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BLOG vom 27.05.2014


Recherchen 12: Welche Stoffe hemmen Eisenresorption?
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Leserin S. aus Bern las kürzlich in der „Reform Rundschau“ (2014/05) meinen Bericht übers Eisen. Sie stellte mir einige Fragen per E-Mail vom 15.05.2014.
 
Die Frau hat niedrige Ferritin*-Werte im Blut und kann sich den Eisenmangel nicht erklären. Wie sie betonte, trinkt sie schon seit 50 Jahren keinen Schwarztee mehr, jedoch konsumiert sie täglich 2 Gläser Grüntee, den sie mit Aspartam süsst. Sie las dann im Internet, dass Aspartam die Resorption von Eisen störe. Sie war ziemlich erschrocken.
 
„Meine Ärztin hat mir Eisentropfen verschrieben, die ich jetzt nehme. Ich kann mir nicht den Mangel erklären, denn ich ernähre mich gesund und achte auf gute Zusammensetzung. Ich esse viele Nahrungsmittel, aber kein Fleisch. Den Eisenmangel habe ich geahnt, da ich plötzlich so Lust auf Bündner Fleisch hatte. Habe dann auch eine Flasche Floradix® von Salus gekauft. Darauf wurde es schon besser, aber ich bin immer noch schnell müde.“
 
* Ferritin ist die Speicherform des Eisens im Organismus. Ein niedriger Wert beweist einen Eisenmangel. Ein hoher Wert deutet auf eine Eisenüberladung hin. Bei einer Krebserkrankung kann sich der Ferritinspiegel erhöhen.
 
Dr. Ulrich Mautner, Wissenschaftlicher Marketingleiter der Firma Salus, Bruckmühl, gab mir diese Erklärung: „Die Informationen im Internet zur Aufnahmehemmung von Eisen durch Aspartam halte ich nicht für richtig, und sie sind wissenschaftlich nicht stichhaltig.“ Er betonte weiter, dass nach der Floradix®-Einnahme viel dafür spricht, dass ein Eisenmangel vorliegt, weil die Akutansprache nach Verabreichung so gut ist.
 
Er empfiehlt eine 10- bis 12-wöchige kontinuierliche Floradix®-Einnahme, um die Eisenspeicher wieder aufzufüllen. Die Einnahme sollte im zeitlichen Abstand von der Konsumierung von Tee oder Kaffee erfolgen. Einnahmehinweis: 3 × täglich ½ Stunde vor dem Essen. Danach keine Tannin enthaltenden Getränke konsumieren. Empfohlen werden Nahrungsmittel, die einen positiven Einfluss auf die Eisenresorption haben.
 
Resorptionshemmende Stoffe
Es gibt Nahrungsbestandteile, die mit Eisen Komplexe bilden und nicht mehr von den Verdauungssäften geknackt werden können. Diese sind zum Beispiel: Phytin (in Getreide, Kleie), Oxalsäure (in Spinat, Rhabarber), Alginate (enthalten in Puddingpulver, Instantsuppen, Speiseeis, Abführmitteln mit Quellsubstanzen) und Tannine. Reich an Tanninen (Gerbstoffen) sind Grün- und Schwarztee sowie gerbstoffreiche Kräutertees.
 
Um auf eine Frage von Frau S. zurückzukommen, auch Grüntee hemmt die Eisenresorption gleichermassen wie Schwarztee.
 
Fakten zum Phytin: Durch Auskeimen, Einweichen (Müesli), Hefe und Sauerteig wird das Enzym Phytase aktiviert. Dieses Enzym vermag Phytin bis zu 70 % abzubauen.
Auch Magensäure abpuffernde Medikamente (Antazida) binden Eisen. Bestimmte Medikamente hemmen die Eisenresorption. Es sind dies Salicylate, Tetrazykline und Cholestyramin.
 
Resorptionsfördernde Stoffe
Von besonderer Wichtigkeit ist der Verzehr von Nahrungsmitteln, die viel Vitamin C und organische Säuren wie Milchsäure, aber auch Aminosäuren und Eiweissstoffe und Fruchtsäuren wie Zitronensäure enthalten. Diese beeinflussen die Eisenresorption positiv. Die Eisenresorption aus pflanzlicher Kost erhöht sich um das Dreifache, wenn ein Glas Orangensaft zu den Mahlzeiten getrunken wird.
 
Wie entsteht ein Mangel?
Dieser Absatz dürfte für Frau H. von Interesse sein, zumal sie sich den Eisenmangel nicht erklären kann. Folgende Faktoren spielen eine Rolle:
 
Ein Eisenmangel entsteht meistens durch eine zu geringe Aufnahme von Eisen mit der Nahrung, erhöhte Blut- und damit gleichzeitig Eisenverluste bei Frauen im gebärfähigen Alter, häufige Blutentnahmen, chronische Blutverluste durch Darmgeschwüre, Polypen, Tumore und Parasiten. Mit jedem Milliliter Blut gehen etwa 0,5 mg Eisen verloren. Durch Blutspenden von 500 ml Blut gehen 250 mg Eisen verlustig. Menstruierende Frauen verlieren pro Monat 15 mg Eisen.
 
Die Resorption von Eisen ist auch bei Nahrungsunverträglichkeiten, Zöliakie und Morbus Crohn vermindert. Eine Blutarmut bildet sich ferner bei einer Störung der Eisenresorption aus. Dies ist zum Beispiel bei mangelhafter Produktion an Magensäure und bei Störungen der Blutfarbstoffbildung der Fall.
 
Die Eisenversorgung von Vegetarier und Veganer ist entweder gleich oder nur geringfügig niedriger als bei Gemischtköstler. Voraussetzung ist jedoch die richtige Nahrungswahl und Nahrungskombination.
 
Literatur
Scholz, Heinz: „Mineralstoffe + Spurenelemente“, Trias Verlag, Stuttgart 1996.
Scholz, Heinz: „Für eine `eiserne‘ Gesundheit“ – Eisen“, Reform Rundschau“, 2014/05; www.reform-rundschau.de
Woschnagg, Herbert; Exel, Wolfgang: „Mein Befund“ (Laboruntersuchungen verständlich gemacht), Ueberreuter Verlag, Wien 1991.
 
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