Textatelier
BLOG vom: 20.10.2013

Der Film: Le Week-End – Die Perlenhochzeit in Paris

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Das Ehepaar Nick und Meg aus Birmingham GB hatte beschlossen, ihre Perlenhochzeit in Paris zu feiern, wo sie ihre Flitterwochen vor 30 Jahren verbracht hatten. Das damalige Hotel schlugen sie aus und bezogen stattdessen ein Luxushotel. Erst in Paris gestand der Philosophieprofessor seiner Frau, dass er seine Stelle verloren habe.
 
Wie sie die vielen Stufen zum Sacré Coeur erklommen, rangen sie nach Atem – beide hatten die Vorstufe des Alterns erreicht. Sie fanden immer wieder Anlass, um miteinander zu zanken. Nick war ein sparsamer Mann, um Gegensatz zu Meg. Nach einem teuren Abendessen nahmen sie, wie der Engländer sagt, „French leave“. Nick stand draussen mit seinem und ihrem Mantel. Meg fand einen Seitenausgang, und die Zechpreller flohen und verloren sich hurtig im Getümmel der Leute.
 
Ihr 2. Versuch, das Hotel zu verlassen, ohne die teure Rechnung zu begleichen, misslang. Mittellos und ohne ihre Pässe sassen sie resigniert in einem Bistro.
 
Tags zuvor waren sie zufällig auf der Strasse einem ehemaligen Schüler von Nick begegnet. Spontan lud Jeff sie zu einer Party in sein feudales Appartement. Wie sie wiederum schnaufend die Stufen zum Appartement erklommen, erfuhr Nick, dass sich Meg von ihm scheiden wollte. Der Mittelpunkt des Films war ihr Auftritt in der Party. Vor dem Essen wurden Toasts ausgetauscht. Nick lieferte einen merk- und denkwürdigen Toast, der hier nicht ausgeplaudert sei.
 
Erschien Jeff als ihr Retter in der Not? Das bleibe dahingestellt. Zu Dritt tanzen sie zuletzt gar vergnügt im Bistro …
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Ich schreibe nur über Filme, die mir gefallen oder mich beeindruckt haben. Ich glaube, viele Ehepaare vorgeschrittenen Alters zanken gewohnheitsmässig, wie Nick und Meg, und geniessen dazwischen lichtere Ruhepausen.
 
Aus ihrem gewohnten Alltagstrott gerissen, benahm sich das Paar keineswegs altersgemäss in Paris. Längst unterdrückte sexuelle Wünsche stiegen in Nick auf. Der abgetakelte Philosophieprofessor, und auch seine Frau, eine Lehrerin in der Mittelschule, träumten von einem neuen und erfüllten Leben ausserhalb ihrer zur Routine erstarrten Berufe. Dieses lässt sich schwerlich verwirklichen.
*
Die beiden Briten Roger Michell und Hanif Kureishi (Novellist) haben diesen Film geschaffen, eindrücklich von den Hauptpersonen Jim Broadbent und Lindsay Ducan gespielt. Andere gemeinsame Filme, die Anklang gefunden haben, sind „My beautiful Laundrette“, „Notting Hill“, „Changing Lanes“.
 
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