Textatelier
BLOG vom: 04.11.2013

Der Herr Gantenbein, der im blauen Dunst verschwand

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Heute versuche ich, etwas aus dem Stegreif der Fantasie zu schreiben, mit dem spielerischen Hintergedanken, da und dort einem Leser einen Leitfaden für seine eigene Kurzgeschichte zu reichen. Alles beginnt mit einer leeren Seite. Wird mir Herr Gantenbein aus der Patsche helfen? (Ein inhaltlicher Anknüpfungspunkt ist gefunden.)
*
 
Ich kenne Herrn Gantenbein nicht. (Viele Gestalten muss man sich in der Vorstellung schaffen.) Da kommt er schon und nähert sich mir mit beschwingten Schritten, klopft mir auf die Schultern und schlägt einen Spaziergang vor. Der Tag ist heiter, und ich nehme seinen Vorschlag an.
 
„Stell dir vor, heute bin ich vom Velo gefallen, doch ist mir nichts geschehen. Die Velokette hatte sich vom Zahnrad gelöst… Gestern hat sich erst noch ein Backenzahn gelöst“, fuhr er fort, „zum Glück habe ich ihn nicht verschluckt.“ (Wohin führt so ein Anfang?)
 
„Nur ausser Haus darf ich rauchen“, zündete er eine Zigarette an. Herr Gantenbein verschwand im blauen Dunst. (Ein Überraschungselement ist gefunden.)
 
Wie ist das möglich? Ich bin mir nicht bewusst, dass es ein blaues Wunder gibt. Ich setzte meinen Spaziergang allein fort. Als ich die Strasse überqueren wollte, hielt ein Elektromobil neben mir an. Herr Gantenbein hatte sich in einen Milchmann verwandelt. „Komm, steig ein!“ forderte er mich auf. Da und dort hielt er an und lieferte 1 oder 2 Flaschen Milch ins Haus. „Nächsten Monat werde ich pensioniert. Wenn du Lust hast, kannst du meine Runde übernehmen. Bist du ein Frühaufsteher?“ fragte er mich. Ich bejahte.
 
So widerfuhr mir ein milchweisses Wunder. „Jetzt kannst du mir die Milch ins Haus liefern“, sagte meine Frau und fügte verhalten hinzu – hoffentlich gratis, aber es muss Magermilch sein, um mich vor dem Cholesterin zu schützen.“
 
Bei den Hausfrauen wurde ich zum Hahn im Korb. Meine Runde verlängerte sich dementsprechend, denn Frauen plaudern fürs Leben gern. (Das füge ich bloss hinzu, um mich nicht ins falsche Licht zu rücken.) – Ich brauchte nicht länger zu grübeln, um dieses Geschichtlein zu beenden, etwa so:
 
Nebst Milch liefere ich auch Eier – ein Frühstücksei, wie dieses, woraus ich einen Eiertätsch gemacht habe, will besagen „Omelette“.
 
Hinweis auf weitere Feuilletons von Emil Baschnonga
Hinweis auf weitere Blogs von Emil Baschnonga
Juni-Aphorismen
Mai-Aphorismen
April-Aphorismen
Der Träumer
Der vermeintliche Obdachlose
März-Aphorismen
Februar-Aphorismen
Januar-Aphorismen
Dezember-Aphorismen
November-Aphorismen
Oktober-Aphorismen
September-Aphorismen
Die verlorene Handtasche
August-Aphorismen
Juni-Aphorismen