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BLOG vom 19.12.2013


Zahnpasten-Innenleben und gigantische Preisunterschiede
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Sicher ist es begrüssenswert und richtig, wenn bei Nahrungsmitteln und anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs auf der Verpackung die Zusammensetzung detailliert angegeben wird. Allerdings ist es für den Normalverbraucher, der kaum mit einem tiefschürfenden Chemieunterricht in Kontakt gekommen ist, unmöglich, das Inhaltsstoffgemenge zu identifizieren und gerade auch noch zu werten. Obschon während meiner beruflichen Ausbildung die „Chemie“ eine dominante Rolle spielte, ich einige Berufsjahre in Laboratorien zugebracht habe, mit der anorganischen und organischen Chemie in Kontakt kam und ich mich anschliessend auch als Publizist vor allem bei der Behandlung von Umweltaspekten mit Fragen zur Chemie herumschlagen durfte (mich interessieren solche noch heute), ist es mir doch verwehrt, zum Beispiel nur schon die Liste der Ingredienzien einer handelsüblichen Zahnpasta vollständig zu verstehen.
 
Beim Fluor und dessen Salzen treten mir die Fluorkühe vors geistige Auge, die Fricktaler Bauern am 09.12.1963 vor den Hauptsitz der Alusuisse in Zürich gekarrt hatten. Die Schäden an den Tierbeständen waren vor allem zwischen 1958‒1963 aufgetreten und wurden auf Abgase aus den Aluminiumwerken in Badisch-Rheinfelden D zurückgeführt. Rund 1800 Stück Rindvieh mussten notgeschlachtet werden. Die ausgemergelten Tiere konnten kaum auf ihren eigenen Beinen stehen (Fluor ist ein Nebenprodukt bei der Aluminiumverarbeitung). Ebenso hatten sich, zum Teil schon früher, im unteren Fricktal ein Bienensterben, Schäden an Haustieren, Obstbäumen, Wäldern und landwirtschaftlichen Kulturen eingestellt.
 
In den Zahnpasten findet sich Fluor in geringer Dosierung als Kariesschutz, und hier spielt wieder einmal die Redensart vom Zusammenhang von Dosis und Giftwirkung mit, wobei mir noch niemand die Wirkung von serienweise verabreichten schwach dosierten Giften erläutern konnte. Darüber wüsste unsere Leber als Stätte der internen Sondermüllverarbeitung am besten Bescheid.
 
Zahnpasten sind Konglomerate von Wirk- und Giftstoffen. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Inhaltsstoffangaben von 2 Zahnpasten, „meridol“ und „nevadent Complex 3. Herbal fresh“ von Lidl, zu sezieren, nachdem die letztere mit der Bewertung „sehr gut“ Massstäbe gesetzt hatte. Die Inhaltsstoffe sind immer im Chemie-Esperanto Latein angegeben, was verständlich ist, denn eine Wiederholung der langen Liste in verschiedenen Sprachen fände auf der Tube nicht Platz. Bereits für die Einheitsliste musste eine Minischrift gewählt werden. Sie liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines Chemiefachbuchs für Fortgeschrittene.
 
Hier die beiden Listen (kursiv) mit einigen Erläuterungen: 
Inhaltsstoffe der meridol-Zahnpasta
Aqua (Wasser)
Sorbitol (Zuckeralkohol) *2
Glycerin (Zuckeralkohol) *2
Hydrated Silicea = Kieselgel (Siliziumdioxid) *1
Silica Dimethyl Silyate =Hochdisperses Siliziumdioxid *1
Hydroxyethylcellulose (HEC). Reinigungsmittel.
Cocamidopropyl Betaine (Kokosbetain). *4
PEG-40. *5
Hydrogenated Castor Oil. *6
Aroma.
Sodium Gluconate (Natriumgluconat). *9
Limonene (pflanzlicher Duftstoff).
PEG-3 (Polyethylenglykol, Wirkstoffträger).
Tallow Aminopropylamine. *11
Olaflur (Fluorid zur Prophylaxe von Karies und Paradontitis, in höherer Dosierung giftig).
Stannous Fluoride *13 (Zinn-Fluorid, in höherer Dosierung giftig – Fluorose).
Sodium Saccharin (synthetischer Süssstoff).
Potassium Hydroxyde (Kaliumhydroxid). *17
Hydrochloric Acid (Salzsäure).
Cl 74160 (Kupferphthalocyanin), Farbstoff.
 
