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BLOG vom 09.04.2012


Von Lakh, Crore und Rupien: Zahlen und Grössen in Indien
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D, zurzeit in Bangalore/Indien
 
Gehen wir einmal davon aus, die Schweiz habe momentan 81 Lakh Einwohner, genau kann man das ja erst nach der nächsten Volkszählung wissen, aber statistisch könnte es stimmen. Lakh? Hätte die Schweiz 19 Lakh mehr, hätte sie 1 Crore Einwohner; doch darauf wird sie noch eine Zeitlang warten müssen. Deutschland hat ungefähr die 10-fache Anzahl, also 8 Crore Einwohner.
 
Bangalore hat übrigens etwa 80 Lakh Einwohner (eine genaue Zahl ist nicht zu ermitteln), etwa so viel wie die ganze Schweiz!
 
Bei so vielen Einwohnern wie in Indien, die letzte Zählung ergab etwa 1,2 Milliarden, auf Englisch also 1,2 Billionen, eine Zahl mit 8 Nullen (10 Stellen), wird diese Zahl auch anders gelesen: 120 Crore.
 
Natürlich ist das indische Zahlensystem wie bei uns auf die Zahl 10 (indisch:. Dasa; Sie erkennen das Dezi im Wort aus dem Sanskrit) aufgebaut, ja die Inder rühmen sich, das Zehner-System und die Zahl 0 und auch die „Unendlichkeit“ erfunden zu haben.
 
Wikipedia schreibt: „Crore (von Hindi karab) ist das südasiatische Zahlwort für ,zehn Millionen’“. Varianten des Worts kommen in den meisten südasiatischen Sprachen vor. Auch im indischem Englisch wird das Zahlwort Crore verwendet und ersetzt fast immer, zusammen mit Lakh (100 000), die europäischen Begriffe Million und Milliarde.
 
Lakh (Hindi lâkh, von Sanskrit laksa, englisch auch lac[k]) ist das südasiatische Zahlwort für „einhunderttausend“.
 
In diesem System werden bei grösseren Zahlen, zur besseren Übersicht, 2 Dezimalstellen miteinander gruppiert anstatt 3 Stellen, wie es in Europa üblich ist. Ausserdem werden einigen Zahlen eigene Namen zugewiesen.
 
Dieses Zahlensystem wird auch im Umgang mit der Währung benutzt. So könnte man die Zahl 400 000 Rupien als Rs. 4 Lakh oder Rs. 4 00 000 schreiben und die Zahl 40 Mio. Rupien als Rs. 4 Crore (abgekürzt cr. 4).
 
So schreibt man also 120 cr. oder „120 00 00 000“ , was dann 1,2 Milliarden entspricht.
 
Betrachten wir 1 indische Rupie (Rs ‒ nach ISO 4217: INR) genauer: Indische Quellen schreiben „Rupee" (Re), Plural: „Rupees" (Rs) und verwenden als Zähleinheiten „Lakh" und „Crore": 1 Crore Rs = 100 Lakh Rs = 10 Mio. Rs.
 
Nehmen wir also einmal an, das Haus in Bangalore, in dem ich eine Wohnung gemietet habe, kostete vor 30 Jahren 70 000 Rs., heute sei es das 250-fache wert, sagte mir mein Vermieter, nämlich 1,75 Crore. Das wären dann zirka 257 000 Euro (309 000 CHF), vielleicht noch ein wenig zu hoch gegriffen, obwohl allein im vorletzten Jahr die Immobilienpreise um 25 % im Durchschnitt gestiegen sind. Der Boom hat sich ein wenig beruhigt, aber nicht gänzlich.
 
Wenn ich in die Zeitung nach Immobilien Ausschau halte, werde ich mit einem weiteren Problem konfrontiert: die Grösse der Wohnung oder des Grundstücks ist mit sft. angegeben, das heisst square feet, was ungefähr einem 1 qm = 10,764 square feet entspricht.
 
Ich nehme mir einmal eine Wohnung heraus, in der üblichen Grösse von 30×40 sft = 1200 sft, sind also ca. 111,48 qm. Der Preis ist angegeben mit 3200/-sft, also 3200 Rs. Multipliziert mit 1200 ergibt 3840000 oder in Lakh geschrieben 38.4 Lakh = 38 40 000 Rs und ergibt ca. 56 391 Euro (67 662 CHF) für ein 2-Zimmer-Appartement. Das erscheint uns Europäern wenig, aber ein Manager in einer mittleren Gehaltsklasse verdient 70 000 Rs., also etwa 1000 Euro (1200 CHF) pro Monat. Was da noch an Abzügen anfällt, vermag ich nicht zu sagen.
 
