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BLOG vom 05.05.2014


Fabelhaft! Der Gentleman-Gärtner Henry und die Fee
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Der Ausruf „Fabelhaft!” ist weit verbreitet und schlüpft leicht über die Zunge, auch in anderen Sprachen: Fabuleux! Fabulous! Fabuloso! Über den floskelhaften Ausruf hinweg drückt das Wort hingerissenen Jubel aus; bei mir am leichtesten, wenn Musik, vornehmlich Barockmusik, erklingt. Zum Glück gibt es viele andere Auslöser, etwa von der Küchenfee zubereitete Leckerbissen. Die Werke der Dichter und Poeten bieten mir viele fabulöse Kostproben. „Komm, liebe Fee, und bringe mir einen fabelhaften Einfall”, bitte ich sie, denn sie erfreuen mich an 1. Stelle und entfesseln meine Fabulierlust aus dem Stegreif.
 
Ein Weilchen ist es her, seitdem mich die Fee aufgesucht und mir diesen Text hinterlassen hat: 14.11.2013 Kindergeschichte: Der Fuchs, der ein Hund sein wollte. Lily bezeichnete diese Geschichte als „aali“ (auf persisch fabelhaft) und wollte, wie schon oft zuvor, wissen, was diese ausgelöst habe. „Ich weiss es nicht”, antworte ich auch diesmal.
 
Nach langer Wartefrist erschien die Fee und fragte mich vorwurfsvoll: „Warum vergällst du deine Lebensfreude fortzu mit Klagen und Anklagen?” Ausweichend antwortete ich: „Zwangsläufig … es gibt zu viel Elend und zu viele Schufte auf der Welt.” Davon wollte sie nichts wissen. „Befasse dich mit Trostspendern”, riet sie und verliess mich.
*
Henry – der „Gentleman”-Gärtner
Henrys Visitenkärtchen verhiess freundliche und zuverlässige Gärtnerdienste zu vernünftigen Preisen schon seit 30 Jahren, und er sei auf Gemüsegärten spezialisiert, stand noch vermerkt. Auf der rechten Seite seiner Karte war die Karikatur eines Gärtners abgebildet, wie er eben mit kräftigen Stiefeldruck seinen Spaten in die Erde trieb. Daneben war einem Topf eine Riesenblume entwachsen, und oberhalb seiner Mütze umflatterte ihn ein Vöglein.
 
Vor einem guten Monat fuhr er bei mir vor. „Mein Rasenmäher hat versagt”, klagte ich. „Die Benzinzufuhr ist verstopft. Das lässt sich leicht beheben”, meinte er. Sein Preisvorschlag war durchaus annehmbar. So vereinbarten wir einen Termin kurz nach Ostern, einen Spätnachmittag.
 
Am vereinbarten Tag regnete es ohne Unterlass. Im Rasen war das Gras mitsamt dem Löwenzahn hochgeschossen. Ich nahm an, dass Henry den Termin verschieben werde. Aber er erschien wie versprochen kurz nach 4 Uhr und parkierte sein Auto im Vorhof. Ich entfloh dem Regen ins Haus. Der Motor meines Rasenmähers schwieg. Nach einer halben Stunde gesellte ich mich zum Handwerker. Unter einem riesigen Regenschirm hatte er inzwischen den Motor des Mähers auseinander gebeinelt. Die dazu benötigten Werkzeuge lagen säuberlich auf einer Unterlage ausgebreitet. Henry hatte eben die verstopfte Zufuhr ausgeblasen und gereinigt. Ich bewunderte sein Geschick und bot ihm eine Tasse Kaffee an.
 
„Diese Maschinen sind einander gleich”, erklärte er mir. Wir plauderten miteinander. Zuerst habe er mit seinem Bruder zusammen Bäume gestutzt, bis ihm wegen seines Alters – ich schätzte ihn auf 60 Jahre – diese Arbeit zu gefährlich wurde und er sich der allgemeinen Gartenpflege zu widmen begann. Henry hatte 2 halbwegs erwachsene Söhne und eine Tochter. So brauche er nicht auf Enkelkinder zu warten, spasste er.
 
Henry richtete sich auf, und im Nu lebte mein Rasenmäher knatternd auf. Der Gärtner schlüpfte in seinen Regenschutz und begann, den durchnässten Rasen zu mähen. „Fabelhaft”, lobte ich ihn von Herzen und gab ihm sein Geld und erst noch jenen Rasenmäher, den mir ein Schuft vor einem halben Jahr angedreht hatte. „Den kann ich gut brauchen”, dankte er. „Ihre Maschine ist übrigens in einem ausgezeichnetem Zustand”, versicherte er mir. Nach kurzem Rundgang durch den Garten, sagte er noch: „Ihr Garten gefällt mir so, wie er ist”, und er fügte noch hinzu: „Die Vögel, Bienen und Schmetterlinge kommen nicht zu kurz.“
 
Ich werde Henry bald wieder bestellen, damit er mir einen Gemüsegarten einrichtet! Hoffentlich ist die Fee heute mit mir zufrieden ...
 
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