Textatelier
BLOG vom: 28.04.2012

Liebespoesie: Wären diese Träume doch geblieben ...

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London 
Gartenstille
Gertenschlank und beschwingt dein Gang
Gingen du und ich einer Mauer entlang
Traten durch das Tor in die Gartenstille
Laue Nacht empfing uns, wir hielten inne
Wer kann sprechen mit Lippe auf Lippe. 
Die alte Liebesglut
Wer erwachte im Traum? Es war der Alte
Zurückversetzt in seine frische Jugend
Er lag nicht mehr allein in seinem Bett
Wärme durchdrang seinen alten Körper
Wäre er doch in diesem Traum geblieben. 
Glücklich entfesselt
Sie war quicklebendig und frohgestimmt
Bedächtig war er und oft in sich versunken
„Lasst uns verrückt sein“, flüsterte sie ihm zu
„Du hast mich schon verrückt gemacht …“
Befreit lachte er schallend voller Lebenslust.
Ihre Ohrmuschel
Sie schlief neben ihm bei Tagesanbruch
Ihr Haar gab ihre Ohrmuschel preis
Lange betrachtete er die Schlafende
„Je t’aime“, flüsterte er ihr ins Ohr
Sie rekelte sich. „Embrasse moi!“ 
Erinnerst du dich?
Wo wir unseren ersten Kuss ausgetauscht?
Wie ich dir beim Tanz auf die Füssen trat?
Du hast mich gefragt: „Hörst du mir zu?“
„Erinnerst du dich?“ ‒ „Ja, ich höre dir zu!“
Wir teilen die Bijous unserer Erinnerungen. 
Ihre Haarspange
Zuerst fiel mir ihre Haarspange auf
Auf der Scheitel rechts angesteckt
Angesteckt schimmernd im Haar
Haarwelle von der Spange gefesselt
Gefesselt blieb mein Blick vom Glanz. 
Der erste Schatz
Neu im Kindergarten aufgenommen
So schmuck wie aus der Schatulle
Rangen wir um Platz neben ihr
Mitten auf der langen Holzbank.
Dieser Schatz war uns allen hold. 
Abschied
Ich hatte gerungen, meine Tränen bezwungen
Einmal werden wir scheiden, hast du gesagt
Noch einmal traf ich dich und wir schwiegen
Verweht waren unsere Spuren im Sand
Dieser Frühling trieb keine Blüten mehr
Du blicktest mir nicht nach
Ich drehte mich nicht um.
 
 
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