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BLOG vom 24.10.2012


Londoner Herbst-Stimmungsbild: Nebel hin oder her ...
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Von der Luftfeuchtigkeit – wie aus der Sprühdose – durchsättigt, sammeln sich die Tröpfchen auf den Herbstblättern der Bäume und Stauden. Trotz des fahlen Lichts glänzen diese Tröpfchen. Fliegt ein Vogel auf einen Ast, fallen diese Wasserperlen auf den Grund. Vom Rebstock lösen sich die vergilbten Blätter. Dazwischen sehe ich die letzten Trauben und sammle sie, ehe sie verschimmeln. Sie schmecken zuckersüss. Sie haben mit wenig Sonne ihre Reife gewonnen.
 
Mit dem Reisigbesen wische ich das Laub von den Gartenwegen. Ich möchte verhindern, dass der Milchmann mit seinen Flaschen oder der Pöstler, der uns gestern 6 Flaschen Wein abgeliefert hat (das Geschenk meines Nachbarn für meine Zeugendienste, siehe Blog vom 18.09.2012: Aus dem Zeugenstand: Misère grenzenloser Habsucht), ausrutscht.
 
Aufs Wochenende ist ein Kälteeinbruch angesagt. Der Herbst verpflichtet mich, die Kakteen ins Winterquartier zu bringen. Einige Topfpflanzen, die noch immer Blüten treiben, werden im Haus verteilt. Vor Schnecken beschützt, entfaltet der Salat aus der letzten Aussaat seine Blätter. Wir werden sie für unseren „Salade niçoise“ ernten. Etliche immergrüne Küchenkräuter, worunter Rosmarin, werden unseren Lammbraten kulinarisch bereichern. Zweige mit roten Beeren, in einigen Vasen verteilt, prunken jetzt schon.
 
Meine Leseecke ist längst von der Gartenbank in den 1. Stock verlegt. An trüben Tagen wie heute knipse ich schon spätnachmittags meine antiken Leuchtkörper an, die mir im Haus aufwarten. Ich habe meine Schallplatten sortiert. Die nächsten Abende sind Georg Philipp Telemann gewidmet (12 Cello-Fantasien, von Arthur Grumiaux gespielt), gefolgt von Domenico Scarlatti (16 Cembalo-Sonaten und eine Cembalo-Auslese von Wanda Landowska in einer Aufnahme aus dem Jahr 1934).
 
Der Herbst stimmt besinnlich und lädt voreilig zu Rückblicken aufs Jahr ein. Ich werde mich im Textatelier.com-Lesebuch erlaben (siehe „Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter“ ) und mich an den inhaltlich exzellenten und sprachgewandten Beiträgen meiner Textatelier-Freunde erfreuen. Zuerst bin ich meinem Freund Walter persönlich in der Schweiz begegnet, anschliessend hat sich mein Freundeskreis allmählich auf alle erweitert.
 
Jetzt, wie sich die Festtage beängstigend rasch nähern und viele Leute zu Geschenkeinkäufen in die Läden treiben, verschonen wir uns vor solchen nervenaufreibenden Eskapaden. Wir werden wie immer in engsten Familienkreis feiern. Und überfällt mich ein schreibwürdiger Gedanke, verschwinde ich in meine Bude …
 
Jetzt schon habe ich mir vorgenommen, endlich einige Diskurse aus François Rabelais’ (1494–1553) „Garganua et Pantagruel“ zu lesen. Der Text in der Ursprache ist mir leider weitgehend verschlossen, doch das Internet wird mir gewiss eine Lesebrücke vermitteln. Dazu werde ich eine gute Flasche Wein anzapfen, wie es sich für Rabelais schickt.
 
In dieser Vorstellung löst sich der Herbstnebel auf.
 
Allerlei Übergänge zwischen Herbst und Weihnachten
 
 
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