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BLOG vom 05.07.2013


Kräutertag im Glottertal: Schicken Sie Ihre Organe zur Kur
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Eine Unterlassungssünde ist bereinigt: Ich war bisher noch nie im prächtigen Glottertal, noch nie in diesem Teil des Naturparks Südschwarzwald. Ich kannte den gleichnamigen Weinort mit seinen 3000 Einwohnern nur von der Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“, die ab 1983 in 70 Folgen ausgestrahlt wurde. Die Aussenaufnahmen wurden hier gedreht, die Innenaufnahmen in einem Hamburger Studio. Viele Gäste strömten damals ins Tal und wollten den Chefarzt Dr. Brinkmann (Klausjürgen Wussow) und die Klinik Carlsbau der Rehaklinik Glotterbad in natura erleben. Sie hatten aber Pech. Es war kein Chefarzt zu sehen. Dafür aber eine grandiose Landschaft und der mächtige Carlsbau.
 
In der Werbung wird das Tal als „das Geniessertal im Südschwarzwald“ gepriesen. Die Gäste sollen eine Vielfalt erleben, „wo sich Wälder und Weinreben die Hand reichen“.
 
Mein erster Eindruck war, dass das Tal mit dem Ort zu den schönsten Ferienregionen in Südbaden zählt. Schon am Ortseingang fiel mir ein alter Schwarzwaldhof auf, den ich gleich in Augenschein nahm. Wie ich später erfuhr, wurde der reetgedeckte Flammhof 1713 erbaut. Als ich das Alter noch nicht wusste, schätzte ich den Hof auf 300 Jahre.
 
Im langgezogenen Ortskern entdeckte ich zauberhafte Fachwerkhäuser, urige, historische Gaststätten, den pittoresken Kirchplatz und lauschige Plätze an der Glotter. In der Gesamtgemeinde Glottertal gibt es noch 70 urige Schwarzwaldbauernhöfe. Hier wird reine Schwarzwaldromantik geboten!
 
Leider hatte ich wenig Zeit, mich genauer umzusehen, da am 23.06.2013 der Besuch des 2. Badischen Kräutertags anstand. Ein solcher Tag wird alle 2 Jahre in einem anderen Ort veranstaltet. Die Veranstalter des diesjährigen Kräutertags waren der Bauerngarten und Wildkräuterland Baden e.V., der Naturpark Südschwarzwald, die Glottertaler Landfrauen und die Gemeinde Glottertal.
 
Die Gäste strömten in Scharen zu dieser Veranstaltung. Wie ich hörte, waren zwischen 5000 und 6000 Besucher da. Geboten wurden Führungen, Vorträge, Infos über Honig- und Wildbienen, Infos über die Herkunft und Heilwirkung unserer Gemüsesorten. Es gab auch ganztägige Mitmachangebote für Kinder. Sehr interessant waren die Verkaufsstände auf dem Freigeländer vor der Eichberghalle. Der Landfrauenverein Glottertal verwöhnte die Gäste mit Kräuterköstlichkeiten, Deftigem und natürlich auch mit Kaffee und Kuchen.
 
In der Premium-Gärtnerei Rombach verspeiste ich mit Wonne einen Gemüsekuchen mit einer Salatbeilage. Ursel Bühring, die ich kurz vorher kennengelernt hatte, gesellte sich zu mir. Wir konnten uns nur kurz bei diesem Mittagsmahl unterhalten, da sie Vorbereitungen für ihren Vortrag „Kuren für Körper und Seele“ in Angriff nehmen musste. Frau Bühring verspeiste übrigens ein Lachsgericht.
 
Bevor ich in den Vortragssaal ging, erblickte ich auf dem Gelände der erwähnten Gärtnerei das „Alte Molze Hüsli“. Das Haus wurde 1914 von den damaligen Hofeigentümern vom Molzenhof als „Leibgedinghaus“ gebaut. In diesem Haus war eine Ausstellung mit vielen Utensilien, Blumenarrangements und alter Hausrat zu sehen.
 
