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BLOG vom 27.06.2011


Blog-Reaktionen (110): Flüchtig, genau wie die Pusteblumen
Präsentation der Leserpost: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Diese Zeit des verkürzten Denkens und Handelns, die sich vor allem dem Firlefanz zuwendet, ist für unüberlegte Schnellschüsse extrem anfällig. Die Medien, für viele Leute die einzigen Objekte zur (Ver-)Bildung, haben sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von ihrem Auftrag, möglichst unverzerrte Informationen zur Entscheidungsfindung zu liefern, verabschiedet und sind weitgehend auf die Quotengeilheit heruntergekommen, eine gravierende und verhängnisvolle neoliberale Psychose.
 
Wenn beispielsweise der neue, seit 2011 tätige Direktor des Schweizer Radios und Fernsehens, Roger de Weck, seine Ankündigung, dass Relevanz und Aufklärung die höchsten Ziele des Schaffens sein sollten, wahrmachen könnte, hätte er bei mir einen Stein im Brett; seine Vorgängerin Ingrid Deltenre betätigte sich als reine Quotenjägerin und wirtschaftete insbesondere das Schweizer Fernsehen SF DRS über weite Strecken auf ein jämmerliches Niveau hinunter, das noch immer nicht überwunden ist. In diesem Sinne ist eine rückläufige Quote, wie die SF DRS im April und Mai 2011 zu verzeichnen hatte, schon ein Kompliment an den neuen Direktor. Er war mir wegen seiner Europa-Kompatibilität zwar noch nie sympathisch, doch bin ich allzeit bereit, meine Ansicht zu modifizieren, wenn er nicht alles dem blöden Quotendruck unterordnet und lieber weniger und intelligentere als viele verdummte Zuschauer hat.
 
Vorkommnisse wie ein Terroranschlag oder eine KKW-Panne, die in mehrheitsfähige politische Programme passen, werden im Allgemeinen medial masslos hochgespielt und setzen labile, auf die nächsten Wahlen statt auf eine intelligente Handlungsweise ausgerichtete Politiker unter Druck, eine Haltung einzunehmen, die zu den kurzsichtigen Konzepten passt. Auch wenn dies dem längerfristigen Wohl eines Lands und dessen Gesellschaft schadet. Ich habe das im Blog vom 09.06.2011Überreaktionen und Schnellschüsse: EHEC und Atomstrom aufzuzeigen versucht und erhielt eine differenzierende Zuschrift von Ursula Rausser (E-Mail: wegwarte@solnet.ch ). Sie stellte diese unter den Titel „Ds Füfi u ds Weggli“:
 
„Leider ist es in der Atomstromfrage, wie auch bei den meisten anderen Dingen im Leben, nicht möglich, alles zu haben. Wir können nicht ,gratis’ aus dem Atomstrom aussteigen. Es werden für Alternativlösungen sicher einige Seen, Hügel, Flüsse etc. ,dranglauben’ müssen. Nur frage ich mich, ob es denn nicht eine Lösung geben könnte, die z. B. einem halben Weggli zum halben Preis entsprechen könnte. Mit typisch schweizerischen Konsenslösungen sind wir seit Jahrzehnten recht gut gefahren.
 
Es ist ja auch noch längst nicht das letzte Wort gesprochen, sondern die Forschung erfährt eine zusätzliche Richtung (auch die Atomstromforschung geht Richtung Kernfusion weiter). Bis vor Fukushima war ich eine überzeugte, jahrelange Pro-AKW-Bürgerin. Ob ein Meinungsumschwung richtig ist, werde ich wahrscheinlich gar nicht mehr erleben.“
 
Italien und der Atomstrom
Ursula Rausser weilt mit ihrem Mann, dem bekannten Fotografen Fernand (Sepp) Rausser, häufig in der Toscana. Und als wache Beobachterin ist ihr auch mein Blog vom 17.06.2011 („Wie das KKW-freie Italien dennoch zum Atomstrom kommt“) aufgefallen. Aus persönlichem Erleben trug sie dazu das Folgende bei, ein Beitrag zum Erhellen des italienischen Lebensstils:
 