Inhaltsstoffe der nevadent-Zahnpasta
Aqua (Wasser)
Hydrated Silica = Kieselgel (Siliziumdioxid).*1
Sorbitol (Zuckeralkohol).*2
Propylene Glycol.*3
Tetrapotassium Pyrophosphate. Tetrakaliumpyrophosphate (beugt Zahnstein vor).
Sodium C14-16 Olefin Sulfonate. *7
Aroma.
Xanthan Gum. *8
Titanium Dioxide (Weisspigment).
Sodium Fluoride (Natriumfluorid). *10
Allantonin. *12
Sodium Saccharin (synthetischer Süssstoff).
Commiphora Myrrha Resin Extract. *14
Chamomilla Recutita Flower Extract. *15
Salvia Officinalis Leaf Extract. *16
Zinc Chloride (Zinkchlorid). *18
Cl 74160 (Kupferphthalocyanin), Farbstoff.
Cl 77492 (Eisenoxidhydrat) Farbstoff. 
Inhaltsstoffe des Pflanzen-Zahngels von Weleda
Dass es auch ohne ein umfangreiches Chemikalienarsenal geht, lehrt Weleda. Das Pflanzen-Zahngel ist wie folgt zusammengesetzt:
 
Glyzerin, Wasser, Kieselsäure, Alginat (natürlicher Quellstoff), Auszüge aus Kamillenblüten, Ratanhiawurzel und Myrrhe, Alkohol, Pfefferminzöl, Krauseminzöl, Fenchelöl, Aesculin (Glucosid aus Rosskastaniensamen).
 
Was den Inhalt anbelangt, schneiden auch die Trybol-Zahnpasten ausgezeichnet ab. Die Kräuter-Zahnpasta kommt ohne Fluoride aus. Monofluorphosphateaber enthält die „Kräuter-Zahnpasta Senior“ – uns älteren Frauen und Männern ist das noch zuzumuten.
 
Endnoten
*1 Kieselgel kräftigt Haut, Gewebe, Haare, Nägel.
*2 Sorbit schützt Zahncrèmes vor dem Austrocknen (Feuchthaltemittel), ist nur wenig kariogen. Zudem sorgt er für einen süssen Geschmack, der meines Erachtens ja auch nicht überall vorkommen müsste, besonders in Zahnpasten nicht. – Glycerin seinerseits soll die Wiederansiedlung von Bakterien an die Zähne verhindern, kann aber auch die Remineralisierung hemmen.
*3 Feuchthaltemittel mit antimikrobiellen Eigenschaften, gesundheitlich nicht ganz unbedenklich (Allergien, Leber- und Nierenbelastung).
*4 Bakterienhemmendes Reinigungsmittel (bis heute ist nicht genau bekannt, welche Bakterien, die es sind, die Bakterien verursachen).
*5 Polyethylenglykol macht die Haut durchlässiger.
*6 Derivat des Rizinusöls als Wirkstoffträger.
*7 Reinigend und schaumbildend.
*8 Polysaccharid. Natürliches Verdickungs- und Geliermittel.
*9 Chelat- oder komplexbildend.
*10 Natriumfluoride sind giftig, gelten als karieshemmend, werden manchmal Speisesalz und sogar Trinkwasser (!) zugesetzt; bis vor einigen Jahren war das in der Chemie-Stadt Basel nach US-Muster der Fall. Fluorid fördert die Einlagerung von Mineralstoffen in die Knochen- und Zahnmatrix. Doch viele Fachleute erkennen in der Zahnkaries keine Fluoridmangelerkrankung, sondern sie identifizieren diese als Folge schlechter Mundhygiene und einer für die Zähne schädlichen, denaturierten Ernährung. Das Fluoridierungsdogma, hervorgegangen aus der gewinnbringenden Verwertung eines Abfalls aus der Aluminiumindustrie, wird nicht mehr hinterfragt.
*11 Tollow Aminopropylamine werden aus Rindertalg gewonnen. Antistatisch und emulsionsfördernd.
*12 Allantonin wird aus Harnsäure und Glyoxysäure synthetisiert. Gegen Hautirritationen beschleunigt Zellaufbau.
*13 Fluoride gelten in den üblichen Mengen als erträglich; die Giftwirkung tritt erst bei höheren Mengen auf, zum Beispiel als Schäden am Zahnschmelz (Gelbfärbung).
*14 Commiphora Myrrha Resin Extract: Extrakt aus dem Harz der Myrrhe, macht geschmeidig.
*15 Chamomilla Recutita Flower Extract: Extrakt aus den Blütenköpfen der Kamille; er macht geschmeidig, verbessert das Aroma.
*16 Salblätter-Extrakt: kräftigend, reinigend.
*17 Angeblich Blockade der (Schmerz-)Reizweiterleitung www.zahnersatz.de; doch dürften Kalium-Salze genau den gegenteiligen Effekt haben.
*18 Zinksalze stärken Zahnschmelz und sind bakterientötend.
 
