Textatelier
BLOG vom: 18.02.2013

Kultur-Vandalismus: Die „entartete Kunst“ im 3. Reich

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London

 
Die Nazischergen verbrannten 1933 in Berlin und in anderen Städten immer wieder Bücher jüdischer Autoren und solche von anderen Schriftstellern, die von Adolf Hitler und Konsorten als „entartet“ eingestuft worden waren. Auch die Werke der Avantgarde der modernen Kunst (Expressionismus, Dadaismus, Kubismus usw.) wurden 1937 als „entartet“ aus 32 deutschen Museen geräumt – insgesamt 1273 Kunstwerke. Die Despoten verhängten Schreib- und Malverbote über Künstler; auch Wissenschaftler wurden von dieser barbarischen Willkür gegen die Kultur betroffen. Ihrer Existenzgrundlage beraubt, flohen viele ins Ausland. Andere wählten die innere Emigration oder passten sich an.
 
Als Wanderausstellung aufgemacht, wurden 1937 als „entartet“ bezeichnete Kunstwerke ausgestellt. Sie sollten im Publikum Abscheu erwecken. Das ist, laut zeitgenössischen Quellen, nur teilweise gelungen. Das Volk interessiert sich gemeinhin wenig für Kunst … Anstelle der modernen Kunst klecksten Nazi-Pinselstreicher geleckte Nackedeien auf die Leinwand, produzierten Bauern- und Familienidylle en masse, die dem Massengeschmack entgegenkamen. Damit wurde das kritische Urteilsvermögen weiter Kreise eingeschläfert. Sie glaubten sich in der trauten Heimat geborgen. Dem folgte ein jähes und grausliches Erwachen.
 
Was geschah mit den diffamierten Kunstwerken? Sie wurden teils von den Nazis eingelagert, teils vernichtet. Hitler brauchte Devisen. So kam es, dass eine Anzahl der konfiszierten Werke ausserhalb von Deutschland versteigert wurde. Im Juni 1939 wurden als „entartet“ eingestufte Werke in der Schweiz zu Spottpreisen versteigert, worunter Werke von Vincent van Gogh, Pablo Picasso und Georges Braque.
 
Welche Künstler und Wissenschaftler wurden von den deutschen Barbaren verfolgt? Hier nenne ich aus der langen Liste folgende Namen, die heute zu den Ausgezeichneten gehören: Emil Nolde, Ernst Barlach, Oskar Kokoschka, Paul Klee, Lovis Korinth, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig, Sigmund Freud und Albert Einstein.
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Kunst und kultureller Nachlass werden, seitdem der Mensch auf 2 Beinen geht, weiterhin weltweit zertrümmert wie im Irak, in Afghanistan und anderswo – heute von den westlichen Kriegsnationen, allen voran Amerika, verübt und als „collateral damage“ (Kollateralschaden) abgeschrieben. Terroristen halten dabei ebenfalls wacker mit. Eine intellektuelle Höherentwicklung ist nicht auszumachen.
 
Hinweis
Norden Albert: „Das Braunbuch“, 1965 veröffentlicht. Es enthält Hinweise zu Kriegs- und Nazi-Verbrechen.
 
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