Textatelier
BLOG vom: 07.03.2015

Heiraten über Schranken: Nationalität, Rasse, Religion

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
 
Mein Vater hatte einmal folgenden Bauernratschlag ausgesprochen: „Heirate über den Mist, dann weisst du, wer es ist”. Das besagt: Heirate über den Misthaufen zwischen benachbarten Bauerngüter hinweg. Wohlgemerkt, er selber hatte er diesen Rat nicht befolgt und heiratete meine Mutter, ein Flämin aus Ghent (B).
 
In London wimmelt es von Mischehen. Viele Engländer sind mit einer zierlichen Siamesin verheiratet. Heiraten zwischen schwarzen Männern und weissen Frauen herrschen derzeit vor. Inder und Pakistaner hingegen heiraten meistens untereinander. Die Familien halten dicht. Heiraten zwischen Perserinnen und Europäern sind ebenfalls Ausnahmen. Ich war wohl einer der Wenigen, der sich 1968 mit einer Perserin verheiratet hat. Mitglieder ihrer Familie studierten im Ausland und sahen in mir keinen fremden Eindringling. Ganz im Gegenteil wurde ich von Lily's Eltern wie ein Sohn willkommen geheissen. Auch ihre Schwester Fari hat einen Ausländer (Eric, ein Franzose) geheiratet.
 
Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass Mischehen alteingesessene Vorurteile abbauen und einem besseren Verständnis zwischen Menschen aus aller Welt voranhelfen. Leider widerspricht die Wirklichkeit meiner persönlichen Ansicht in einer kriegslüsternen Welt oft. Trotzdem halte ich an ihr fest.
 
Die Migrationswelle hat in diesem Sinne seine guten Seiten, sofern sie nicht auf Kosten der Einheimischen überbordet. Andere positiv zu bewertende Einflussfaktoren sind das Auslandstudium und die Auslandsaufenthalte junger Leute, die ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern wollen. Für viele Deutschschweizer folgt dem Welschlandjahr (in der französischsprachigen Westschweiz) ein längerer Aufenthalt in England. Wer mehrere Sprachen beherrscht, hat erleichterten Zugang zu gehobenen Stellen in international tätigen Firmen. Die Touristik ist ebenfalls ein beachtlicher Faktor, der die Reiselust entfacht. Der weltaufgeschlossene Reisende entdeckt dabei andere Bräuche und Sitten und geniesst erst noch die lokale Küche. Ich selbst bin von der persischen Cuisine begeistert, die sich inzwischen auch in London etabliert hat.
 
Der schlimmste Störfaktor der Zivilisation ist nach wie vor der Fanatismus in allen Schattierungen. Wir wissen um ihm und brauchen ihn hier deshalb nicht aufzuzählen.
 
Hinzu kommt der rücksichtslose Materialismus, der sich überall kundtut. Niemand ist dagegen gefeit. „Keep on dreaming!”
 
Ich will hier kein Klagelied anstimmen. Dauerhafte Ehen, ob Mischehen oder nicht, beruhen auf gegenseitiger Toleranz mit einer tüchtigen Dosis Rücksichtnahme zwischen den Ehepartnern. Sie können die hohe Scheidungsrate dadurch beachtlich senken. So können Schranken übersprungen werden.
 
 
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