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BLOG vom 07.11.2014


Alpiner Pfad: Abenteuerlich, beschwerlich und faszinierend
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
 
Am 29.10.2014 haben wir uns den höchstgelegenen und wohl auch den schwierigsten Wanderweg im Schwarzwald ausgesucht: den 3.5 km langen Alpinen Pfad, der sich im Naturschutzgebiet Feldberg befindet Er verläuft meistens waagrecht durch die felsigen Nordabstürze des Feldbergs. Was auf uns zukommen würde, konnten wir nicht ahnen. Unser Führer Toni von Lörrach hatte diesen Weg vor vielen Jahren schon einmal begangen. „Diese Wanderung müsst ihr machen“, sagte er schon vor einigen Wochen, und er bemerkte, dass man diese Tour nur bei trockenem Wetter und mit Stöcken angehen sollte. Der Schwarzwaldverein hat den Weg nicht mehr ausgeschildert. Privatleute haben selbstgemachte Holzschilder oder rote Markierungen angebracht. An einigen Stellen waren Einkerbungen an Baumstämmen, die uns das Darüberklettern erleichterten. Der Alpine Pfad ist ein Geheimtipp für abenteuerlustige Wanderer.
 
Ich dachte, der Weg würde wohl nicht schwieriger sein als der Felsenweg oberhalb des Feldsees. Aber da sollte ich mich irren, wie der folgende Bericht zeigt.
 
5 Wanderfreunde waren bereit, den alpinen Weg zu begehen. Wir fuhren nach Todtnauberg-Radschert und von dort zum Berggasthof Stübenwasen (1220 m ü. NN). Da wir hier unsere Schlusseinkehr machen wollten, konnten wir dort parkieren. Dann ging es etwas steil bergauf zum Stübenwasengipfel (1386 m ü. NN). Er ist der sechsthöchste Berg des Schwarzwalds und gilt als Nebengipfel des Feldbergs. Hier oben befinden sich das Stübenwasenkreuz und wohl die längste Sitzbank der Welt. Aber wir waren noch nicht müde, liessen die Bank rechts liegen und wanderten zur St. Wilhelmer Hütte (1402 m ü. NN), die sich unterhalb des Feldbergs befindet. Wir gingen frohen Muts weiter in Richtung Hüttenwasenhütte. Linker Hand sahen wir viele Baumskelette, wohl durch Umweltschäden verursacht. Wir gingen über eine Weide, dann einen steilen Waldpfad hinunter zur „Hüttenwasenhütte“, die auch mit „Royal-Engineers-Hütte“ bezeichnet wird. Diese Hütte wurde von britischen Pionieren erbaut.
 
Gefährliche Wegstrecke beachten!
Von hier aus führt der eine Weg ins St. Wilhelmer Tal und der andere um den Toten Manngipfel herum zum Stollenbacherhof. Wir wählten richtigerweise den links vom Hauptweg abzweigenden Pfad und erreichten nach 15 Minuten das Schild mit dem Warnhinweis „Achtung gefährliche Wegstrecke!“. Dann lasen wir den folgenden Zusatz: „Dieser Teil des ‚Alpinen Steigs’ ist stellenweise abgerutscht oder durch umstürzende Bäume bedroht. Begehen auf eigene Gefahr – Staatliches Forstamt Kirchzarten.“
 
Dann lasen wir auf einem Schild darüber etwas über den Bannwald. Dieser Wald soll sich ungestört zum „Urwald von morgen“ entwickeln. Er dient auch als wissenschaftliche Beobachtungsfläche für die Urwaldforschung. Es folgte der Hinweis, man solle die Gefahr durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume beachten. Auch solle man keine Pflanzen oder Früchte sammeln und auf den Wegen bleiben. Wir blieben auf den Wegen, das heisst, ab und zu mussten wir umgestürzte Bäume, die auf den Wegen lagen, umgehen.
 
Erschreckend waren die vielen abgestorbenen Bäume entlang des Alpinen Pfads. Dazu der Trost von Dr. Stefan Büchner vom Naturschutzzentrum Südschwarzwald: „Zu den vielen toten Bäumen: Da muss das Naturfreunde-Herz gar nicht bluten! Seien wir lieber froh, dass in unserer so ‚durchgestylten’ und ‚gemanagten’ Landschaft wenigstens in den paar kleinen Bannwäldern wie hier im ‚Napf’ die Natur mal machen darf, was sie will.“
 
Bei Sturm sollte man den Weg nicht begehen, da die zum Teil morschen Bäume leicht umfallen. An einer Stelle war ein Baum in der Mitte fast durchgebrochen und drohte auf den Weg zu stürzen. „Schnell durchgehen, sonst fällt der Stamm auf unsere Köpfe“, war von einem Wanderfreund zu hören.
 