Meine 2-Zimmer-Wohnung in einem Arbeiterviertel in Bangalore kostet 9000 Rs., das entspricht etwa 132 Euro (159 CHF) pro Monat. Der grösste Posten bei den Ausgaben in einem indischen Haushalt ist oft die Miete. Hinzu kommt, dass die indische Familie traditionell verpflichtet ist, unverheiratete Geschwister und auch Eltern nach ihrer Pensionierung mit in die Wohnung aufzunehmen und auch finanziell zu unterstützen. In diesem Fall wäre auch die obige Modellwohnung schon fast zu klein. Die nächsten angebotenen Grössen für Wohnungen sind 40×60 sft oder 50×80 sft.
 
Die Inflationsrate in Indien liegt aktuell bei 7,8 %.
 
Übrigens, die Rupie ist auch noch unterteilt in 100 Paise. Eine Rupie entspricht etwas weniger als 1,5 Eurocent. Eine seriöse Tageszeitung, wie z. B. die Indian Times, kostet in Bangalore 3,5 Rs., also 3 Rs und 50 Ps (6 Schweizer Rappen!), sonntags 5 Rs. (Was schrieb doch Walter Hess in seinem Blog übers Saanenland vom 03.04.2012: „Die SonntagsZeitung hätte man für 4,20 CHF kaufen müssen.“)
 
Allerdings sind die 50 Paise-Münzen kaum noch im Umlauf, so dass meistens auf 4 Rs. aufgestockt wird.
 
Wenn ich eine Portion Reis bestelle, verwirre ich den Kassierer immer, indem ich den Daumen hochhalte und damit „eine“ meine. Das sagt in Indien aber nichts aus. Man beginnt mit dem Zeigefinger zu zählen, für die Zahl 5 wird dann der Daumen genommen.
 
Sie interessieren sich für weitere Aspekte zum Thema „Zahlen“ in Indien? Hier eine interessante Site: http://www.here-now4u.de/ein_ganzheitlicher_zugang_zur_.htm
Ich zitiere aus diesem Artikel:
 
„Ehe wir andere mathematische Themen aufgreifen, sollten wir einige Beispiele zum philosophischen Aspekt der Zahlen anführen, die sich die alten Seher sehr effektiv zunutze machten.
 
Wir wollen jetzt dieses äusserst interessante Beispiel betrachten. Die Idee, mit 9 Zahlen und der Null zu zählen, ist ein indisches System, das in engem Zusammenhang mit der neunmonatigen Entwicklung des menschlichen Embryos steht. Der Mensch entwickelt sich über 9 Monate und durchläuft dabei 9 sukzessive Phasen wie die 9 Zahlen, seine Geburt wird im 10. Monat vollendet, und dies ist der 10. Avatara des ,MENSCHEN’, um es bildlich auszudrücken. Ebenso hat der Körper 9 Öffnungen (Navadvara), und die 10. ist das Brahmadvara, das in der weichen Zone des Kopfes eines Neugeborenen gelegen ist. Diese kleine Mikroöffnung rief den Brahmarandhra an der Oberseite des Kopfes, durch die ein Yogi seinen Körper verlässt. Folglich ist die 10. Öffnung das Tor zur höchsten Entwicklungsstufe, ähnlich seiner Geburt aus dem Mutterleib im 10. Monat. Im 1. Fall wird er abwärts ausgetragen, im 2. aufwärts! Dies ist die Essenz der Geschichte der Befreiung des Menschen von den fesselnden Begrenzungen der Materie, die in zahlreichen philosophischen, tantrischen und musikalischen Texten wunderschön geschildert wird.
 
Genauso wurde das Konzept der Mengen und der Kardinalzahlen von den Sehern und Gelehrten erdacht. Zum Beispiel haben Zahlen eine tiefe Bedeutung, die 7 als Saptaswara (7 Grundtöne der Musik), Sapta Rsis (7 grosse Weisen), Saptavarna (7 Farben), oder die 9 Planeten (Navagrahas), Navanidhi (9 Schätze), Dasadik (10 Gebote), Ekadasa Rudra (11 Rudras), Dvadasamasa (12 Monate), Saptavimsat Nakshatrah (27 Sterne) usw.“
 
(Die Begriffe stammen aus dem Sanskrit, wobei nicht vergessen ist, dass Deutsch eine „indogermanische Sprache“ ist).
 
Habe ich Sie neugierig gemacht, z. B. bei „Dasadik (10 Gebote)“? Sie betreffen die „Tugenden“ und „Nichttugenden“ in der buddhistischen Lehre!
 
Abschliessen möchte ich diesen kleinen Ausflug in die Zahlenwelt Indiens mit einem weiteren Auszug aus dem erwähnen Artikel:
 
„Zusammenfassung in einer Gleichung für ein bestmögliches Leben:
(+) Addiere gute Freunde
(-) Subtrahiere schlechte Eigenschaften
(
×) Multipliziere die eigenen Stärken
(:) Teile die Arbeit
(d) Differenziere zwischen richtig und falsch
( ) Integrierte Persönlichkeit.“
 
Ich wünsche viel Spass beim Rechnen!
 
 
Hinweis auf weitere Indien-Berichte von Richard Gerd Bernardy
 
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