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BLOG vom 09.03.2012


Eveline Widmer-Schlumpf und ihre Spuren der Verwüstung
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Wer auf der A13 von Chur ostwärts tiefer ins Bündnerland hinein fährt, sieht rechterhand unter dem rutschigen Calanda-Massiv das Dörfchen Felsberg GR, der Wohnort der derzeitigen Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf. Schräg gegenüber befindet sich Domat/Ems GR. Gleich neben der Kantonsstrasse und nahe bei der Autobahn, auf Emser Boden, liegt das gigantische Grosssägewerk, das ehemals Stallinger Swiss Timber hiess. Wenn Nutzholz im Bündner Rheintal zu Timber wird, hat das nichts mit dem Rätoromanischen zu tun, sondern mit dem Globalisierungsgrössenwahn.
 
Das Riesenwerk wurde 2006 erstellt, und folgerichtig wurde ein im Weg stehendes Wäldchen, das die Eingeborenen gern für Spaziergänge benützten, umgehauen. Unerklärlicherweise folgten verschiedene Erweiterungen der durchrationalisierten Anlage, um noch mehr Sägerundholz verarbeiten zu können als die Bündner und nahegelegene ausserkantonale Wälder hergaben bzw. die Forstbetriebe abzuliefern bereit oder in der Lage sind. Man sagte in der diplomatischen Sprache, das Grosssägewerk habe mit „Versorgungsschwierigkeiten mit Rundholz zu kämpfen“. Nicht einmal der waldreiche Kanton Graubünden war fähig, die der Planung zugrunde gelegte Fantasiemenge von 200 000 Kubikmeter Rundholz pro Jahr anzuliefern. Die Firma Stallinger merkte bald einmal, wenn auch zu spät, dass sie auf den Holzweg geraten war und zog sich bereits Ende 2008 zurück, und die Holzverarbeitungsfabrik ging an die Mayr-Melnhof-Gruppe über. Der Rundholzmangel dauerte natürlich an. Die Betreiber der ausufernden Anlage mussten damit beginnen, den Rohstoff aus der übrigen Schweiz und dem Ausland ins Bündnerland zu importierten, ein Witz. Kleinere Sägereien hatten das Nachsehen, wurden verdrängt. Und wie immer, wenn ein Debakel übermächtig wird, schafft man eine Task Force, so etwas wie einen Krisenstab als Kampftruppe. Im vorliegenden Fall entstand die „Task Force Wald- und Holzwirtschaft“; offenbar war der neuenglische Ausdruck Timber bereits gestorben.
 
Über diese Geschichte habe ich, wenn auch in ausführlicherer Form, in der informativen Zeitschrift „Bündner Wald“ vom Februar 2012 gelesen: „Das Projekt Rundholzmerk Graubünden“ von Beat Philipp und „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – Zukunft des GSW Domat/Ems“, verfasst von Hans Vettiger von der Universität Liechtenstein. Daraus ist zwischen den Zeilen zu entnehmen, dass die Forstwirtschaft den Bedürfnissen des Sägewerks angepasst und intensiviert werden soll. Das wird zwar nicht so deutlich gesagt. Aber man kann erahnen, was eine ausgedehnte Holz-Planwirtschaft mit Betriebskooperationen und Betriebsvergrösserungen für den Zustand der noch immer eindrücklichen Bündner Wälder bedeutet, die nicht allein im Herbst, wenn die Lärchen rot werden, zu den Touristenattraktionen gehören. Auch „ordnungspolitische Vorgaben“ durch Verordnungen und Gesetze sollen die zunehmende Planwirtschaft in Richtung einer „Wertschöpfungspartnerschaft“ vorantreiben. Ein Sieg des Ertrags über die Ökologie. Serbelnde Monokulturen statt sturmfeste Naturwälder.
 
In diese in mehrerer Hinsicht furchterregende Entwicklung wurden Millionen von Franken aus den Taschen des fleissigen, sparsamen Bündnervolks verlocht. Bereits in der Publikation „Am Holzpuls“ („Nachrichten von Holzindustrie Schweiz“) vom 02.12.2010 wurde davor gewarnt, erneut „40 Millionen an Steuergeldern in ein nicht entwicklungsfähiges österreichisches Unternehmen zu versenken“, in einen „Sanierungsfall von noch nie dagewesenem Ausmass“.
 
An dieser Geldverlochung war die gleich in der Nachbarschaft wohnende Eveline Widmer-Schlumpf massgebend beteiligt. Im erwähnten Holzindustrie-Bulletin liest man dazu: „Wir haben im Jahr 2005 still gehalten, als die Bündner Regierung den nunmehr gescheiterten Versuch eines Bündner Grosssägewerks unternommen hat, weil wir in einem Land, welches die freie Marktwirtschaft auf Verfassungsstufe verankert hat, politischen Leitungsorganen wie einer Kantonsregierung vertrauen wollen. Dazu gibt es vorliegend keinen Grund mehr.
 