„Nebenschauplatz Wasser: Die Besitzverhältnisse in Bezug auf das Wasser in der Toscana haben ein typisch italienisches Durcheinander entstehen lassen: Eigentlich beziehen wir in unserem Ferienhaus Wasser von der Gemeinde (wer immer das auch gerade sein mag). Sicher ist, dass wir seit einigen Jahren keine Wassersteuern bezahlen dürfen/können. Weil durch den mehrmaligen Besitzerwechsel der Wasser-Infrastruktur unsere Adresse (und die des Nachbars, der mit uns zusammengeschaltet ist) ganz einfach verloren ging. Alle bisherigen Bemühungen, das zu korrigieren, sind misslungen, sogar Einsätze von Einheimischen fruchteten nichts.
 
Folge: Eines Tages, mitten im Sommer, wir waren mit Freunden dort, versiegte das Wasser. Nichts ging mehr. Die Küche, das Bad, die Toilette ‒ alles trocken! Auch beim Nachbarn. Umfangreiche Abklärungen ergaben, dass auf einer Strasse auf Gemeindegebiet unsere Wasserleitung ein Leck hatte und etwas Wasser auf eine kleine Strasse lief. Reparatur auf Italienisch: Oberhalb des Lecks wurde ein Wasserhahn eingebaut und abgestellt. Niemand wusste ja wegen der verlorenen Adressen, dass weiter unten Leute wohnen und auf Wasser angewiesen sind. Wir wollten schon frühzeitig abreisen, als sich der Sanitärinstallateur (Hidraulico) der Nachbarn erbarmte und das Leck auf unsere Kosten aufwendig reparierte, damit er den eingebauten Wasserhahn wieder öffnen konnte ... Das sind alltägliche Probleme im schönen Italien, Silvio Berlusconi und Atomstrom hin oder her.“
 
Fussfachtagung in Burgdorf BE/CH
Vieles ist zum Davonlaufen. Unsere Füsse sind gefordert. In 3 ausführlichen Blogs, zum Beispiel am 12.06.2011 („Fusstagung Burgdorf (3): Krämpfe, Migräne und Schüttelbein“), berichtete Heinz Scholz über den für Fusspfleger und die Füsse wichtigen Anlass in Burgdorf. Dazu erreichte die folgende Zuschrift von Andreas Schmidt, Podologe und zertifizierter Ausbildungsleiter in der Privatklinik Oschatz in Sachsen, den Autor Scholz:
 
Hallo Herr Scholz
Ich habe mir natürlich ihre Beiträge (über die Fusstagung in Burgdorf) näher betrachtet, und muss sagen, dass sie sehr gut gelungen und sehr aussagekräftig sind.
 
Von der Fussfachtagung in Burgdorf (Schweiz) war ich sehr begeistert und angetan, auch vom malerischen und ruhigen Ort. Im Ort Burgdorf gibt es sehr schöne und kleine Strassen mit vielen wunderschönen Häusern und Parks.
 
Meine Reise nach Burgdorf verlief ohne Probleme. Als ich ankam, wollte ich mir von der dort ansässigen Firma Simon Keller AG zunächst ein Bild machen, da ich zur Fussfachtagung als Referent speziell von Herrn Markus Jampen eingeladen war. Zunächst konnte ich mir von aussen gar nicht vorstellen, dass hinter einer kleinen Fassade die schönsten und modernsten Schulungs- und Ausstellungsräume sind, die ich jemals gesehen hatte. Ja, der Flyer von der Firma Keller versprach nicht zu viel.
 
Da ich als Referent 5 Fachseminare für den Bereich Fusspflege und Podologie gehalten hatte, hatte ich leider nicht die Möglichkeit, mir die ganze Ausstellung anzusehen. Das Publikum war ein sehr interessiertes Fachpublikum. Von ihm wurden viele Fragen zur Problematik Diabetes und spezielle Nagelerkrankungen gestellt. Zudem war die Teilnahme der Fachbesucher an der Fachtagung sehr gross. Es war ein sehr schöner und anstrengender Tag, welcher viel zu schnell zu Ende ging. Die Firma Keller in Burgdorf werde ich auf jeden Fall wieder besuchen.
 
Die Website www.textatelier.com ist eine enorme Fundgrube, und ich blättere gerne immer wieder darin. Schön, dass es so etwas gibt.
 
