BLOG vom: 09.12.2012
Gedanken und Glücksmomente dank der weissen Pracht
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
Es schneit den ganzen Tag. Keine dicken Schneeflocken, sondern kleine, schmale, vom Wind voran getrieben. Sie fallen zur Erde und bleiben liegen. Schicht um Schicht erschaffen sie eine dicke weisse Decke aus Schnee. Der blaue Himmel und die leuchtende Sonne lassen sie anschliessend erstrahlen.
Eine unberührte Schicht hat sich gebildet. Noch kein Tier, kein Mensch hat seine Spuren im riesigen weissen Oberbett. Innen keine Daunen, nur Schnee, Schnee aus Millionen von Kristallen, gleichmässig geschaffene Sterne, Kristalle und Dendriten.
Tief sinke ich ein ins nachgebende Weiss. Was ich an Schnee verdränge, schiebt sich an den Seiten hinaus. Ich ziehe das Bein nach oben, beuge die Knie, und mein nächster Schritt versinkt wieder in der weissen Pracht.
Weit hinten auf dem Feld flieht ein Reh und sucht Schutz im weissen Winterwald. Es friert nicht; sein braunes Winterkleid hält es warm. So wie mich meine dicke, mit Daunen gefüllte Jacke. Wenn man sie auftrennen würde, kämen weisse Federn zum Vorschein, Federn, so weiss wie Schnee.
Ich stapfe voran, hinterlasse grosse Spuren im Schnee. Ich sehe kleine Zeichen von Vogelbeinchen und von Kaninchen, kaum sichtbar. Jetzt verraten sie uns ihre Anwesenheit. Ihre und meine Spuren werden noch ein paar Tage zu sehen sein.
Sieht man meinen Spuren die glücklichen Momente an, die der Fährtenmacher hatte, als er durch die kalte Winterluft stapfte? Minuten des Glücks in der Natur, eingraviert im Gedächtnis, noch lange, nachdem sie wieder verschwunden sein werden, die Spuren im Schnee.
Schneeflocken werden fortgewehtFallen durch die Nacht.Nichts, was jetzt da draussen steht,Wird nicht weiss gemacht.Felder, Wiesen unberührtMit einer weissen Decke.Jeder, der die Kälte spürt,Sucht sich ein Verstecke.Doch ich gehe hinaus, ein StückSehe die weisse Pracht.Empfinde den Moment als Glück,Nur für mich gemacht.
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