Textatelier
BLOG vom: 01.11.2012

Funde aus der Wörter-Wühlkiste für den Hausgebrauch

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Beim Korrigieren meiner Texte kommt es immer wieder vor, dass ich da und dort ein Wort gegen ein kürzeres, treffenderes oder kräftigeres auswechsle. Oft sind es Wörter, die teils selten geworden sind. Hierzu einige Beispiele:
 
Statt „hin und wieder“ oder „manchmal“ bevorzuge ich „mitunter“.
 
sich erlaben“ finde ich im richtigen Zusammenhang besser als „geniessen“.
 
„Eskapade“ statt „Abenteuer“ oder „Seitensprung".
 
„Estrich“ statt „Dachboden“.
 
„Ein stacheliger Charakter“ – „prickly“ auf Englisch.
 
„burlesk“ = possenhaft.
 
„burschikos“ = ungeniert, salopp.
 
„Bürde“ = Last.
 
„stibitzen“ = umgangssprachlich für „mitlaufen lassen“ (stehlen).
 
„spröde" = als Wesenszug, brüchig wie Glas.
 
„Schlampe“ = eine liederliche Frau.
 
„Schlappen, Pantoffeln, Finken“ = Hausschuhe.
 
„Schlendrian“ = Gleichgültigkeit. Ich verwende das Wort auch für einen trägen, nachlässigen Kerl.
 
„Pöbel = grobe Leute.
 
„vulgär“ = im abstossenden Sinne ordinär.
 
Diese kunterbunte Auswahl ist aus dem Zusammenhang gerissen. Der treffende Ausdruck muss auf die Aussage abgestimmt werden, sonst wirkt er gekünstelt oder veraltet (wie etwa „erküren“ statt „erwählen“).
 
Immer wieder flunkert der Duden-Korrektor dazwischen, wenn ich ein weniger gebräuchliches Wort benutze und schlägt vor, ich solle ein gängigeres wählen. Hier lasse ich mir vom Duden nicht dreinreden. (Ich habe die Wörter im Fettdruck geschrieben, die der Duden mit dem Hinweis „Please check whether you want to use a more common word“ versehen hat.)
 
Die Poesie erweitert den Spielraum bei der Wortwahl. Sie lässt die holdselig Angebetete auferstehen … Prosaische Texte hingegen werden wohl am besten nüchtern, also sachlich, geschrieben, sonst wirken sie gestelzt.
 
Die Floskeln der Beamten- oder Kanzleisprache verhunzen die Sprache ins Unverständliche, ins Kauderwelsch, würde ich sagen.
 
Vorsilben, so hilfsreich und vielseitig sie auch sind, können bei Bedarf oft ersetzt werden wie „Unglück“ mit „Pech“. Aus „Unglücksvogel“ wird ein „Pechvogel".
 
Wie begegnet man der Hauptwörterplage („Substantivitis“)? Verben/Hilfsverben straffen viele Sätze.
 
Viele Dialektausdrücke aus der Schweiz oder Österreich (weg mit dem Wort „Austria“!) haben sich im Hochdeutschen eingebürgert. Meiner Ansicht nach bringen sie belebende Farbtupfer in den Text.
 
Fremdwörter aus anderen Sprachen, spärlich benutzt, können da und dort unsere Sprache wie Pfeffer würzen. Ihrer zu viele versalzen sie.
 
Vulgäre amerikanische Wörter prasseln wie Geschosse ins Deutsch. Ich kann sie nicht ausstehen.
 
Schachtelsätze misslingen meistens. Thomas Mann konnte sie noch meisterhaft handhaben.
 
Abwechslung macht das Leben süss. Das trifft auch für Wörter zu.
 
Meine Vorliebe gilt den Aphorismen. So füge ich hier meinen heute geprägten Sinnspruch ein:
 
Sei wie der Kaktus: stachelig und genügsam, und blühe unter der Sonne. (Ich bin und bleibe so ein stacheliger Kaktus …)
 
Nachtrag: Wer nicht in der Bibel lesen mag, möge im Duden blättern. Dieser Exkurs ist bloss ein Querschnitt durch meine Gedanken beim Schreiben und Korrigieren, dem eigenen Hausgebrauch vorbehalten.
 
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