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BLOG vom 07.01.2013


Öffentlich & im Geheimen: Sinn & Unsinn in den Reimen
 
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Unsinn-Verse gibt es von Joachim Ringelnatz, Frank Wedekind, Robert Gernhardt und vielen anderen. Meistens kommt es nur darauf an, dass sie sich reimen.
 
Die Reimerei macht mit meinem 4-jährigen Enkelkind viel Spass. Es ist in einem Alter, wo es, teilweise auch aus dem Kindergarten, Reime sehr lustig findet, die irgendwie mit der Verdauung zu tun haben: 
Mein hübscher kleiner Po,
Der passt genau auf unser Klo.
Darüber bin ich richtig froh!
 
Ich furze um die Wett’
Mama schickt mich ins Bett,
das finde ich nicht nett.
 
Auf meiner guten Jacke
Fand ich heut’ Taubenkacke
Die Taube hatte wohl 'ne Macke! 
Aber es können auch andere Themen sein:
 
Mit Löchern in den Socken
Kann ich die Zehen locken.
Sie kriegen dann mehr Luft
Das hilft gegen den Duft!
 
Manchmal zähle ich Schafe
Bevor ich einschlafe.
Ich kann aber nicht so schnell zählen
Und will mich damit nicht quälen!
 
Ich trinke aus der Kanne
Und esse aus der Pfanne.
Tasse und Teller hab’ ich nicht.
Es ist ein schmackhaftes Gericht!
 
Ich esse braune rohe Eier
Vom Bauern-Laden des Herrn Meier.
Über Schmerzen in meinem Magen
Kann ich mich nicht beklagen!
 
Ich streue das vergessene Salz
Zum Rührei auf das Brot mit Schmalz.
Dazu trinke ich roten Wein,
Schales Bier lasse ich sein!
 
Der Wind wehte vom Dache
Ziegel mit lautem Gekrache.
Sie landeten auf dem Kopf
Von einem armen Tropf.
Er kam ins Krankenhaus.
Der arme, arme Klaus.
Er lag in einem Raum
Und hatte einen Traum.
Er träumte, er kann fliegen
Ohne Angst zu kriegen.
Die Landung war nicht nett.
Er fiel aus seinem Bett.
Und in sein Kopfkissen
Hat er sich ganz verbissen.
Er hat dann aufgeräumt
Und gar nicht mehr geträumt.
 
Aus meiner eigenen Jugendzeit stammen diese Verse: 
Ein Junge sah ein Mädchen
Da war er gleich in Brand
Er fand’s in einem Städtchen
An einem Blumenstand.
 
Sein Herz rutscht in die Hose,
der Jüngling weiss nicht wie.
Er schenkt ihr eine Rose
Und sagt: „Ich liebe Sie!“
 
Sie sahen sich dann täglich
Und waren voller Glück.
Und als sie ihm das Jawort gab,
wurd’ sie sein bestes Stück! 
Vielleicht erkennen Sie den Ursprung dieses Gedichts:
 
Meer und Ufer sind ganz verlassen.
Kaum ein Licht zu seh’n am Haus
Nur ganz wenige Menschen lassen
Ihre Hunde jetzt noch raus.
 
Und ich wandere immer weiter
Auf der Düne langem Band
Ach wie bin ich heut’ so heiter
Werd’ durch niemanden erkannt.
 
Einen Leuchtturm seh’ ich blinken
Weit hinten ist das fahle Licht.
Niemand soll im Meer versinken
Aber Schiffe seh’ ich nicht.
 
Ich erblicke auf der Düne
Meer und Wolken Grau in Grau
Wie auf einer leeren Bühne
im Halbdunkeln nach der Schau.
 
Gehe in mein warmes Zimmer
Trinke noch ein Gläschen Wein
Grüss’ den letzten Tagesschimmer
Und schlafe ganz selig ein.
 
Im Buch „Wie unterhalte ich meine Gäste“ von Agnes von Aarau, erschienen in der 2. Auflage in der Schwabacher’schen Verlagsbuchhandlung Stuttgart ums Jahr 1900, gibt es auch ein Kapitel Reimspiele. Beim 1. Vorschlag sollen die Gäste einen vorgeschlagenen Reim weiterführen, z. B.: 
Ein Mann ohne Geld
Kommt mir vor in der Welt ...
Wie ein Tisch ohne ein Bein
Und wie die Sonne ohne Schein. 
Derjenige, der das gesagt hat, kann sich dann an den nächsten wenden, der z. B. sagt: 
Wie ein Vogel ohne Feder
Und wie Schuhe ohne Leder... usw. 
Eine weitere Seite schlägt ein Reimspiel mit Fibelversen, also ABC usw. vor. Man beginne mit 
Aller Anfang ist sehr schwer,
und der Schüler quält sich sehr. 
Der nächste Gast greift den Reim auf und führt ihn fort: 
Auf dem Berg, da wohnt ein Ritter,
der trinkt des öft’ren Magenbitter.
 
Der Mann der hat Charakter,
in der Kneipe, da versackt er ... 
Ob es noch Tischgesellschaften gibt, die solche Spiele machen?
 
Reime habe ich immer gern gemacht.
Über manche hab’ ich selbst gelacht.
Kunst sind sie nicht, das weiss ich.
Pardon, aber darauf sch ... ss  ich!
 
Viel Spass beim Reimen! Man lasse Reime keimen.
 
 
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