Ausgezeichneter Vortrag von Ursel Bühring
Dann war es Zeit für den Vortrag. Ich konnte gerade noch einen Sitzplatz ergattern, da schon etwa 200 Zuhörer anwesend waren. Es mussten noch einige Stühle bereitgestellt werden. Einige Interessenten sassen später sogar auf dem Boden und lauschten der Vortragenden aufmerksam zu.
 
Ursel Bühring, Verfasserin des Buches „Kuren für Körper und Seele“, das ich in einem Blog vom 31.01.2013 („Rund ums Jahr zu empfehlen: Kuren für Körper und Seele“) vorstellte, ist eine exzellente Kennerin der Heilpflanzen. Nach einführenden Worten der 2. Vorsitzenden des Bauerngarten- und Wildkräuterland Baden e.V., Eva-Maria Schüle, legte die Gründerin der Freiburger Heilpflanzenschule los.
 
Mittels Bilderprojektion (Beamer) und mit einem Mikrofon bewaffnet, erklärte sie den Zuhörern, dass es sehr wichtig sei, unsere Organe mit Heilpflanzen zu pflegen, um gesund zu bleiben. Ihre Botschaft lautete: „Vorbeugen muss einfach sein, nebenher gehen, Spass machen und gut schmecken.“
 
„Schicken Sie Ihre Organe in die Kur“, brachte die agile Heilkräuterfrau den Gästen zu Gehör. Für jede Jahreszeit gibt es spezielle Heilpflanzenkuren. Jeder kann sich das Passende heraussuchen und die Organe pflegen. Frau Bühring, die ab und zu auch gern Humorvolles im Vortrag einbaute und Fragen stellte, verstand es sehr gut, die Zuhörer zu begeistern.
Einige der vorgestellten Heilkräuter werde ich jetzt präsentieren.
 
„Müdigkeit ist der Schmerz der Leber“
Die Referentin betonte, dass die Mariendistel die beste Leberpflanze sei und kein synthetisches Präparat ihr das Wasser reichen kann. Sie schützt die Leberzellen vor Giften. Nach 2 Wochen Einnahme der Früchte oder eines Präparats verbessert sich das Allgemeinbefinden. Ursel Bühring: „Der Appetit verbesserte sich, die lähmende Müdigkeit (sie wird auch als der ,Schmerz der Leber’ bezeichnet), Übelkeit, Fettunverträglichkeit und der quälende Blähbauch nahmen ab, und die körperliche Leistungsfähigkeit wurde zunehmend besser, wie Studien belegten.“ Wichtig zu wissen ist, dass die Pflanze eine der wenigen ist, die auch bei längerer Anwendung keine Nebenwirkung hat.
 
Süssholz, der Magenschmeichler
„Wer mag keine Lakritze?“ wollte die Referentin wissen. Viele der Anwesenden streckten ihre Hände in die Höhe. Da wusste Ursel Bühring, dass die aus dem Süssholz gewonnene Lakritze („Bärendreck“) nicht so beliebt ist. Die Referentin schwärmte vom Süssholz, da es hervorragend die Magenschleimhaut schützt. Sogar Napoleon nahm Süssholz in Form von Lakritze auf seine Kriegszüge mit, um seinen Magen zu beruhigen. Er litt unter starkem Sodbrennen. Süssholz wirkt auch auf die Atemwege sekretionslösend, entzündungshemmend, schleimhautschützend, hustenreizmindernd und auswurffördernd.
 
Zu beachten ist, dass Süssholz nicht länger als 4‒6 Wochen und nicht zu hoch dosiert eingenommen werden sollte, da sonst cortisonähnliche Effekte auftreten können. Es sollte auch nicht gleichzeitig mit Herzmitteln oder bei schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, Bluthochdruck und Schwangerschaft eingenommen werden.
 
Cranberries verhindern Blasenentzündung
Die kugelrunden roten Beeren unterstützen die Stärkung der Blasengesundheit, verhindern das Anhaften von Bakterien an die Zellen des Harntrakts (wirksam sind die Proanthozyanide). Die Bakterien werden über den Urin ausgeschwemmt. Cranberries verhindern eine Blasenentzündung im Vorfeld. Die Wirkstoffe schädigen nicht die Darmflora.
 