Die Pusteblume
In Biberstein AG, wo auch das Textatelier.com angesiedelt ist, wohnt auch Wolfgang Klaus Schulze (E-Mail: ws@wolfgangschulze.ch. Der reformierte Theologe verbreitet über seine Webseite www.wolfgangschulze.ch Besinnliches. In seinen „Monatsgedanken zum Juni 2011“ schrieb er:
 
Liebe Lesefreunde
In der Mai-Botschaft habe ich über die „Pusteblume“ geschrieben und nachgefragt, ob jemand bekannte und unbekannte Namen für Löwenzahn kennt. Ich habe die Rückmeldungen zusammengefasst und schicke sie euch gerne zu. Aus dem sehr interessanten Textatelier.com-Artikel über den Löwenzahn von Heinz Scholz (Blog vom 28.04.2011: „Frühjahrskräuter (3): Der Löwenzahn regt den Appetit an“ entnehme ich, dass es gegen 500 Namen für diese wunderbare Blume gibt.“
 
Wolfgang Schulze fügte eine Zusammenstellung der verschiedenen Namen bei, die nicht vollständig sein kann:
 
„Seudätsch“, aus meiner Heimat, dem Schwarzwald.
 
„Chrottepösche" und bei mir „Maifäcke" oder „Söiblueme".
 
In Meiringen im Berner Oberland heisst der Löwenzahn „Siuwschtydeler“.
 
Die Pusteblume ‒ in meiner Kindheit „Säublueme“ genannt ‒ war für mich ein Symbol für Frühling, gelbe Wiesen, Löwenzahnhonig, Sonnenschein, die Fallschirme der einzelnen Fruchtkörper bedeuteten neues Leben. Seit die Pusteblume Symbol auf Trauerkarten ist, hat sie eine andere Bedeutung gewonnen: Abschied, Schmerz.
 
„Tag-und- Nacht-Blueme“, so hat sie mein kleiner Enkel getauft, der sie tausendmal ausgepustet hat ...
 
Der Ausdruck „Pusteblume“ ist in der Schweiz nicht gebräuchlich, dafür „Söiblueme" oder „Schwiiblueme" (Sauenblume), wahrscheinlich, weil sie in überdüngten, Schweinegülle-belasteten Wiesen vorkommt. Sie ist ein „Fettzeiger“ ‒ ein Indikator für stark gedüngte Flächen.
 
„Puggele“ und „Chrottepösche“ nennt man den Löwenzahn im Kanton Zürich, auch „Schwiiblueme“. Im Appenzeller Mittelland wird der Löwenzahn auch „Maienblume“ genannt, wohl weil er auf dieser Höhe meistens im Wonnemonat Mai blüht.
 
Wer's glaubt: Schluckt man die ersten 3 Löwenzahnknospen, die man im Frühjahr findet, soll man das ganze Jahr gesund bleiben.
 
Sei es der Märzenbusch, die Milchblume, die Lausblume oder die Morenwurzel, Löwenzahn bleibt Löwenzahn. Er wird im Bereich Berlin / Brandenburg Butterblume genannt.
 
In meinen Juni-Gedanken geht es um die Pfingstrose. Sie trägt den Namen nach dem griechischen Götterarzt Paeonia, der mit dieser Blume Pluto, den Gott der Unterwelt, nach einer Verletzung geheilt hat. Schon in der Antike wird Paeonia als Heilpflanze für verschiedene Gebrechen verwendet. Ob sie heute noch in der Medizin Verwendung findet, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall hat sie mit ihrer Blüte seit dem Mittelalter eine grosse Symbolkraft und steht für Reichtum, Heil, Heilung und Schönheit. Sie ist die Rose ohne Dornen, die Schongauer im Altargemälde „Maria im Rosenhag“ in der ehemaligen Dominikanerkirche in Colmar dargestellt hat.
 
