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BLOG vom 17.02.2005


Reaktionen auf Blogs (3): WEF, Gekreische, Ich-Form

Präsentation der Leserpost: Walter Hess

Das Blogatelier entwickelt sich allmählich zu einer Art Zeitung im Internet, die sich der Aktualitäten ebenso wie besinnlichen persönlichen Erlebnissen annimmt, die also, über alles genommen, aufrüttelt, zum Nach- und Mitdenken anregt, Wissen vermittelt sowie geistreiche Philosophien und Unterhaltung bietet. „Ihre Blogs sind eine ganz lebendige Sache!“, schrieb mir Dr. Johann Georg Schnitzer, der bekannte Ernährungs- und Gesundheitslehrer aus D-88045-Friedrichshafen am Bodensee.

Auch eine amtliche Reaktion aus meiner Wohngemeinde Biberstein AG (Schweiz) traf ein (zum Blog „Wenn die Gegenwart in Zukunft Vergangenheit sein wird“ vom 10. Februar 2005):

Besten Dank für die Gratulation zum 725-jährigen Bestehen der Gemeinde Biberstein und den interessanten Link. Ich lege den Ausdruck gerne dem hochwohllöblichen Gemeinderat zur Kenntnisnahme in die Akten der nächsten Sitzung.

Mit freundlichen Grüssen

GEMEINDEKANZLEI BIBERSTEIN  

Der Gemeindeschreiber:

gez. Peter Kopp

Die Stammtischrunde der Globalisierer

Aus CH-4410 Liestal erhielt ich von Lislott Pfaff diese E-Mail zu meinem kritischen Bericht über das Wirtschaftsforum 2005 (WEF) vom 1. Februar 2005:

„Die Gedanken oder besser gesagt der Wutausbruch von Walter Hess im Zusammenhang mit dem Davoser WEF 2005 könnten zutreffender nicht sein: Es handelt sich bei diesem alljährlichen Treffen tatsächlich um nichts anderes als um eine „Stammtischrunde der Globalisierer“, wie Hess es prägnant ausdrückte.

Aber weshalb müssen bei dieser ‚geballten Prominenzladung’ (O-Ton Hess) sage und schreibe 5 schweizerische Bundesräte dabei sein? Hätte es nicht gereicht, wenn einfach der Bundespräsident unser Land an dieser Privatveranstaltung von Herrn Klaus Schwab vertreten hätte? Halten sich seine 4 Begleiter − darunter eine Begleiterin − für so prominent, dass Davos unmöglich auf sie verzichten kann? Hut ab vor den Bundesräten Christoph Blocher und Moritz Leuenberger, die es nicht für nötig hielten, die Davoser Stammtischrunde mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Damit beweisen sie Einsicht in die Mechanismen des würdelosen Globalisierungsrummels.

Wie gesagt: 1 Weiblein und 4 Männlein aus Bern wollten unbedingt die Hand des Globalisierers Schwab drücken. Was das wieder kostet ...“

Zur merkwürdigen Ungleichbehandlung der Atommächte kommentierte Heinz Scholz zustimmend:

„Ich habe das sehr informative und aufrüttelnde Blog über Atomwaffen gelesen („Atomgefahr USA“ vom 4. Februar 2005. Ich stimme auch damit überein, dass alle Atommächte ihre Waffen vernichten sollten. Ich bin der Meinung, dass bestimmte Staaten die Waffen als Druckmittel behalten wollen, um eines Tages zuschlagen zu können, um andere zu unterjochen. Aber dann bleibt von dieser Welt nicht mehr viel übrig. Dazu ein weises Zitat von Albert Einstein: ‚Ich weiss nicht, welche Waffen im nächsten Krieg zur Anwendung kommen, wohl aber, welche im übernächsten: Pfeil und Bogen.’