Cranberries enthalten Oxalsäure. Deshalb sollten Nierensteinkranke die Früchte nur nach Rücksprache mit einem Therapeuten einnehmen.
 
Brennnessel bei Rheuma
Jeder Pflanzenteil liefert Hausmittel und Medikamente, insbesondere bei Harnverhaltung, rheumatischen Erkrankungen und Prostatabeschwerden. Die Vitalitätssteigerung des Samens ist bekannt. Früher gaben gewiefte Pferdehändler den Tieren, bevor sie veräussert wurden, Nesselsamen ins Futter. Die Tiere wurden lebhafter, bekamen ein glänzendes Fell und einen feurigen Blick.
 
Die Brennnessel gehört zu den basischen Wildkräutern. Sie reguliert den Säure-Basen-Haushalt. Laut der Kommission E werden Brennnesselkraut und Brennnesselblätter zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, vorbeugend bei Nierengriess und zur unterstützenden Behandlung bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt.
 
In einer Studie mit einem Extrakt aus Brennnesselblättern reduzierten sich bei den Patienten mit Arthrose und Rheumatoider Arthritis in 82 % der Fälle der Ruheschmerz, der Bewegungsschmerz und die Bewegungseinschränkung.
 
Kapuzinerkresse stärkt Abwehrkräfte
Ein Präparat mit dieser Pflanze nimmt die Referentin immer mit auf Reisen, da die Kapuzinerkresse vor Infektionen schützt. Die Kapuzinerkresse enthält nämlich ein pflanzliches Antibiotikum. Die Inhaltsstoffe (Senfölglykoside, Flavonoide, Vitamin C) stärken das Immunsystem. Bakterien und Viren werden in ihrem Wachstum gehemmt. Die Inhaltsstoffe wirken sogar gegen krankmachende Pilze.
 
Hier sind die Wirkungen zusammengefasst:
O Natürliche Infektabwehr ohne Nebenwirkungen, keine Allergien, keine Resistenzen.
O Die Senfölglykoside werden im Dünndarm resorbiert, es erfolgt keine Störung der Darmflora.
O Senfölgylkoside werden über Niere und Atemwege ausgeschieden und wirken dort (auch bei vereiterten Mandeln).
 
Diese wunderbare Pflanze kann man auch für Gerichte verwenden.
 
Rosenwurz – wacher Kopf und gute Nerven
Ein Wurzelextrakt der Rosenwurz (Rhodiola rosea) wird bei Müdigkeit, tiefer Erschöpfung bis zum Burnout-Syndrom, bei leichten Depressionen und als unterstützendes Mittel zur Stärkung und Erhöhung der Widerstandskraft verwendet. Der Extrakt hilft dem Körper, in belasteten Situationen mit Stress besser umgehen zu können, er beruhigt bei Stress, ohne müde zu machen. Er erhöht die natürliche Widerstandsfähigkeit, schützt Zellen vor Zellschäden (wirkt antioxidativ), beugt chronischen Krankheiten und vorzeitiger Alterung vor. Die Rosenwurz erhöht auch die Belastbarkeit bei Prüfungsstress.
 
Die Rosenwurz zählt wie der Ginseng oder die Taigawurzel zu den adaptogenen Pflanzen. Diese bewirken eine Erleichterung der Anpassung an belastende Situationen.
 
Die Wirkungsweise wurde vor allem in Skandinavien, Russland und Armenien erforscht. Bei Studenten wurden nach dem Einnehmen des Extrakts die geistige Leistungsfähigkeit sowie die neuromotorischen Fähigkeiten während einer Prüfperiode erhöht.
 
Eine weitere Studie: 54 Ärzte wurden im Neurologischen Institut der Armenischen Staats-Universität in Yeriwan untersucht. Die Versuchsteilnehmer erhielten einen Rhodiola-Extrakt. Sie wollten herausfinden, wie sich das Medikament auf die geistige Leistungsfähigkeit und die stressinduzierte Ermüdung während der Dienstzeiten mit Nachtschichten auswirkt. Das Ergebnis war verblüffend: Die Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit bei Nachtschichten wurde nach einer mehrwöchigen Einnahme um 20 % verringert.
 
