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BLOG vom 27.08.2013


Kinder als Flüchtlinge: Aspekt der Opferbilanz aus Arabien
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
„Die Verteidigung des Friedens ist identisch mit der Verteidigung der Kultur.“
Arnold Zweig, 1958.
*
Seit dem Ausbruch des Syrien-Konflikts sind 1 Million Kinder vor der Gewalt ins Ausland geflüchtet. Minderjährige machten damit mindestens die Hälfte aller syrischen Flüchtlinge aus, deren Zahl mit 2 bis 3 Millionen angegeben wird. Dies teilten das Kinderhilfswerk UNICEF und das Flüchtlingskommissariat UNHCR am 23.08.2013 mit. Mehr als 740 000 Flüchtlinge sind unter 11 Jahre alt. Zudem seien rund 7000 Kinder während des seit zweieinhalb Jahren anhaltenden Aufstands gegen die Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad getötet worden; wie viele Opfer zulasten der Regierugstruppen und wie viele zulasten der ausländisch gesteuerten Rebellen gehen, ist nicht auszumachen.
 
Diese Meldung zeigt nur einen Teil des unbeschreiblichen Elends an, das während des sogenannten Arabischen Frühlings angerichtet worden ist. Der Westen heizt die Unruhen auch in Syrien tatkräftig an – finanziert Rebellen, liefert Waffen, intensiviert Krieg und Elend. Der Tourismus in den Ländern, in denen ein grosser Teil des Weltkulturerbes vorhanden ist, bricht ebenso ein wie die dortige Wirtschaft.
 
Die Bevölkerung in den betroffenen Staaten und ausserhalb davon ist aufgrund übelster Manipulationsstrategien falsch informiert, zieht die falschen Schlüsse, weiss nicht, welche Beweggründe hinter den fremdgesteuerten Rebellionen stehen, lässt sich einspannen. Politik- und Medienkompetenz konnten sich nie entfalten. In der „NZZ“ vom 23.08.2013 schrieb der ägyptische Schriftsteller Youssef Rakha, ein Beispiel aus der Region aufzeigend: Nichts ist in meinen Augen dieser Sicht der Dinge ähnlicher als die amerikanische Berichterstattung über Israel, die das Leiden der Zivilbevölkerung quasi routinemässig ausblendet, solange es die Palästinenser betrifft; denn die Palästinenser werden als Feinde des Staates Israel angesehen, und ihre Misshelligkeiten gelten als unvermeidbarer Teil des Preises, der für das Überleben jenes Staates zu erlegen ist.“ Die übliche Form „freiheitlicher“ Hofberichterstattung über internationale Verbrechen. Viele Journalisten werden zu Mittätern. Wenn eine neutrale Berichterstattung unmöglich ist, sollten sie bitte nicht in die Tasten greifen. Um es in einer Metapher zu zeichnen: Vollpfostenjournalismus, der das Blödfieber verbreitet.
 
Selbst das Zuschauen aus sicherer Distanz wird zur Qual. Die grossen Politiker, die Husni Mubarak, der am 11.02.2011 gestürzt, angeklagt und am 22.08.2013 von einem Gefängnis in ein Spital verlegt wurde und nicht mehr als Häftling gilt, als einem von ihnen Hände schüttelten, haben sich auf US-Geheiss von diesem ägyptischen Diktator als Verbündeter und Freund abgewandt. Sie nahmen es hin, dass jetzt alles noch viel schlimmer als unter seinem Regime ist, wie auch der kundige Peter Scholl-Latour bei Maybrit Illner am 22.08.2013 beim ZDF feststellte. Dafür wird Saudiarabien vom Westen gehätschelt, auch wenn dort die Scharia (das auf den Koran abgestützte islamische Recht) gilt, das vom Westen sonst nicht toleriert wird und in eine Pseudodemokratie umgewandelt werden muss. Das demokratisch gewählte Regime von Mohammed Mohammed Mursi Isa al-Ayyat musste weichen (er hatte sich zudem abfällig über Israel geäussert), und die US-finanzierte Armee wiederholte die Zustände wie unter Mubarak, aber mit gesteigerter Brutalität, die sich jetzt vor allem gegen die Muslimbrüder richtet, die man aus der Politik heraushalten will, obschon sie eine starke Kraft in Ägypten sind: eine neue Form von sektorieller „Demokratie“ als repressiver Staat.
 