Prof. Dr. Dr. habil Klaus Mylius, Ordentliches Mitglied der Leibniz-Sozietät und der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft, lehrt an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main, betont in einem Artikel in der Zeitschrift "Wochenblatt" vom 2. Februar 2005, dass durch das unselige Verhalten der USA ein 3. Weltkrieg heraufbeschworen werden könnte. Abschliessend meinte er: „Daher müssen wir, die ‚alten Europäer’, den Falken im Weissen Haus und im Pentagon klar machen, dass Weltherrschaftsbestrebungen noch immer gescheitert sind und dass wir imperialistische Aktionen, unter welchen Losungen sie auch daherkommen, niemals unterstützen.“

Es gab oder gibt doch noch Warner, die die Zeichen der Zeit erkannt haben.“

Wie viele Ich dürfen es denn sein?

Auf mein Tagebuchblatt über die „Unsägliche Mühe mit der Ich-Form“ (6. Februar 2005) hat unser Mitblogger Heinz Scholz, D-79650 Schopfheim, spontan mit bemerkenswerten ergänzenden Ausführungen reagiert:

„Es ist gut, dass Du das Thema aufgegriffen hast, da das ‚ich’ verschieden benutzt wird.

In der Vergangenheit wurde auch mir hier und da geraten, doch nicht allzu viele ‚Ich’ in die Arbeiten einzubringen. Deshalb schrieb ich des Öfteren ‚Autor’ (‚Der Autor ist der Meinung...’ oder ‚Auch der Autor hatte ein ähnliches Erlebnis...’). Diese Bezeichnung ist unpersönlich. Manche flüchten in das ‚wir’. So schrieb einst Mark Twain, als er den Schwarzwald besuchte und die vielen Misthaufen sah: ‚Im Schwarzwald wurden wir mit diesem Düngemittel sehr vertraut.’ Dann folgten weitere ‚wir’. Es gab auch Wissenschaftler und Forscher, die sehr bescheiden waren und das Wort ‚ich’ kaum erwähnten. So sagte Robert W. Bunsen in seinen Vorlesungen nie: ‚Ich habe gefunden’, oder ‚ich habe es entdeckt, er sprach immer in solchen Fällen also: ‚Man hat gefunden.’

Beim Briefeschreiben und Ausarbeiten von Publikationen muss man ein gewisses Mass einhalten, denn sonst gilt man als ‚ich-süchtig’ oder als ‚Ich-Mensch’ − und die sollen ja nicht so beliebt sein.“

Soweit der Brief, den ich (!) folgendermassen beantwortete:

„Formulierungen wie ‚Der Autor ist der Meinung’ finde ich ebenfalls schlimm; beim Lesen einer solchen Floskel frage ich mich nämlich, ob denn der Autor die Sache nicht selber geschrieben habe ... Vielleicht hat er einen Ghostwriter, der allerdings mit dieser Formulierung kein grosses Talent offenbaren würde. Denn wenn der Ghostwriter unter dem Namen eines Auftraggebers schreibt, gelten die genau gleichen Ich-Regeln.

Das Wir an die Stelle eines Ich zu setzen, geht auch nicht, wenn man es ganz genau nimmt, da dieses Wir ja eine Mehrzahl (mehrere Menschen, Beteiligte) bedeutet. Wenn ich mich allein meine, muss ich zwingend ‚ich’ schreiben, und wenn mehrere Personen gemeint sind eben ‚wir’, alles andere ist falsch und führt zu falschen Aussagen. Sonst müsste man gleich den Pluralis Majestatis anwenden: ‚Wir, Heinz Scholz, Schriftsteller von Schopfheim’. . . nur so wäre das Wir anstelle des Ich möglich. Päpste, die sich als Stellvertreter Gottes empfinden, halten es so. Eine Steigerungsform ist noch die Anwendung von Versalien (Grossbuchstaben): WIR.

Die unpersönliche Form ‚man’ kann durchaus ihre Berechtigung haben, wenn irgendeiner, also ein beliebiger Mensch, gemeint ist. Das Man aber aus lauter Bescheidenheit anstelle des Ich zu verwenden, ist ebenfalls unstatthaft, denn es ist etwas anderes, ob ich eine Erfindung gemacht habe oder ob es irgendjemand war.

