Textatelier
BLOG vom: 23.07.2011

„A separation“ – ein Film aus dem heutigen Teheran

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Nach einer Reihe von poetischen Filmen, worin die Kinder die Hauptrolle spielen, erschien in diesem Jahr 2011 ein neuer preisgekrönter Film, der im modernen Teheran stattfindet: ein Scheidungsdrama, wobei die Tochter Termeh zwischen den Eltern hin und her gerissen wird.
 
Naders Frau Simin will mit der ganzen Familie das Land verlassen, damit ihre Termeh ein besseres Leben gewinne, ausserhalb des heutigen Irans. Doch Nader will nicht und beharrt darauf, seinen vom Altersschwachsinn betroffenen Vater zu pflegen. Simins Scheidungsantrag wird vom Richter abgelehnt. Seine Frau sichert ihm die Pflegedienste einer jungen Frau namens Razieh, deren Verdienst bezweckt, ihr die vielen Kreditoren vom Hals zu halten. Hinter dem Rücken ihres jähzornigen Gatten tritt sie ihre Stelle an, von ihrer kleine Tochter begleitet.
 
Seitdem ich Teheran vor 30 Jahren besucht habe, hat sich die Grossstadt vorteilhaft modernisiert, wenigstens in den vielen neuen Quartieren ausserhalb der Umgebung des Bazars. Auch die Wohnung dieser wohlhabenden Film-Familie ist zeitgemäss eingerichtet.
 
Trotz der dramatischer Umstände ist der Film von Humor und Witz übersprenkelt. Die strenggläubige Pflegerin erhält vom Mullah die Erlaubnis, den „Papa“ von oben bis unten zu waschen. Naders Frau hat inzwischen die Wohnung verlassen, und er muss recht ungelenk den Haushaltspflichten nachkommen. Beflissen hilft er seiner Tochter bei ihren Hausaufgaben.
 
Eines Tages verlässt die Pflegerin anscheinend grundlos das Haus. Nader findet seinen Vater, in sein Zimmer eingesperrt und auf dem Boden liegend. Ähnliche Vorfälle mehren sich. „Papa“ verliess das Haus in einem unbewachten Augenblick. Razieh, die Pflegerin, findet ihn schliesslich vor einem Kiosk an der belebten Strasse. Knapp vor dem Haus wird sie von einem Auto angefahren. Immerhin findet „Papa“ – es ist mir nicht ganz klar wie – sein Zimmer, doch Razieh wird ins Spital eingeliefert. Sie war schwanger und verliert ihr Kind.
 
Zuvor hat Nader die Pflegerin sozusagen aus dem Haus geworfen und u. a. bezichtigt, Geld geklaut zu haben. Er wusste nicht, so gab er vor, dass Razieh schwanger war. Seine Tochter stellt ihn deswegen zur Rede, während er ihr bei der Hausaufgabe hilft. Er muss diesmal die Hausaufgabe erdulden und zugeben, dass er wusste, dass Razieh schwanger war. Im Spital begegnet Nader dem hitzköpfigen Hodjat (Raziehs Gatte). Es kommt zu einer wüsten Schlägerei zwischen den beiden.
 
Hier halte ich inne, um den weiteren Handlungsverlauf dem Zuschauer des Films zu überlassen. Nur noch soviel: Die strenggläubige Razieh weigerte sich im letzten Moment, auf den Koran zu schwören, dass Nader die Missgeburt verursacht hatte, als er sie ins Treppenhaus verdrängte.
 
Wird die Familie nach allen Turbulenzen wieder zusammenfinden?
*
Wer kann nach solchen meisterhaft gestalteten, tiefgründigen Filmen, differenzierten Lebensbildern, noch die vorwiegend miserablen Hollywoodfilme voller Sexszenen, Gewalt, Verbrechen und Sprachschutt goutieren?
 
 
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