Hier geht es aber nicht um Wirtschaftsförderung, sondern um eine verfassungswidrige Wirtschaftslenkung mit dramatischen Auswirkungen auf unsere Unternehmen, auf unsere Arbeitsplätze und auf den Bündner und Schweizer Markt für die Beschaffung von Nadelrundholz.
 
Ausserdem: Wären unsere an die damalige Regierungspräsidentin Widmer-Schlumpf gerichteten Bedenken (Kapazitätsgrenze bei 250 000 bis 300 000 m3) berücksichtigt worden, hätte der Kanton Graubünden viel Geld gespart.“
 
Frau Widmer hört nicht zu, weiss alles besser, klärt nicht ab. In der Privatwirtschaft wäre solch eine liederliche Arbeit unerträglich, ein Sargnagel. Als das Timber-Debakel mit Hilfe der Bündner Staatskasse angeteigt wurde, war Widmer Finanzdirektorin des Kantons Graubünden. Die Bündner hatten Glück, dass sich diese Politikerin zu Höherem berufen fühlte und ihre neue Stelle in Bern annahm, um ihre Abbruchmentalität dort, fern der engeren Heimat, auszuleben.
 
Andere Trümmerspuren
Als sie sich aufgrund fieser Tricks 2007 in den Bundesrat wählen liess, schwächte sie, die im Amt ständig überfordert ist und immer wieder Unsinn inszeniert, die Stärke des Bundesrats durch die Verdrängung von Christoph Blocher, diese starke, die nationalen Bedürfnisse erkennende und verteidigende Persönlichkeit. Er hätte zweifellos viel Unheil von der Schweiz abgewendet – jenes Unheil, das seine vom Anti-Blocher-Lager gewählte Nachfolgerin eindeutig vergrösserte. Man spüre den Unterschied.
 
Zu ihren Trümmerspuren gehört unter anderem die Zerstörung der bewährten Bundesratskonkordanz. Sie wechselte im Interesse ihrer eigenen Karriere sogleich von der rechten SVP ins linke Lager (zur linken Mini-Partei BDP) über, was ihr bei den Linksmedien wie jenen des tonangebenden Ringier-Konzerns, die an ihr den Narren gefressen haben, und bei den nationalen elektronischen Medien (Radio und Fernsehen) lauter Sympathien eintrug. Sie hatte sich, als SVP-Mitglied, in den Tagen vor der Wahl von den Linken und Teilen von CVP und FDP instrumentalisieren lassen, nahm das Bundesratsamt trotz ihrer Beteuerung an, nein zu sagen, und ohne sich zu ihrer damaligen Partei, der SVP, loyal zu verhalten. Als Anerkennung für diese hinterlistige, von einer Zwecklüge untermauerte Art wurde sie von den Qualitätsmedien zur „Schweizerin des Jahres 2009“ gewählt, genau genommen zur Ringier-Schweizerin. Grosse Volksteile fallen noch heute aufgrund der verzerrenden, beschönigenden Darstellungen in den eingebetteten Medien auf den Schlumpf-Sumpf herein.
 
In der Bundesverwaltung sorgte sie für weitere Trümmerhaufen. Selbst ihre ihr jetzt politisch nahestehende Kollegin Simonetta Sommaruga (SP) musste eingestehen, dass wesentliche Teile von Widmers Reformen (bei Entlassung der besten Leute) im Asylwesen unhaltbar waren und zwingend rückgängig gemacht werden müssen – die Kosten dafür gehen wieder in eine noch nicht genau bezifferbare Millionenmenge. Solche Fehlleistungen fügen der Schweiz erheblichen Schaden zu, destabilisieren den politischen Frieden. Christoph Blocher in einem „Blick“-Interview vom 20.01.2012: Wir kritisieren Frau Widmer-Schlumpf für die unverantwortliche Arbeit im Asylwesen, nicht aus Rache, sondern weil dies uns wieder bald 20 000 Zuwanderer bringt. Der überwiegende Teil sind Arbeitssuchende und Kriminelle. Nicht Flüchtlinge! Dafür sind Frau Widmer-Schlumpf und jetzt Frau Sommaruga verantwortlich. Dasselbe gilt für die schlechten Verhandlungen mit den USA. – All das haben wir zu wenig kritisiert, weil wir in die Regierung eingebunden waren. Jetzt müssen wir dies tun.“
 
Unterwerfung gegen aussen
Die unermüdliche Trümmerproduzentin ist nun dabei, auch die letzten Reste des Schweizer Bankgeheimnisses niederzureissen und kommt mit ihrer umjubelten „Weissgeldstrategie“ daher, auf die sie sofort aufgesprungen ist, und womit sie den Bankenplatz Schweiz noch total kaputtreformieren will. Ohne eine Ahnung davon zu haben, wie so eine Strategie in der Praxis überhaupt funktionieren könnte. Die sonst allzu fügsamen Banker haben ihr bereits die Leviten gelesen. Das sei doch nicht so „sakrosankt", wand sie sich. Das geschieht nach dem Muster Ausstieg aus der Atomkraft und dem Übergang zu Alternativen wie der Solarenergie, aus der vorerst gerade Anleger flüchten (und für die z. B. Deutschland die Fördergelder kürzt). Die landschaftskatastrophalen Windräder, die Vögel häckseln und lärmen, will ohnehin niemand.
 