Auf dem Weg lagen dünne und dicke Baumstämme. Besondere Vorsicht mussten wir walten lassen, wenn wir Baumstämme überstiegen, die mit spitzen Astresten versehen waren. Auch „Fussfallen“ in Form von Wurzeln und Steinen mussten beachtet werden.
 
Als wir an einem besonders dicken, jedoch glatten Stamm, der quer über dem Weg lag, kamen, überlegten wir uns, wie man darüber kommt. Wer besonders lange Beine hat, kann vielleicht mit einem Spagat das Hindernis überwinden. Ich legte mich flach auf den Baum und rollte mich darüber. Geschafft!
 
Ab und zu konnten wir zur Ruhe kommen und die schönen Tiefblicke in den „Napf“ und hinab bis ins St. Wilhelmer Tal geniessen. Wir machten in der Ferne sogar den Schauinslandturm aus. Der „Napf“ ist ein Kar, das sich wie eine Suppenschüssel ins St. Wilhelmer Tal hinein erstreckt.
 
Und weiter ging es entlang des Pfads, der schier nicht enden wollte. Es gab kein Zurück, wir mussten uns durchkämpfen. Aus war es mit dem „Lustwandeln“. Die schwierigste Stelle des Alpinen Pfads ist ein Felsbrocken, der den Pfad unterbricht. Fast 3 m ging es in die Tiefe. Zum Glück befand sich hier ein blaues Seil, so dass wir uns etwas festhalten konnten. Auch hilfreiche Hände der Wanderer, die schon das Hindernis überwunden hatten, brachten alle sicher über diese Stelle.
 
Der Weg wird natürlich nicht von vielen Wanderern begangen. An diesem Tag begegnete uns nur ein Pärchen, das den Weg in entgegengesetzter Richtung durchquerte. Die beiden machten uns noch auf einige morastige Wegstrecken aufmerksam. Nun das merkten denn auch wir bald. Wir stapften durch den Matsch, überquerten auf Steine kleine Rinnsale. Kein Wunder, dass wir dreckige Schuhe und verschmutzte Beinkleider hatten. Manche hatten einen feuchten Hosenboden, nachdem sie Bekanntschaft mit nassem Gestein machten.
 
Endlich, nach 2 Stunden, hatten wir den Alpinen Pfad überwunden. Aber die Baumkletterei war noch nicht zu Ende. Auf unserem Weg zum Stübenwasenkreuz war uns so mancher Baumstamm im Wege. Der letzte Baum hatte es noch in sich. Er war noch ziemlich grün und sah gesund aus, war sehr dicht mit Ästen ausgestattet. Eine Umgehung war nicht möglich. Wir mussten uns durch das Gewirr der Äste durchkämpfen. Aber auch dieses Hindernis haben wir mit Hilfe unserer noch nicht morschen Knochen durch geschickte Kletterei überwunden. Wir sind für unser Alter noch ganz gut gelenkig.
 
Viele Passagen habe ich fotografisch festgehalten. Sonst glaubt das uns keiner. Als ich die abgekämpften Wanderer an einer Engstelle ins rechte Licht setzten wollte, ging ich rückwärts und schrammte mir an einem Baum die Kopfhaut auf. Es blutete, aber die Wunde war nicht so schlimm. Das Bluten kam bald zum Stillstand.
 
Als wir das Stübenwasenkreuz über einen Trampelpfad erreichten, wanderten wir nach einer kurzen Pause auf den breiten Wanderweg zurück zum Berggasthof Stübenwasen. Dort war Erholung angesagt. Wir speisten und tranken, dass es eine Freude war.
 
Zum Schluss möchte ich Rainer und Claudia (www.rainerundclaudia.de) zitieren, die den Alpinen Pfad schon mehrfach begangen haben. Ihr Fazit:
 
„Hier ist man noch alleine auf der Welt! Eine abgeschiedene, stille Abenteuer-Wanderung, die einem aber durchaus etwas Grund-Kondition, vor allem jedoch Trittsicherheit, abverlangt. Den Einstieg in den Pfad zu finden, bedingt zudem etwas Orientierungsvermögen im Gelände. Den Alpinen Pfad zu begehen, ist eine Wanderung, die einem einigen Respekt abfordert.“ Rainer bemerkte noch, dass der Weg für umsichtige, nicht zu unerfahrene Wanderer ein wahres Highlight sei.
 
Wir empfanden das ebenfalls so. Es war eine wunderschöne, anspruchsvolle und nicht ungefährliche Wanderung, die gerade den Älteren unserer Gruppe alles abverlangte.
 
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