Textatelier
BLOG vom: 03.10.2012

Allerlei Geräusche: Wer nicht hören will, muss fühlen

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
„Wer nicht hören will, muss fühlen“: Diese Redensart kriegten einst unartige Kinder zu spüren – und zwar mit einem Klaps „ufs Füdli“. Weiche, biegsame Ohren sind den Kindern eigen, da sie aufnahmefähig sein müssen oder sein sollten. Fortschrittlich gesinnte Lehrer gaben ihnen seinerzeit gern ein Paar auf die Löffel, damit sie „hörig“ werden. Das hat schon damals selten gewirkt und ist heute verboten, genauso wie die mit dem biegsamen Bambusröhrchen verabreichten „Tatzen“ (Schlag auf eine Hand).
 
Diese 2 meiner Aphorismen habe ich mir hinter die Ohren geschrieben:
 
Der Gehörgang erspart manchen unnötigen Gang.
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Vermeide Denkzettel, die von anderen ausgestellt werden.
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In der Bude einer meiner Söhne ist eine kleine Bronzeskulptur auf dem Büchergestell. Sie zeigt 3 Affen: einer, der nicht hört, einer, der nicht sieht und einer, der schweigt. Was ich damals mit diesem väterlichen Geschenk sagen wollte, weiss ich nicht mehr. Vielleicht sollte ich jetzt diese Skulptur in meiner Bücherwand einverleiben, denn ich will nicht immer hören, noch sehen, und ich kann gelegentlich sehr wortkarg sein, besonders jetzt, wo ich anderweitig beschäftigt bin.
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Musik – selbst klassische – als Kulissengeräusch stört mich beim Schreiben und Sammeln von Gedanken. Ich geniesse sie nach Feierabend oder übers Wochenende. Das entspannt mich.
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Es gibt Geräusche, die mir allezeit willkommen sind: Vogelgesang und Regen, der gegen das Fenster prasselt, Kinderlachen.
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Heute haben unsere Ohren viel zu erdulden: den Verkehrslärm, das Geknatter der Rasenmäher, den Staubsauger, den Baulärm. Lieber zähle hier die vielen Störenfriede nicht auf, denen meine Ohrmuscheln ausgesetzt sind.
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Vorsicht, was man vom Hörensagen erfährt! Was man dabei vernimmt, ist selten verlässlich und oft verzerrt.
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Abschliessend nochmals 2 Aphorismen, worunter ein altbekannter Aphorismus:
 
Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand’.
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Gehör verschafft sich, wer mit Sachkenntnis spricht ‒ Politiker ausgenommen.
 
Jetzt höre ich auf, weil ich ein bisschen würzige Herbstluft atmen will.
 
 
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