Rosenwurz stärkt emotionale Stabilisation, bringt Energie in Phasen grosser Erschöpfung.
 
Einnahmehinweis: 2 bis 3 Monate Einnahme eines Präparates (Kapseln, Dragees, Tinkturen), dann Pause, später kann das Präparat wieder eingenommen werden.
 
Buchweizen gut für Blutgefässe
Das Knöterichgewächs enthält Flavonoide, darunter bis zu 90 % des gefässschützenden Rutins! Die Flavonoide wirken antioxidativ, das heisst, sie können schädliche Sauerstoffradikale abfangen. Sie schützen Zellen und beugen Arteriosklerose vor. Buchweizen verbessert die Elastizität und Blutzirkulation bis in die kleinsten Gefässe, mindert die Anfälligkeit für Entzündungen und ist hilfreich bei chronischen Venenleiden. Der Tee aus dem Buchweizenkraut oder entsprechende Medikamente werden auch für die Langzeitanwendung empfohlen.
 
Weissdorn schützt das Herz
Laut Ursel Bühring ist der Weissdorn die Nummer 1 der Herzmuskelunterstützung. Besonders sympathisch ist, dass der Weissdorn keine Nebenwirkungen hat und sich zur Langzeiteinnahme eignet.
 
Das Rosengewächs stärkt den Herzmuskel, macht das Herz belastbarer, stabilisiert den Herzrhythmus, reguliert den Blutdruck, unterstützt die Herzfunktion bei Nervosität, Angst, Depressionen und bei Schlafstörungen. Der Weissdorn reguliert das für Stress zuständige vegetative Nervensystem und senkt die Ausschüttung von Stresshormonen. „Weissdorn ist auch eine wichtige Pflanze für Hochleistungssportler, Bergsteiger und Leute, die in grossen Höhen unterwegs sind“, so Ursel Bühring in ihrem Buch „Kuren für Körper und Seele“.
 
Kleines Fazit
Es war ein ausgezeichneter Vortrag von Ursel Bühring. Die zahlreichen Zuhörer waren begeistert und zollten ihr am Schluss reichlichen Beifall. Die Gründerin der Freiburger Heilpflanzenschule hatte es verstanden, die Wirkungen von Heilpflanzen eindrucksvoll darzustellen. Die Heilpflanzen wurden wieder in das Bewusstsein der Anwesenden gerückt. Das ist gut so, weil mit diesen Schätzen der Natur viele Beschwerden, und das oft ohne Nebenwirkungen, behandelt werden können.
 
Anhang: Weissdorn half auch der Katze
Unsere Katze, die im 15. Lebensjahr steht, hat eine Herzmuskelschwäche und eine Wasseransammlung in der Lunge. Sie erhält vom Tierarzt regelmässig eine Diuretikum-Spritze und von uns täglich ein flüssiges Diuretikum ins Futter. Das Wasser in der Lunge wird regelmässig mit dem Urin ausgeschieden.
 
Da kam mir die Idee, wenn Weissdorn dem Menschen bei Herzmuskelschwäche hilft, warum nicht bei einem Tier? Wir gaben unserer Katze täglich einen halben Teelöffel eines Weissdorn-Präparats in flüssiger Form. Sie wurde lebhafter, entwickelte einen guten Appetit und die ab und zu auftretenden demenzartigen Erscheinungen (sie wusste manchmal nicht mehr, wo das Katzenklo ist) verschwanden. Als ich dem Tierarzt das sagte, meinte er, Weissdorn helfe bei so einer schweren Krankheit nicht. Die Geschichte erzählte ich Ursel Bühring nach dem Vortrag. Sie betrachtet es als richtig, wenn wir der Katze weiterhin Weissdorn ins Futter geben, denn: Weissdorn unterstützt das Herz in allen Phasen.
 
 
Internet
 
Bibliographische Angaben
Bühring, Ursel: „Kuren für Körper und Seele“ (Untertitel: „Organe pflegen mit Heilpflanzen“), Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2012. ISBN: 978-3-8001-7672-4
 
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