muss in Städte und Landschaften eindringen, um die Häuser mit ihren Ziegeln, Kaminen und ihren Bewohner zu erkennen; erst in der Landschaft erkennt man die Bäume und die Pflanzen, die Käfer und die Ameisen. Anders gesagt: Die Beobachtungsgabe wird in nächster Nähe geschult.
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Heitere Lektüre. Lese ich im Garten ein Buch, dessen Seiten von der Sonne bestrahlt werden, und lasse ich meine Blicke schweifen, erscheinen mir weisse Rosenblüten rosa angehaucht, und das Blattgrün wird heller.
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Da flog ein Vogel mit einem grossen Brocken im Schnabel und wurde gierig von seiner Verwandtschaft verfolgt. Der Brocken wechselte von Schnabel zu Schnabel und zerbröckelte. Ein kleiner Vogel ganz allein pickte die Brosamen.
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Im Reich des Möglichen werden zu viele Kräfte vergeudet.
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Ist die Weltanschauung in Ordnung, indem man sie in Kategorien nach philosophischer Manier ordnet? Ich sammle meine zum bunten Strauss aus Wiesenblumen.
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Vieles bleibt am besten verschwiegen. Lichtet sich der Nebel, enthüllt sich das Verschwiegene von selbst.
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Der Augenzeuge erfasst nur das, was er äusserlich sieht. Das Unsichtbare kann nur innerlich erkannt werden. Beides vereint, verhindert oder mindert zumindest Trugschlüsse.
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Wie gern Leute über Dinge disputieren, worüber sie keine Ahnung haben. Die Eitelkeit treibt sie dazu.
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Im Leben der Menschen, wie in der Natur, ist ein stetes Kommen und Gehen – Fortschritte und Rückschritte lösen einander ab. Daraus ableitbar: Stillstand.
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Selbst das Pflichtenheft verpflichtet zu nichts.
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Ruhe lockt das Glücksgefühl herbei – und Stille vertieft es. Aber ein solches Glücksgefühl wird durch Bewegung erneuert.
 
 
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