Ich wünsche allen einen aufmerksamen Sommergenuss
 
Wolfgang Schulze
Unternbergstrasse 36
5023 Biberstein
 
Die Lust am Schreiben
Im Blog vom 20.05.2011 („Schreiben. Die Welt zu lesen und auch zu verstehen suchen“) habe ich über den Besuch von Andrea Marti und Yaiza Rubido im Textatelier.com berichtet, die hier ein Motiv für eine Prüfungsarbeit gefunden haben. Sie kam gut heraus. Die beiden Kantonsschülerinnen schrieben mir später: „Trotz einiger kleiner Fehler fand unser Deutschlehrer die Arbeit gut und bewertete uns mit der Note 5“.
 
Heinz Scholz, ebenfalls ein leidenschaftlicher Schreiber, reagierte auf das Blog so:
 
Lieber Walter,
nun wissen alle, warum Du mit Herzblut und Enthusiasmus schreibst. Die beiden Schülerinnen haben das richtig gesehen. Auch die Beschreibung Deines Heims mit Garten fand ich super. Vielleicht werden die beiden jungen Frauen einmal Journalistinnen, die einen guten Text den Bildern vorziehen. Heute ist es ja so, dass die Bilder in den meisten Zeitschriften einen zu hohen Stellenwert haben. Der Text gerät immer mehr ins Hintertreffen. Die Journalisten brauchen dann nicht mehr ihren Grips zu bemühen, um aufgrund von ausführlichen Recherchen einen guten Text zu verfassen.
 
Hier einige Zitate über das Schreiben, das für viele Befriedigung, Lust und Zufriedenheit bringt. Wichtig ist auch die Dokumentation von Ereignissen, die später einmal grossen Wert erlangen könnten (für Archive, Publikation von Chroniken usw.).
 
Zitate über das Schreiben
„Schreiben ist geschäftiger Müssiggang.“
(Götz zu Elisabeth in Goethes „Götz von Berlichingen“, 4. Akt)
 
„Schreibe, wie Du redest, so schreibst Du schön.“
(G. E. Lessing, Brief an seine Schwester)
 
„Schreibe mit Blut; und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist."
(Nietzsche: „Also sprach Zarathustra“: Vom Lesen und Schreiben)
 
Dann fand ich noch ein Zitat über Schriftsteller. Dieses Zitat passt besonders in unserer Zeit (es ist auch für Journalisten gültig):
 
Eine entsetzliche Mehrheit unserer Schriftsteller schreibt mit verstopften Ohren.“
 
Das wird uns hoffentlich nicht passieren!
 
Herzliche Grüsse
Heinz
 
Das Pillen-Gedicht
Veit Pakulla (Internet: http://gedichtbandlose-lyrik.de) stiess auf einen Evergreen von Heinz Scholz: 11.06.2006: Die Pharmaindustrie jubelt im Land der Pillenschlucker. Seine Reaktion:
 
Hallo,
ich bin gerade auf euren Pillenschlucker-Artikel gestossen und habe ein Gedicht zu dem Thema parat: http://gedichtbandlose-lyrik.de/pillen-alias-tabletten-und-kapseln.
 
Viele Grüsse aus Berlin
Veit Pakulla 
Pillen alias Tabletten und Kapseln
Pillen schwellen Stellen ab,
kippen hohe Viruslast,
harmonisieren hormonelle Raster,
sind Pflaster des unheilen Unsichtbaren;
selten tarierend, auf transzendent erfahren.
 
Keine, wie auch Wirkungen, unerwünscht daneben
dürften an Pillen, wenn genommen, liegen.
Dennoch! Häufig helfen sie!
Helfen stellvertretend oder als Einzige.
 
Rundliche bis längliche Kompaktmedizin,
erst nach der Überwindung, dosiert griffbereit, wem
sie als Wegesrandbrücke als diskrete Krücke dienen,
hin zum Ohne-Gehen. Länger drauf angewiesen?
Hauptsache weniger pulverisiert mit ihnen.*
Die moderne Dichtkunst schreckt, wie man sieht, selbst vor Pillen nicht zurück. Mein eigener Reim darauf: 
Wenn Pillen im Gewölk der Poesie aufleben,
sind sie weniger als beim Schlucken daneben.
 
Hinweis auf die bisher erschienenen „Reaktionen auf Blogs“
15.05.2011: Reaktionen auf Blogs (109): Von der Kalt- und von Windblütigkeit
Ihre Meinung dazu?

 
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