Insgesamt gelte ich lieber als ein bisschen ich-süchtig (wohl narzisstisch) als verkrampft, wobei hoffentlich in meinem Fall beides nicht zutrifft. Zwar habe ich mit dieser Ich-Form, genau wie Du, meine Schwierigkeiten. Aber ich bin wirklich überzeugt, dass sie im gegebenen Fall zur Präzision der Ausdrucksweise unbedingt gehört. Sobald man (hier ist das Fürwort man angezeigt) sie zu umschreiben sucht, wirkt das unehrlich. Es scheint, als ob der Autor etwas zu verbergen habe und sich nur teilweise einbringen oder gar davonschleichen wolle. Daran leidet dann die Glaubwürdigkeit. Diese Feststellung gilt nicht allein für Blogs, sondern generell.

Im Prinzip sollte man frisch von der Leber schreiben, ungefähr so, wie man redet. Dabei käme es niemand in den Sinn, das Ich mogelnd zu verdecken, zu verstecken.

Es war wohl gut, dass wir uns darüber einmal unsere Gedanken gemacht haben; sie schärfen unser kritisches Bewusstsein, um veraltete Kapriolen zu vermeiden.“

Die mediale Seuche mit den Applaudierkulissen

Auf lauter Zustimmung, auch in persönlichen Gesprächen, ist das Blog „Baut die Applaudierkulissen endlich ab!“ (8. Februar 2005) gestossen. Aus London mailte Emil Baschnonga dazu:

„Ich beglückwünsche Sie zum Blog Applaudierkulissen. Diese ärgern mich so sehr, dass ich den Kasten ausschalte.“

Mit „Kasten“ war das Fernsehgerät gemeint. Auch Heinz Scholz hegt dieselben Empfindungen:

„Das Gekreische, Gejohle und das Klatschen bei Fernsehsendungen stören mich schon lange. Besonders lästig empfinden wir  − auch meine Frau Paula − die lauten Musikunterlegungen bei wissenschaftlichen Sendungen. Erst kürzlich sahen wir einen BBC-Bericht, da war der Ton lauter als das Gesprochene. Wir waren immer mit der Fernbedienung beschäftigt, um die Musik leiser und das Gesprochene wieder lauter zu stellen. Ich frage mich, ob solche Musikuntermalungen bei Wissenschaftssendungen überhaupt notwendig sind. Es ist wirklich kein Ohrenschmaus, solche Sendungen zu sehen.

Ich kann mich noch gut an einen Leserbrief an die Fernsehzeitschrift ‚Bild+Funk’ erinnern, worin sich ein Leser und Seher darüber beschwerte, dass Werbeeinblendungen viel lauter sind als die üblichen Sendungen. Aber nichts hat sich getan. Die Macher sind wohl alle schwerhörig.“

Und Scholz fügte zum Thema Vergänglichkeit (Blog vom 10. Februar 2005) noch bei:

„Das Blog ‚Wenn die Gegenwart in Zukunft Vergangenheit sein wird’ habe ich mit einem Schmunzeln gelesen. Was bleibt zurück? Ein leerer Bildschirm! Das dürfte im elektronischen Zeitalter tatsächlich der Fall sein (schon deshalb, weil die Festplatten, CDs, DVDs usw. eine begrenzte Lebensdauer haben). Deshalb müssen wir auch Bücher schreiben, die haben länger Bestand. Es gibt ja Chroniken, die schon einige 100 Jahre auf dem Buckel haben. Der englische Schriftsteller Thomas Carlyle (1797−1881) sagte einst über die Bücher Folgendes: ‚Ein Bücherschatz ist wie ein geistiger Baum, der Bestand hat und seine köstlichen Früchte spendet von Jahr zu Jahr, von Geschlecht zu Geschlecht.’“

Morgestraich und Mählsuppe

Das Fasnachts-Blog (14. Februar 2005) rief bei Emil Baschnonga in Wimbledon, weitab vom Geschütz, Erinnerungen hervor:

„Joo, so isch es, dr Morgestraich und denn d’ Mählsuppe und Ziibelewaihe. Die armen Laternenträger nicht zu vergessen. Ich hatte oft Schwierigkeiten dabei, kam aus dem Schritte, wenn 2 Cliquen aneinander vorbeizogen.

Lang ischs här“ (lang ists her).

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