Auf die Idee, dass auch die Amerikaner, Engländer usf. zumindest ihre Steuerschlupflöcher schliessen müssten, ist Frau Schlumpf bisher nicht gekommen. Sie will vertrauliche Daten aus den Banksafes à discrétion liefern, damit die US-Geier füttern, die dann gut munitioniert erneut über die Schweiz herfallen können. Auch die EU kommt jetzt auf den Geschmack, und man reibt sich die Augen. So kann die Globalisierung, die im Klartext eine Amerikanisierung der Erde ist, weitergehen. Hilfspersonal ist überall im Einsatz; dazu gehören auch viele Mitglieder des Bundesrats in der heutigen Zusammensetzung.
 
Roger Köppel, der „Weltwoche“-Inhaber, bezeichnete die Finanzministerin mit guten Gründen als „ein Sicherheitsrisiko“ (2011-37). Sie setzt sich nicht für die Interessen der Schweiz, sondern für jene der Amerikaner ein und will in der Schweiz selbstredend auch die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung (für weniger gravierende Fälle) und Steuerbetrug aufheben, um das ganze Volk einem Kollektivverdacht aussetzen zu können – alleweil nach US-Muster. Der Zürcher Finanzprofessor Martin Janssen sagte, die Behörden hätten nichts unternommen, um den Schweizer Finanzplatz im Kampf für das Bankgeheimnis zu unterstützen. Er ist mit dieser Feststellung nicht allein.
 
Inzwischen ist es allgemeines Wissensgut, dass die verarmten Amerikaner nur möglichst viele Daten im Blick auf die Geldeintreibung wollen. In der Schweiz ist einiges zu holen. Ein Bundesrat, der die Tresore schon bei der ersten Androhung von drüben öffnet und sich knechtisch vor einer skrupellosen Herrschaft beugt, ist wahrhaftig eine Landesgefahr – wieder so ein Erfolg von Widmer-Schlumpf, der „Schlumpfokratie“, wie sich der wortschöpferische SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli einmal vernehmen liess.
 
Zu den moralischen Grosstaten Widmers gehörte auch die Verteidigung des ehemaligen Schweizer Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand. Sie stärkte ihm den Rücken („keine grosse Verfehlung“) selbst dann noch, als sie das entlarvende E-Mail, das den Dollar-Spekulanten Hildebrand mit Insiderwissen zum Rücktritt zwang, bereits kannte, ohne das zuzugeben. Sie rechtfertigte sich hinterher und wand sich in der üblichen verdrehungskünstlerischen Art mit süffisantem Lächeln.
 
Ihre peinlichste Idiotie, die allerdings eher zu den Cabaret-tauglichen Infantilitäten gehört, war ihr Vorschlag, von Tanten und Grossmüttern eine Genehmigung für die Betreuung ihrer Enkel oder Nichten abzuverlangen ... Sie möchte staatliche Einflüsse in die Privatsphäre und tief in die Familien hineintragen und überholt dabei selbst überzeugte Sozialdemokraten links. Dieser Blödsinn hatte neben der Volksbelustigung wenigstens keine kostspieligen Folgen, weil er noch im Entstehungsstadium das Politische segnete.
*
All die anderen Trümmerhaufen, die weitgehend auf das Konto der herrschsüchtigen und liederlich arbeitenden Bündnerin gehen, müssten eigentlich längst genügen, um sie wie eine Falschfahrerin möglichst umgehend aus dem Verkehr zu ziehen, bevor es zu noch grösseren Katastrophen kommt. Doch sie wurde glänzend wiedergewählt.
 
Die in der Schweiz dominanten Linksmedien und die Parteien, die Frau Widmer 2007 als zackig-zickige Waffe gegen Blocher eingesetzt haben, fühlen sich verpflichtet, weiterhin zu ihr zu stehen und ihr grandioses Wirken zu bejubeln ... „guter Job“.
 
Wie sagte es doch Christoph Mörgeli so berauschend schön („Weltwoche“ 2012-04): „Mittlerweile riecht jede Bahnhoftoilette hygienischer als der Wertekodex unserer Eliten.“
 
Task Forces und Deodorantfabriken dürften sich in Schlumpfhausen als die Zukunftsbranchen par excellence entpuppen.
 
Hinweis auf weitere Blogs über Eveline Widmer-Schlumpf
12.12.2007: Bundesratswahl CH 07: Schaffung einer Oppositionspartei?
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