Textatelier
BLOG vom: 01.08.2014

Bundesfeier-Datum: War der 1. August nicht am 1. August?

Autor: Walter Hess, Publizist (Textatelier.com), Biberstein AG/CH
 
„Eidgenossenschaft 1307: Die Wahrheit über den 1. August“ verbreitete der „Blick“ am 01.08.2014. Und im Untertitel wird die Wahrheit gleich festgehalten:
 
Das Gründungsdatum der alten Eidgenossenschaft ist der 8. November 1307. Aber warum also feiern wir heute nicht dieses Datum als Gründungsdatum?“
 
Ob dieser Hiobsbotschaft, die mir den ganzen Bundesfeiermorgen in den vernebelten Dunstkreis des Fragwürdigen versetzte, habe ich folgende Twitter-Botschaft verbreitet: „Das Bundesfeier-Datum. Niederschmetternd. Was manchen wir jetzt mit all den Kalbsbratwürsten?“
 
Zugleich befragte ich unseren Historiker Dr. Pirmin Meier in Beromünster LU nach dem tatsächlichen Sachverhalt. Er mailte innert 20 Minuten zurück, aus dem Vollen schöpfend:
 
„Der 1. August war genau am 19. Juli, aber wohl zwischen 25. Juli und 2. August
 
Der 1. August 1291, ein Mittwoch, also ein Tag, an dem man kein Fleisch ass (wie Freitag), war astronomisch, von heute aus gesehen, am 19. Juli. Es geht um den spät aufgefundenen Bundesbrief, den der Erzähler der Schweizer Geschichte und faktische Installator des Rütli, der Schaffhauser Johannes von Müller, noch nicht kannte. Derselbe kannte nicht mal das Weisse Buch von Sarnen, die älteste Quelle betreffend Tell, dessen Verfasser, Hensli Schryber, sicher nicht der Meinung war, ein ,Märchen’ zu reportieren, wie es Gottlieb Emanuel Haller zum Protest Jean-Jacques Rousseaus 1760 behauptete. Und Josef Eutych Kopp, der Luzerner Historiker aus Beromünster, eine Zeitlang Bezirkslehrer in Zurzach AG (heute Bad Zurzach) wurde noch 1959 vom Briefkastenonkel von Radio Beromünster verdächtigt, ein Agent Clemens Wenzel von Metternichs, des österreichischen reaktionären Kanzlers, gewesen zu sein, weil er die Existenz Tells als erster wissenschaftlich in Frage stellte.
 
Im Text des Bundesbriefes steht „Augusto ineunte“, anfangs August. Was das alpine Brauchtum betrifft, fanden gemäss Pierre Maugué, Guillaume Tell et la tradition celtique, anfangs August Hochzeiten, auch Wagenrennen und Vertragsabschlüsse statt. Das passt also gut. Viele Alpstubeten sind indes am Tag von St. Jakob (25. Juli) oder St. Anna (26. Juli) anzusetzen. Vom Festbrauchtum (vgl. Fasnacht) fanden Feste entweder am Dienstag, Donnerstag oder Samstagabend und Sonntag statt, weil zu diesen Terminen Fleisch gegessen werden durfte.
 
Insofern setze ich den Termin des Bundesbriefes von 1291 am wahrscheinlichsten auf den 2. August an, astronomisch 20. Juli, was von der Festorgie her ein Abtrinken des Landfriedens mit Brot und Speck, auf jeden Fall Fleisch, am Donnerstag, den 2. August 1291, Julianischer Kalender, gestattete.
 
Noch Fragen?“
 
Soweit Pirmin Meier mit der ihm eigenen Detailgenauigkeit, in Zusammenhänge eingebettet. Somit wären wir also mit unserem Bundesfeier-Datum nur 1 Tag daneben, und da der Historiker keine Verschiebung vorschlägt, wagen wir es, heute, am 01.08.2014, zu feiern, wie es die Tradition will.
 
Die Grillgeräte können angeworfen werden.
 
 
Hinweis auf weitere Blogs zu Bundesfeiern
 
Hinweis auf weitere Blogs von Eisenkopf Werner
SOCIAL-MEDIA und die Freude an der Nicht-Existenz
KLIMA - Extreme Hitze und Trockenheit gab es bereits oft und schlimmer
Extremhochwasser und Hunderte Tote an der deutschen Ahr - seit 1348 aufgezeichnet
Will die CH der BRD in die totale Zwangswirtschaft folgen?
Ketzerworte zur CO2-Gesetzgebung und CH-Abstimmung am 13. Juni 2021
Flaggenchaos durch Schottlands Austrittswunsch aus GB
CHINAs Wirtschafts-Superwaffe gegen den Westen: "Klimaschutz"
WO sind eigentlich die Klimaschutz-Gläubigen und wo die Zweifler?
ALTES FOTOGERÄT in modernstem Einsatz - A-Minolta MD
Der deutsche "Kohleausstieg" und "dämliche" Pressegedanken (dpa)
ALTES FOTOGERÄT in modernstem Einsatz (Prolog)
Was ist ein "STAATSSTREICH IN ZEITLUPE"?
CHINA ist bald Weltmacht Nr. 1
Jahreswende 1978/79 mit Schneechaos und Stromausfall in D+DDR (Teil 1)
Weihnachten in der drittbreitesten Schweizer Kirche