Der Vergleich meridol-nevadent
Vergleicht man den Inhalt der beiden Zahnpasten, findet man eigentlich keine grossen Unterschiede. Dass dem Fluor bei meridol mehr Ehre angetan wurde [(Zinn-II)-Fluorid dient auch als Plaquereduzierer], macht das Produkt insgesamt nicht besser, besonders aus der Sicht von Skeptikern, die dem Fluor wenn immer möglich ausweichen. Dafür sind bei der Lidl-Zahnpasta mehr Naturprodukte darin enthalten, so dass ich diese mildere Variante der „meridol“Zahnpasta vorziehen würde.
 
Die Preisfrage
Betrachten wir, unbesehen vom Inhalt, die Sache mit dem Preis, gerät man ins Staunen. So kosten (bei Coop) 75 ml meridol 4.40 CHF. Das macht hochgerechnet auf 125 ml (nevadent-Tubeninhalt) = CHF 7.33.
 
125 ml nevadent kosten bei Lidl 0.69 CHF ... unglaublich billig. Das heisst, für die „meridol“-Zahnpasta wird bei Coop etwa 10.6 × mehr verlangt. Solche exorbitante Differenzen sind schwer zu verstehen und lassen auf eine ausgeprägte Abzocker-Mentalität schliessen, die nicht zu rechtfertigen ist. Ich gehe davon aus, dass Lidl auch an der „nevadent“, die übrigens auch beim deutschen Warentest mit einem „sehr gut“ abgeschnitten hat, ebenfalls noch etwas verdient. 
 
Wo immer wir Produkte vor uns haben, die sich nicht 1:1 vergleichen lassen, kommen – mit Vorliebe in der Schweiz – Fantasiepreise zur Anwendung, auf die jene Leute hereinfallen, die keine Möglichkeit haben oder sich nicht der Mühe unterziehen, mit analytischem Blick in die Tiefe vorzudringen. Und tatsächlich stösst hier jedermann an seine Grenzen – und sei es auch nur aus zeitlichen Gründen. Konsumkritische Organisationen und Medien wie der „Kassensturz“ von SRF haben bei diesem Sachverhalt eine wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten. Man müsste ihnen viel mehr Platz und Mittel zur Verfügung stellen, zum Beispiel zulasten der Hypertrophie an Ratespielen. Die Aufklärung der Gesellschaft durch die Medien aller Art wäre wichtiger als die Unterhaltung der Volksmassen.
 
Spass darf und muss sein. Aber der Gefahr, dass er an der Kasse von Handelsunternehmen sein abruptes Ende findet, müsste ebenso wie der Karies vorgebeugt werden.
 
 
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