Textatelier
BLOG vom: 03.11.2013

Die globalen Mobilmachungsfolgen und das Beispiel Kosovo

Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Auf unserer Erde ist eine Generalmobilmachung im Gange, eine Mobilisierung, die in der Kriegssprache für die Erstellung der Kriegsbereitschaft steht. Im „Wörterbuch der Politik“ von Henning Frank (Heyne Lexika 4819/20) ist der Begriff Mobilmachung wie folgt definiert: „Die Überführung der bewaffneten Streitkräfte eines Landes in den Kriegszustand durch die Einberufung der Reservisten, Aufstellung von Reserve- und Ersatztruppenteilen und die Umstellung der gesamten Volkswirtschaft von der Friedens- und Kriegswirtschaft.“
 
Das klassische strategische Geschehen tritt heutzutage in einer grossen Variationsbreite auf. Oft ist die lehrbuchmässige Reihenfolge auf den Kopf gestellt: Zuerst sind es die mit Geschäften verbundenen Kriege, die zu riesigen Mobilisationen in der Gestalt von Fluchtbewegungen führen. Zerstörte Lebensräume zwingen die Menschen zur Auswanderung ins Ungewisse. Ein weiterer Grund für Mobilmachungen ist das Wohlstandsgefälle: Wo bittere Armut herrscht, hält einen nichts mehr zurück; man will weg und anderswo am Wohlstand teilhaben. Menschen werden entwurzelt, und in den Gastländern werden sie als unerwünschte Last empfunden. Spannungen sind unausweichlich.
 
Wanderbewegungen ergeben sich auch aus der globalisierten Wirtschaft: Grössere Unternehmen (Konzerne) sind weltweit tätig, verlagern ihre Produktionsstätten, wo die Löhne wesentlich kleiner sind, suchen günstigere Steuersitze. Solche Dezentralisationen führen ebenfalls Wanderbewegungen. Auch im bescheideneren Stil kommt es dazu, gewissermassen als Folge planerischer Aufteilungen in Wohnen hier und Arbeiten dort.
 
Mit dem verhältnismässig günstigen Angebot von Transportkapazität auf dem Lande, auf dem Wasser und in der Luft werden dezentral aufgeteilte Produktionen ermöglicht, aber auch ein weltweites touristisches Angebot. Die Wanderameisen, die bezeichnenderweise auch Treiber- oder Heeresameisen genannt werden, haben eine ernsthafte Konkurrenz erhalten. Das Nomadentum erlebt seine Wiederauferstehung. Und die intensivierte Mobilität erleichtert auch Raubzüge handwerklicher Art wie Einbruchdiebstähle.
 
In Bezug auf die Dinge gibt es eine Redensart: „Jedes Ding an seinem Ort, erspart viel Zeit und böse Wort ...“. Natürlich soll hier nicht für ein generelles Reiseverbot plädiert werden, doch für ein anzustrebendes Prinzip: „Jeder Mensch an seinem Ort ...“.
 
Eines der bezeichnenden Beispiele für die Folge von Menschenverschiebungen ist das ehemalige Herzstück von Serbien, der Kosovo, in dem bei der Niederschrift dieser Zeilen gerade Kommunalwahlen stattfinden. Die heranrückenden Albaner haben die Kosovoserben zur Minderheit im eigenen Lebensraum degradiert, und Minderheiten können sich selbst nach demokratischen Prinzipien nicht durchsetzen; sie müssen sich fügen. Das heisst, es werden ihnen fremde Verhaltensmuster aufgezwungen. Besonders aussichtslos ist die Lage für solche Minderheiten, wenn bei der globalisierten, erpresserischen Politik die Starken (so die arroganten Weltherren USA und deren Helfershelfer und Filialen wie die Europäische Union EU) dreinreden und ohne Einfühlungsvermögen und bei verkümmertem politischem Geschick ihre Massstäbe aufzwingen. Albanisches Recht soll im Kosovo flächendeckend durchgesetzt werden.
 
So hat die EU dem abtrünnigen Kosovo die momentanen Kommunalwahlen aufgedrängt, im Wissen, dass dadurch die Amputation des Kosovo von Serbien zementiert wird. Serbien, das sich wohl aus wirtschaftlichen Gründen einen Beitritt zur EU erhofft, muss seine Landsleute besonders im Norden des Kosovo, die Kosovoserben, und Metochien (westliches Kosovo-Gebiet) ans albanische Messer liefern. Für die Serben-Minderheit, die auf jeden Fall verlieren wird, stellt sich im Prinzip nur die Frage, ob sie an den Wahlen teilnehmen und dadurch albanisches Recht akzeptieren will oder eben nicht. Aber auch das Fernbleiben hilft ihnen nicht weiter.
 
Das Beispiel zeigt die Folgen der Völkerverschiebungen auf, die ihrerseits Proteste, Unruhen und Fluchtbewegungen auslösen. Die Dinge, die an ihrem Ort geordnet sein müssten, geraten in immer grössere Unordnungen. Und ein paar Weitsichtige, die davor gewarnt haben und warnen, werden vom Mainstream überspült, den eine dilettantische Politik in die Irrwege geleitet hat.
 
Hinweis auf ein weiteres Kosovo-Blog
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