Textatelier
BLOG vom: 08.06.2014

Alltagssprachelektion: Wie geht’s? S'geht! Dann geht’s ja!

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein
 
Das Verb „gehen“ wird so vielfältig eingesetzt wie beispielsweise das englische Verb „to go“, das französische Verb „aller“ oder das spanische Verb „ir“, und keines der Verben lässt sich so einfach übersetzen.
 
Laut Wikipedia ist „gehen“ eine Fortbewegungsart, bei der es im Gegensatz zum Laufen keine Flugphase gibt. Man hat also bei dieser Tätigkeit immer Bodenkontakt. Das ist aber nur dann der Fall, wenn wir das Verb in seiner ursprünglichen Bedeutung benutzen.
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Als die Fabrik in die Luft ging, ist er in seinem Büro an die Decke gegangen! Er ist übrigens gegangen worden.
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Er fragte ihn: “Wie geht’s?“ Sie fand die Frage unpassend, schliesslich war der Befragte nach dem Unfall gelähmt und konnte seine Beine nicht mehr bewegen.
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Er wollte ihn noch vor dem Umgang mit diesem Arzt warnen, aber da war der Freund schon von uns gegangen.
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Ein Kurzkrimi: Sie sagte ihm, er soll zum Teufel gehen; da ging er über Leichen. Der laute Schrei seiner Opfer ging mir durch Mark und Bein. Dafür ging er lebenslänglich in den Knast.
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Er wollte mit der Zeit gehen, aber das ging voll in die Hose! Er war zu weit gegangen.
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Als er sich gehen liess, liess sie ihn gehen, denn das ging gegen ihre Überzeugung.
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Ein Drama: Zuerst ist er in Urlaub, dann an und später über Bord gegangen.
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Er wollte unter die Musiker gehen, doch die haben ihn einfach übergangen.
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Sie sagte, dass man Hefeteig gehen lassen müsse, und ich fragte naiv ‚wohin?’
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Es ging um ein Missverständnis: Sie wollte ins Theater gehen, er nur ins Bett. Jetzt will sie keine Ehe mehr mit ihm eingehen.
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Ihr ging die Musik unter die Haut, ihm auf die Nerven! So kann es gehen!
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Wer nicht so weit weg gehen will, muss nicht über den Jordan, er kann auch über die Wupper gehen!
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Ihr ging es um Liebe, ihm nur ums Geld. Sie fand, das gehe nicht zusammen!
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Noch ein Drama: Die Bundeskanzlerin ging nach Amerika, sagte: „Das geht gar nicht!“. Damit meinte sie, dass die USA nicht hingehen können und jeden in Deutschland abhören dürfen. Doch dann liess sie die Dinge ihren Gang gehen.
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Es ging das Gerücht, das Geschäft gehe nicht wie geschmiert. Das ging in die richtige Richtung, alles ging den Bach runter und am Ende ging es Pleite.
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Als ihm das Wasser bis zum Hals ging, zog er den Stöpsel heraus, denn es ging ums Ganze.
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Der Erlkönig in Goethes Gedicht lockt: „Willst feiner Knabe mit mir gehen? Meine Töchter sollen dich warten schön’. Die Frage: ‚Willst du mit mir gehen?’ ist auch heute noch üblich, und das Alter stimmt auch wieder.
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Vor mehr als 40 Jahren sang Adamo ‚Es geht eine Träne auf Reisen.’  Wie soll das gehen?
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Wenn es Ihnen anders gegangen ist, als Sie sich das gedacht haben, sind Sie falsch gegangen!
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Wenn die Uhr falsch geht, gehen Sie besser zum Uhrmacher und nicht auf die Barrikaden!
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Wie Sie unschwer sehen, kann man bei der Benutzung des Wortes laut Duden-online schnell „in die Irre gehen“ (umgangssprachlich) oder „fehlgehen“ (gehoben), wenn man ins Detail geht!
 
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