Es geht hier nicht darum, das ganze Drama des Arabischen Frühlings nachzuerzählen, sondern das Augenmerk soll auf die dadurch ausgelösten Flüchtlingsströme gerichtet werden, soweit sie nicht als Bootsflüchtlinge das Leben verloren haben. Man schiebt sie überall so schnell als möglich wieder ab, nach italienischem Muster, das viele Bootsflüchtlinge nach Libyen zurückschickte – hinein in unmenschliche Bedingungen. Auch die Schweiz kämpft gegen die Flüchtlingsflut an, zwischen ihrer humanitären Gesinnung und den oft schwer zu bewältigenden Aufgaben und Integrationsbemühungen schwankend. Seit Evelyn Widmer-Schlumpf ist das Asylwesen ein Trümmerhaufen, und ihre Nachfolgerin im Justiz- und Polizeidepartement, Simonetta Sommaruga, wollte zwar aufräumen, schaffte es aber noch nicht, verliert sich in Widersprüchen.
 
Je nach ihren Möglichkeiten wählen sich die Flüchtlinge ihre Ziele selber aus, wobei selbstredend wohlhabende Länder wie die Schweiz eine besonders grosse Anziehungskraft entfalten. Die USA, die über ihre Geheimdienste nach wie vor in aller Welt für Unruhen, Unfrieden und Bürgerkriege mit ausländischen Söldnerbeteiligungen sorgen und diese aus ihren leeren Kassen finanzieren, die sich zu grossen Flächenbränden entwickeln können, kommen im Flüchtlingswesen fast ungeschoren davon. Sie haben die Zahl der Flüchtlingsplätze auf 50 000 pro Jahr begrenzt – laut dem UNHCR-Vertreter Michael Lindenbauer sind derzeit weltweit 45 Millionen Menschen auf der Flucht, was annähend der 6-fachen Einwohnerzahl der Schweiz (8,03 Mio., wovon 23.3 % Ausländer) entspricht. In der Schweiz werden pro Jahr rund 25 000 Asylgesuche gestellt.
 
In der Weltpolitik gibt es keine Moral, keine Gerechtigkeit, und Zusammenhänge werden ausser Acht gelassen. Ist es normalerweise üblich, Schadenverursachern Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten aufzubürden und von einer Strafaktion zu begleiten, gilt das alles in der US-beherrschten Welt nicht. Täter kommen ungeschoren davon, haben gewissermassen eine imperialistische Immunität wie einst Kirchenführer, Kaiser und Könige. Gegen sie war nichts auszurichten – und mochten ihre Verbrechen auch noch so gravierend sein.
 
Weil es mit Ausnahme von einzelnen Despoten, an denen ein Exempel statuiert werden soll, keine Schuldzuweisungen geben darf und gibt, ist es auch unmöglich, Kriegstreibernationen wie die USA und Israel zur Rechenschaft zu ziehen. Dadurch wird ihr Spiel erleichtert, ihr Risiko verkleinert. Die Kriegsbedrohung aber wächst. Die bedrohten Länder müssen logischerweise aufrüsten, wo möglich mit Atombomben (Iran). Selbst eine friedliebende Nation wie die Schweiz muss alle Versuche, ihre Armee (wie schleichend über die Abschaffung der Wehrpflicht) aufzulösen, energisch von der Hand weisen – vor allem Linke und Grün-Linke haben das noch nicht eingesehen.
 
Die Lösung könnte nur von den Vasallenstaaten kommen, die selbständig zu denken beginnen und ihr Mitläufertum endlich beenden müssten, allein schon im eigenen Interesse. Doch wie von einer ausgeprägten Geistesschwäche befallene Volltrottel trotten sie die US-Befehlen hinterher, beteiligen sich an den Zerstörungswerken, für die sie dann geradestehen müssen.
 
Das Flüchtlingswesen muss, wie auch jede Krankheit, an den Wurzeln, bei den Ursachen, angegangen werden. Statt auf kriegerische Aktionen müsste auf die Kunst der Verhandlung, auf die Einbindung statt Ausgrenzung und auf die Toleranz von andersartigen Strukturen gesetzt werden. Mit anderen Worten: Es braucht Politiker, die Intelligenz und nicht Machtdemonstrationen als Kriegsherren zur Schau stellen wollen. Die asiatische und die abendländische Geistesgeschichten haben viele Denker hervorgebracht (von Immanuel Kant bis Bertrand Russel und Carl Friedrich von Weizsäcker), die wegweisend sein könnten, angefangen im prähistorischen China, wo vor Jahrtausenden eine Harmonie angestrebt wurde. Die griechische Antike ihrerseits steuerte allmählich den Frieden als Normalzustand an. Selbst der Islam verbietet Aggressionskriege und erlaubt nur Verteidigungskriege, der Schweiz im Prinzip nicht unähnlich. Bei den aktuell gebliebenen Geistesgrössen kann man nachlesen, falls die eigene Geisteskraft nicht ausreicht, um einen Beitrag ans Befrieden der Welt zu leisten.
 
Nur so könnte auch das Flüchtlingselend verhindert werden, unter dem viele leiden ... am meisten die direkt Betroffenen selber, aber indirekt auch die Menschen in der destabilisierten, globalistierten Welt.
 
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